Im Denken wird man Mensch

Es gibt schon seit geraumer Zeit und ohne irgendwelche „Energiefelder“ zu bemühen, die Ansicht, dass das moralische Temperament (melancholisch, phlegmatisch, sanguistisch, philosophisch) jene Ideenreihe Kraft verleiht, die den Charakter bildet. Dabei gibt es eine herrschende Idee. Eine Ideenreihe ist ein Gedanke, eine Aussage, ein Gegenstand der/die Beachtung erhält, weil er/sie das Vergnügen/Missvergnügen (damit sind nicht allein sinnliche Erfahrungen gemeint) fördert oder hindert. Jede von außen zukommende Wahrheit trifft auf diese Ideenreihe und wird somit „entwahrheitet“, denn sie hat sich in die Anschauung der Begriffe einzufügen, die der Mensch sich bereits bildete. Jedes neue Ding wird in diese Ideenreihe eingefügt und festigt sie. Deshalb kann man etwa jungen Menschen besser neue Ansichten vermitteln, als älteren. Deshalb kann für jemand etwas eine Ehre sein, für den anderen nicht, obwohl es objektiv dasselbe Ding ist.

Um von einem Menschen also zu verlangen, dass er diese Ideenreihe modifiziert, muss man erst sein Interesse daran wecken. D.h. es muss ihm seinem Temperament entsprechend Vergnügen bereiten können oder ein Missvergnügen verhindern. Somit wird es zur Tatsache, dass der Mensch, im Gegensatz zu Maschine oder Tier, die Fähigkeit besitzt, seine Glückseligkeit mit der Veränderung seiner Haltung, seiner Ideenreihe, seiner herrschenden Idee, zu beeinflussen.

Natürlich erlebt man selbst auch, dass eine vorhandene Einbildung auch ein Vorurteil schafft. Und eigentlich müsste man ja von zwei unterschiedlichen Bereichen sprechen: Entsteht die Idee für einen Gedanken außerhalb oder innerhalb des Menschen und dann erst: wie entsteht und wirkt er dort? Eine Idee oder von außen herantretende Wahrheit trifft ja auf ein bereits geformtes „Empfangsorgan“. Alle Erfahrungen, Erinnerungen, Erkenntnisse sind darin vorhanden. Darin wiederum die Anlage, was Vergnügen/Missvergnügen bereitet, je nach Charakter.

Persönlich erfährt man, dass wahre Freiheit darin besteht, immer selbst darüber Herr sein zu wollen, wie man auf etwas reagiert oder selbst denkt. Da spielt auch eine Rolle, welche Zwecke und Ziele man verfolgt, inwieweit man die Begierden, das Gefühl, seine Sinne unter die Kontrolle des Geistes belässt. Wahrhaft frei entscheidet der Mensch niemals, denn Zwecke und Ziele binden ihn.

Und was ist ein Gedanke? Der Mensch ist die zur Bewusstsein gelangte Evolution. Doch was treibt Evolution? Geist und Materie ist immer ineinander verwoben, ein Gedanke kann nicht allein „Energie“ sein, aber Materie kann ihn auch nicht erschaffen. Und da muss dann irgendwann die Frage nach einem Schöpfergeist gestellt werden.

Die ersten Worte dieses Schöpfergeistes, Gottes Sohn, im Markusevangelium lauten: „Erfüllt ist die Zeit, und genaht hat sich das Reich Gottes; bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:15). Der Schöpfergeist hat dem Bewusstsein des Menschen demnach die Möglichkeit und Fähigkeit gegeben, seine Ideenreihe zu modifizieren, umzukehren. Das verwendete griechische Wort metanoia meint seinen Sinn, seine Geisteshaltung zu ändern. Dafür ist nun Zeit, in jedem Augenblick, und das Vergnügen wird dadurch bereitet, dass es eine frohe Botschaft ist, ein Evangelium. Froh deshalb, weil es für jeden Charakter geeignet ist, die Traurigen tröstet, die Armen nährt, den Aufgewühlten Frieden schenkt, den Skeptikern Wahrheit, der Skrupulosität Heil, Erlösung, Geborgenheit gegenüber stellt.

Im Reich Gottes wird das Denken des Menschen der Mensch sein, wie Gott ihn wollte. Als Individuum, aber auch mit dem Bewusstsein, das Gute zu wollen, ohne dass es einen Zweck erfüllen muss, ein Ziel verfolgen. Das Gute an sich ist Sinn und Ziel und der Gedanke dahinter ist die Liebe, Gottes Liebe.

S.D.G.

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