Ezechiel und falsche Propheten – eine Hilfestellung für heute

In der Hl. Schrift werden falsche Propheten erstmals in Mi 2:6-11 erwähnt, also etwa im 8. Jh. v. Chr., und dort (in Vers 11) findet man auch eine Beschreibung eines „idealen“ falschen Propheten: „Ja, wenn einer käme und Dunst und Trug vorlöge: »Ich predige euch von Wein und Bier!«, das wäre ein Prediger für dieses Volk!“ In Mi 3:5-11 wird die Weissagung gegen Bezahlung angeprangert. Dtn 13:2-6 erklärt, dass falsche Propheten auch Wunder wirken können.

Das Problem der falschen Propheten wird in der Hl. Schrift in älterer Zeit jedoch erstaunlich wenig angesprochen. Das ändert sich allerdings in der Zeit von Jeremia und Ezechiel, also vor und während des babylonischen Exils (597-539 v. Chr.). Es ist eine Zeit des Zusammenbruchs des Alten und der Unsicherheit, was kommen wird. Im NT trifft man auf eine solche Zeit ab der Auferstehung Christi bis zu seiner Wiederkunft, also gerade für jene Zeit, in der wir heute leben. Auch dort wird vor falschen Propheten gewarnt und die Erfahrung zeigt, dass sie immer wieder auftreten. Deshalb hat uns Gott auch mit Ezechiel heute viel zu sagen, gibt uns Hilfestellung gegen einen lebensfeindlichen Zeitgeist oder die Herrschaft des Vaters der Lüge, Satan, die beide oft als prophetisches Wort den Menschen manipulieren wollen.

Darum zurück zu Ezechiel. Bei Jeremia, der Vorexilzeit, findet eine direkte Konfrontation Prophet gegen Prophet statt, Ezechiel führt die Auseinandersetzung ins Grundsätzliche. Er analysiert im Kapitel 13 seines Buches der Bibel das Phänomen von falschen Propheten. Dabei wendet er eine spezielle Textstruktur an, was vermuten lässt, dass diese Bibelstelle schon immer als geschriebener Text konzipiert war. Jeweils zwei Gerichtsworte richtet Ezechiel an falsche Propheten (Ez 13:2-9; 10-16) und falsche Prophetinnen (Ez 13:18-21; 22-23). Dabei folgen auf die Schelte die Gerichtsworte, die Drohung, und den Abschluss bilden wertende Erkenntnisse. Zuvor wird jedoch ein allgemeines „Wehe“ über die falschen Propheten ausgesprochen. Es ist ein vernichtendes Urteil, denn das hier verwendete hebräische Wort wird nur bei Totenklagen verwendet. Für Gott sind diese Propheten demnach tot.

Die Gerichtsworte über die falsche Prophetie und die Propheten sprechen drei wichtige Ursachen an und schaffen wieder Gerechtigkeit:

  1. Die Werke werden als Trug und nichtig bezeichnet, die Wahrheit wird wieder hergestellt.
  2. Vom Verhältnis der Beziehungen zwischen Volk und Prophet wird berichtet. Der falsche Prophet bindet das Volk an sich, das Gericht befreit es und stellt ihre Menschenwürde wieder her.
  3. Die Propheten selbst werden gerichtet (Ez 13:9b): „In der Gemeinschaft meines Volkes sollen sie nicht mehr bleiben und in die Liste des Hauses Israel nicht eingeschrieben werden, und zum Lande Israel sollen sie nicht gelangen. Sie haben keinen Anteil mehr am Heil des Volkes.“ Dieses Heil ist demnach Gemeinschaft mit Gott in seinem Willen und das Volk ist mit allen Rechten in Gottes Reich ausgestattet, die ihnen verheißen. Dieses Reich bedeutet das ewige Leben, der Raum des Heils.

Das Ziel der Gerichtsworte dient also der Scheidung von Lug und Wahrheit, damit Gott wieder erkannt wird und eine Beziehung zu ihm hergestellt werden kann.

Zusammenfassend wollen uns Gott und Ezechiel im Kapitel 13 über die falschen Propheten zehn wichtige Punkte lehren:

  1. Zeiten des Umbruchs und Verunsicherungen sind Hochzeiten für falsche Propheten. Sie nützen den Niedergang für ihr eigenes Wohlergehen oder die Durchsetzung ihres Weltbilds.
  2. Die gefährliche falsche Prophetie kommt nicht von außen, sondern wirkt von innen her. Die falschen Propheten stammen aus der Gemeinschaft der Gläubigen, aus dem Volk Gottes.
  3. Falsche Prophetie stellt sich stets gegen das Wesen der Prophetie. Falsche Propheten treten auf, ohne von Gott gesandt zu sein, sie sprechen ohne Gottes Wort, ihr Wort kommt aus ihrem eigenen Herzen und nicht von Gott, und setzen niemals ihr Leben für das Volk ein. Sie tragen also niemals die Folgen ihrer Lügen mit.
  4. Falsche Prophetenworte bleiben Rhetorik, decken nicht das wirkliche Leben ab, auf sie ist kein Verlass, sie betrügen, denn sie sind nicht in Gott gegründet. Sie sind ohne Vernunft, gegen die menschliche Natur und gegen die göttliche Liebe.
  5. Falsche Propheten zeigen keine Solidarität mit Gottes Volk. Sie stehen vor Gott nicht für das Volk ein (wie es etwa Moses tat), leisten keine Fürbitte, springen nicht in die Bresche. Sie sind weder Anwälte von Gottes Wort noch der Menschen vor Gott.
  6. Für falsche Propheten sollen der Erfolg und der Beifall die fehlende Sendung durch Gott ersetzen. Ihre Theologie der Bestätigung vertuscht die Wahrheit.
  7. Falsche Propheten verändern die Maßstäbe nach eigenen Bedürfnissen, nach der Höhe der Bezahlung, nach dem Grad der Missstimmung ihres eigenen Herzens oder der Zustimmungszahlen und verwirren damit zusätzlich. Dadurch werden Menschen verunsichert, indem ihnen das Leben abgesprochen oder zugesagt wird. Das Leben ist jedoch im Willen Gottes. (Ez 13:18-19)
  8. Das göttliche Gericht setzt falscher Prophetie ein Ende. Es zerbricht die Bevormundung von Gottes Volk, löst vor falschen Abhängigkeiten, befreit, rettet, zeigt das zukünftige Heil auf. Seit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist der Glaube an diesen Heiland für Christen durch ihn Rettung, Erlösung und Befreiung hin zu seinem Frieden.
  9. Um falsche Prophetie zu erkennen ist Wachsamkeit und die Unterscheidung der Geister notwendig. Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, seinen Tod am Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt hilft einem Christen im Gebet der Hl. Geist bei der Unterscheidung dieser Geister.
  10. Krisenzeiten müssen die Sinne schärfen. Ein Aufleben von Religion muss nicht zwangsläufig zum Heil führen. Religion kann in den Aberglauben zurückfallen und ihre Götzen suchen, die nicht Gott sind.

S.D.G.

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