Eine Gottesschau im Alten und Neuen Testament

Eine Schriftbetrachtung.

Im AT findet sich jene Vorschattung, wie wir Menschen Gott schauen werden, was Offenbarung bedeutet. Gott hat sich Moses in Zeichen offenbart, in einer Feuersäule, im Rauch. Moses wollte Gott aber ebenso von Angesicht sehen. Hier der Text (Ex 33:18-23 NHTS): „Da sprach Mose: «Laß mich doch deine Herrlichkeit schauen!» Und er sprach: «Ich werde alle meine Schöne an deinem Angesicht vorüberziehn lassen und werde den Namen ,Ewiger‘ vor dir ausrufen: Ich begnade, den ich begnaden will, und erbarme mich, dessen ich mich erbarmen will.» Und er sprach: «Du kannst mein Angesicht nicht schauen, denn nicht schaut mich ein Mensch und lebt.» Und der Ewige sprach: «Sieh, es ist Raum bei mir, stell dich auf den Felsen. Und es wird sein, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, da bringe ich dich in die Kluft des Felsens und halte meine Hand vor über dir, bis ich vorübergezogen bin. Wenn ich dann meine Hand entferne, so wirst du meine Rückseite schauen, aber mein Angesicht kann nicht gesehen werden.»“


Das Schauen Gottes ist demnach das Schauen seiner Herrlichkeit, seiner Schöne, damit seiner Größe, seiner Macht, seiner Güte, seiner Liebe. Sein Name, Wesen, ist ewig, keine Zeit hat Bestand, alles ist Zustand. In seiner Herrlichkeit kann nur Gottes Wille sein, all jene, die in seiner Gnade, die seine Gnade wollen. Denn kein sündiger Mensch kann im Fleisch leben und ihn schauen, er würde sterben. Aber jenseits dem zeitlichen des Fleisches hat Gott für uns eine Lösung, eine Er-lösung: Einen Raum, in dem der Fels ist. Ein Raum, gefüllt mit seiner Herrlichkeit, seinem Schönen, seiner Macht, seiner Güte, seiner Liebe. Es ist der Fels auf dem wir Menschen stehen können, es ist Jesus, auf dem wir den Zu-Stand erlangen, den wir zur Gottesschau benötigen. Wo wir in der Enge als Menschen sind, ist bei Gott ein Raum der Freiheit, wenn wir zu ihm stehen. Das ist die Prophezeiung für das jüdische Volk, auch wenn sie von Jesus noch nichts wussten.

Und der Ewige fährt fort: Seine Herrlichkeit zieht vorüber. Später war es Jesus, der beim Abmühen seiner Jünger an ihnen vorüberzog (dasselbe Wort in griechisch in der Septuaginta bei Ex 33:22 und Mk 6:48 HRB!) und zu Hilfe kam als der Erbarmer. „Da sah er, wie sie sich beim Rudern abmühten; denn sie hatten Gegenwind. Um die vierte Nachtwache kam er auf dem See wandelnd auf sie zu, wollte jedoch an ihnen vorübergehen.“ Doch Jesus zieht hier nicht nur an seinen Jüngern vorüber, er wendet sich ihnen nun zu, das Reich Gottes bricht aus der Ewigkeit in das Zeitliche hinein und Gott wird gegenwärtig im Gesicht und Blick Jesu und im Gesicht des Nächsten.

Diese neue Bewegung, dieses neue Reich Gottes verbirgt sich auch in den Worten des AT: Denn nun ist es allein Gott, der mit seiner Gnade, seinem Erbarmen wirkt: Er stellt uns Menschen in die Kluft des Felsens, in das durch die Lanze geöffnete Herz der Liebe von Jesus, er hält seine Hand vor und über uns, die Hand, die Gerechtigkeit und Stärke verheißt. Das ist die Prophezeiung für Gottes Volk.

Für die Juden gilt nämlich: Gott hält ihnen die Hand vor Augen, damit sie ihn nicht schauen können in Jesus Christus. Denn Gott hat sie ausgewählt zu verstocken, damit die Heiden und dann sie selbst errettet werden, wie Paulus schreibt (Rö 11:25 HRB): „Brüder, ich will euch über folgendes Geheimnis nicht im unklaren lassen, damit ihr euch nicht selbst für weise haltet. Die Verstocktheit ist über einen Teil von Israel gekommen, bis die Vollzahl der Heiden eingetreten ist.“ Von hinten jedoch werden auch die Juden Jesus dann erkennen, wenn Gott die Hand über ihnen wegnimmt. „Von hinten“ meint hier im Hebräischen: als Hinterlassenschaft, als Retrospektive, als Rückblick, der sich dann vergegenwärtigt.

So gibt es verschiedene Offenbarungen für Heiden und Juden, wobei sie alle einander dienen und geborgen sind in Gottes Gnade und Erbarmen. Das Maß der Gottesschau jedes einzelnen wird sich messen an der Bereitschaft, wieviel Raum er Gott im Leben ließ oder vielmehr: Inwieweit der Mensch sich in die Freiheit Gottes einließ, dessen Raum angenommen hat, in dem die Freiheit des Christen gründet.

Der Endzustand der Seele hat das Maß des Seins durch den in ihm verwirklichten Sinn, das Maß der Macht durch das von ihr gewollte Gute, das Maß des Lebens durch die in ihr wirkende Liebe.

S.D.G.

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