Männer, habt ihr ein Problem?

bei weiten nicht alle, aber doch einige, denn: Was ist da los bei den ständigen Aggressionen gegen Frauen, heißen sie Merkel, Baerbock, Greta, Künast, Dunja Hayali etc.? Besonders Männer, besonders in den sozialen Medien, posten gegen diese Frauen Mordgedanken, Folterandrohungen, übelste Beschimpfungen, Vergewaltigungsfantasien. Frauen, die nicht mit deren Aussagen und Taten übereinstimmen, zeigen bei weitem nicht diese Aggressionen wie die Männer. Liegt es daran, dass es nicht deren „übliches“ Frauenbild entspricht? Da zeigt sich ein Muster, denn Männer, wie Trump, Höcke oder andere Populisten werden vielleicht mit Spott und Kopfschütteln belegt, aber nicht mit solchen Hasstiraden.

Frauen, die für etwas stehen, wie in Sachen Flüchtlingspolitik oder Klimawandel, und diese Überzeugungen leidenschaftlich und klar vertreten, stören wohl einige Männer. Man entdeckt dabei: Auslöser und Reaktion passen oft nicht mehr zusammen. Diese sind völlig unangemessen und zeigen dann eines auf: es ist eine psychische Reaktion, in der alte, unverarbeitete Wunden/Traumata wieder aufsteigen. Es treten aufgestaute Emotionen zu Tage und brechen sich ihre Bahn. Männer zeigen hier ein deutlich psychisch auffälliges Verhalten.

Ist das eine Krise der Männlichkeit, welche die entgrenzten Reaktionen verursachen?

Hier zeigt sich dann ein deutlich gestörtes Frauenbild. Hier zeigen sich Probleme gegenüber Menschen, die für etwas kraftvoll eintreten und tun. Denn Männer scheinen immer weniger den Hintern vom Sofa hoch zu bekommen oder nur mehr dann, wenn es ihren machtvollen Vorstellungen von Männlichkeit entspricht.

Und hier zeigen sich ebenso gestörte männliche Identitäten. Ein Mann, der nicht mehr weiß, wo er steht, zwischen Macho und Softie, und das Mannsein nicht mehr kennt, baut Aggressionen auf, die zu zeigen ihn gesellschaftlich nicht erlaubt sind. Er unterdrückt sie, anstatt sie gesund zu integrieren und in positive Energie zu verwandeln. So entlädt er sie gegenüber Frauen in sozialen Medien.

Verbale Aggression birgt die Gefahr ins reale Leben durchzubrechen, deshalb sollte man über dieses Symptom der Krise der Männlichkeit nachdenken. Männer darf diese Arbeit an ihrer Definition von Männlichkeit nicht abgenommen werden, schon gar nicht, in dem man einfach wieder den Frauen Schuld zuweist. Ihre Forderung für eine Gleichberechtigung ist schlichtweg der vorhandenen absoluten menschlichen Würde geschuldet.

Dennoch: Es nimmt kein gutes Ende, wenn radikaler Feminismus z.B. bereits Grammatik mit Gender verwechselt und in der Sprache das Männliche generell als diskriminierend verortet. Es ist auch nicht zielführend, wenn Frauen meinen, wie Männer sein zu müssen, um gehört zu werden oder Macht und Männlichkeit gleichgesetzt wird. Der Hass von frustrierten Frauen gegenüber allem männlichem in der Sprache und die AfD für frustrierte Männer mit ihrer vorwiegend männlichen Wählerschaft kann nicht auf Dauer das mildere Aggressionsventil sein.

Der „moderne“ und „aufgeklärte“ Mensch kann seine Natur wohl nicht mehr akzeptieren und betrachtet sie als Entscheidung seines Willens. Andererseits verneint er gerade dort die Macht des guten Willens, wo dieser tatsächlich greifen würde und den Menschen und die Welt besser machen. Dann jedoch sieht er sich allein als Opfer der Umstände und seiner Natur. Zwar mag die Wissenschaft in dieser Hinsicht stets das Gegenteil beweisen, doch wenn die Begriffe, mit denen man männlich und weiblich behaftet, nicht Vernunft und Verstand entspringen, sondern auch nur mehr einem Willen, also zu Ideologie werden, dann muss dieser mit Vernunft und Verstand auch die Wissenschaft weichen.

Die Probleme bestimmter Männer können zwar auch mit Vernunft, Verstand und Wissenschaft erkannt und gemildert werden, doch fehlt jenen meist mehr ein gesundes Selbstverständnis des Mannseins. Und hier kann wiederum nur die Natur des Menschen, des Mannes, wie sie vom Schöpfer weise angelegt ist, helfen: „Gott, der Herr, sprach: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen als sein Gegenstück.«“ (Gen 2:18).

Ohne die Frau als Gegenstück, als Hilfe sein Mannsein recht zu leben, geht es also beim Mann nicht. In dem manche Männer die einzige Hilfe ablehnen, beschimpfen und abwerten, die sie zu wahren Männern machen würde, bleiben sie allein in ihrem unfertigen Mannsein, entmannen sich dadurch selbst.

der emmauspilger

2 Kommentare zu “Männer, habt ihr ein Problem?

  1. Hallo Herr Stammeier,
    danke für ihren konstruktiven Kommentar. Es ist heute in einer Empörungsgesellschaft sehr schwierig eine ausgleichende, möglichst umfassende und weitreichende Sichtweise zu vertreten. Es wird erwartet, schwarz-weiß zu argumentieren und wer nicht die eigene Filterblase bedient, wird zum Feindbild, zum Frauenhasser, Männerhasser, Islamophoben, alten weißen Mann oder unwissenden Jugendlichen etc. Ausgrenzung erspart Auseinandersetzung, das Hören aufeinander, ein einfaches Mittel, um seinen Moralismus, eine narzistische Ethik, über alles und jeden zu erheben. Nun alle Grundlagen in Frage zu stellen, wer und was Mensch und was Natur ist, was Naturgesetzen oder biologischen Einflüssen unterliegt, und was dem Willen und der Gesinnung, wird diese angestrebte Identitätspolitik zu Spaltung, Ungerechtigkeit und Unfrieden führen. Die Zeit der Aufklärung, wie sie sich zu Anfang verstand, Wissen zu ergründen und zu vermitteln, ist nun beendet, denn jetzt bestimmt der eigene schuldfreie Wille, was man zu wissen hat.

    Bis bald! Möge unsere Gesellschaft und ihre Meinungsbildung nicht allein den Moralisten, Ängstlichen und Machtwilligen anvertraut sein, deshalb dürfen auch andere, leisere Stimmen vernehmbar sein, auch ihre, sogar wenn der Lärm sie übertönt.

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  2. Lieber Pilger,

    ich lese gerade interessiert einige Artikel Ihres Blogs. Schön, dass es Sie und Ihre Gedanken in dieser veröffentlichten Form gibt. Inspirierend (z.B. zu diesem Beitrag hier).

    Ich gehe sehr konform mit der Wahrnehmung, dass – gerade in den vermeintlichen „social media“ – sehr unappetitliche Äußerungen existieren und ich würde diese durchaus auch mehrheitlich (aber lange nicht ausschließlich) männlichen Protagonisten in diesem Spiel zuordnen.

    Ich teile auch, dass Männer und Frauen sich in den Rollen, die einzunehmen ihnen zugedacht ist, unterstützen sollten. Nichtsdestotrotz würde ich das Gewicht der Schuld – und Sie differenzierten in meinen Augen schon sehr schön – noch gleichmäßiger auf beide Seiten verteilen, wenn man schon so etwas tut.

    Ich äußere mich derzeit in sozialen Netzen gar nicht (außer, wenn WordPress ein solches darstellen sollte), aber habe durchaus eine rationale Rechnung mit den verbalisierten Einstellungen mancher der von Ihnen genannten Frauen offen. Es ist sehr unangenehm, dass wir diesbezüglich in unserer Gesellschaft recht einseitig eingestellt sind und die Männer (durchaus zurecht) zur Raison rufen, nicht aber Frauen für die von Ihnen angewendeten rhetorisch-kommunikativen Waffen.

    Der alte, weiße Mann, die weiße Mehrheitsgesellschaft und ähnliches wird bspw. – zuvorderst von Frauen – ins Feld geführt und von unserer Gesellschaft in deutlich geringerem Maße als Sexismus und Rassismus kritisch gesehen als würde ein älterer weißer Politiker über einen afrikanischen Ausbreitungstyp sprechen.

    Und selbst wenn ich der Meinung bin, man sollte sich neu auf Gemeinsamkeiten konzentrieren und die sich in Anonymität Disqualifizierenden sich selbst überlassen, möchte ich diesen Tipp loswerden: „Toxic Femininity? Heather Heying“ Link: https://www.youtube.com/watch?v=1oVyQGmD3d8)

    Danke für Ihren Blog. Auf bald!

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