Christlicher Glaubens-Check: die Ideologie/Philosophie der Partei der Grünen in Deutschland

Wollte der Marxismus die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern, zielte die Philosophie der Frankfurter Schule im Neomarxismus darauf, die Kultur zu verändern. Aus einer gesellschaftlichen Revolution sollte auch eine kulturelle Revolution werden und beides kumulierte schließlich in die 68er-Bewegung. Hier sind auch die Grundlagen der Philosophie der grünen oder ökologischen Bewegung ab den 1970er Jahren zu suchen.

Kalter Krieg und sichtbare Schäden der Natur stellten das Wirken der kapitalistisch-technokratischen Machthaber in Frage und es entstanden eine Friedensbewegung und der Wunsch nach einer neuen Gesellschaft, die einen besseren Umgang mit der Natur forderte. Die grüne Philosophie wird zu einem Konglomerat von Gedanken des Neomarxismus, Gender, Feminismus, Pazifismus sowie Lehren fernöstlicher Philosophien und Naturreligionen, des Pantheismus, der Romantik und Esoterik. Wenige christliche Ansätze kommen dabei kaum zur Geltung. Diese Vielfalt an Grundlagen macht es schwer die einzelnen bestimmenden Weltanschauungen führender Persönlichkeiten innerhalb der grünen Politik zu identifizieren. Doch lassen sich aus den Aussagen führender Vordenker und dem Parteiprogramm der Grünen einige Schwerpunkte erkennen:

Es wird eine radikale Kritik an der westlichen Zivilisation geäußert und sie grundsätzlich abgelehnt. Deren Sichtweise über das Geschlecht, die Natur, den Menschen, die Moral wird als falsch interpretiert. Die Stellung der Volksgruppen zur sogenannten 3. Welt, dem Krieg, die Einstellung zur Religion, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Natur, der Ernährung und der Medizin wird abgelehnt. Diese umfassende Auseinandersetzung mit den Problemen der Welt macht die grüne Philosophie deshalb sehr aktuell und attraktiv.

Tragen wir zunächst im Einzelnen die wichtigsten Kritikpunkte dieser Philosophie an der westlichen Zivilisation zusammen:

Sie kritisiert zuvorderst das materialistische Weltbild der Gesellschaft, die keinen Zugang zu einer spirituellen, geistigen Wirklichkeit hat. So wird die materialistische Gesellschaft vom Haben, vom Konsum, vom Nutzen und der Lust dominiert, das geistige Wesen des Menschen verkümmert dabei. So kommt es auch zu einem einseitigen, mechanistischen Verständnis der Natur, was durch die vorherrschende Wissenschaft und Technik gefördert wird. Die Vorstellung einer organischen und beseelten Natur findet damit nicht mehr statt. Natur wird zu einem Objekt zur Nutzung und Ausbeutung, was sie letztendlich zerstört.

Auch das einseitige Menschenbild der westlichen Gesellschaft wird in Frage gestellt. In ihr ist er ein „homo faber“, ein Macher und Produzent, ein Individualist und Egoist, ein Intellektueller, der alles berechnen und kalkulieren will. Diesen Menschen fehlt es an Gemeinschaftssinn, Gefühl und Muse. Zudem nimmt in dieser Gesellschaft die Frau nur eine zweitrangige Stellung ein, weil sie Verpflichtungen in Ehe und Familie an ihrer Entfaltung hindern.

Ein weiterer Kritikpunkt der grünen Philosophie ist die bürgerliche Moral. Zu viele Gebote und Verbote führen zu Unterdrückung, dies besonders im Bereich der Sexualität. Als Urheber dieser Unterdrückungsmoral werden die Familie, Kirche, Gesellschaft, Politik und Schulen identifiziert. Dort trägt die autoritäre Pädagogik dazu bei, denn jegliche Erziehung gilt als Hindernis zur freien Entfaltung des jungen Menschen. An Schulen findet keine Bildung statt, sondern nur mehr Ausbildung, so dass der Mensch zu einer Fachkraft der Wirtschaft wird.

In der westlichen Gesellschaft, so die Kritik der grünen Philosophie, werden nur Individualisten gefördert, die ihren eigenen Interessen nachgehen und keine Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Die materialistische Grundhaltung führt zur Konsum- und Wegwerfgesellschaft, was durch die Politik nicht verhindert wird. Diese wird beherrscht durch kleine Gruppen, die im Dienst wirtschaftlicher Mächte stehen. Die Menschen werden dabei durch die Möglichkeiten von Technik und Medien kontrolliert und beeinflusst. Durch den Ausschluss des Volkes bei Entscheidungen wird die Demokratie gefährdet.

Weitere Kritikpunkte sind die nationalen Volksgruppen, welche die westliche Gesellschaft prägen und zu ständigen Konflikten führen. Dies gefährdet den sozialen Frieden und verhindert die Schaffung einer einheitlichen globalen Gesellschaft. Randgruppen finden innerhalb der westlichen Gesellschaft keine Akzeptanz, mögen sie sexueller, ethnischer oder religiöser Natur sein, und können sich nicht integrieren.

Der Umgang der westlichen Gesellschaft mit der sogenannten 3. Welt ist ebenso inakzeptabel, so die grüne Philosophie. Diese Länder werden oft zu Opfern einer ausbeuterischen kapitalistischen Wirtschaft. Das Gefälle zwischen armen und reichen Ländern wird so immer größer. Dazu tragen auch die militärischen Bündnisse in West und Ost bei, eine Aufrüstung, die vor allen im Interesse der Waffenindustrie ist. Mit deren Waffen wird der Frieden in Ländern der 3. Welt gefährdet und finanzielle Mittel zur Entwicklung dieser verschwendet.

Die grüne Philosophie erhebt gegen die Religionen der Vorwurf, dass diese durch den Anspruch auf die Wahrheit Spannungen und Konflikte fördern. Theokratien sind verwerflich, die weltliche Macht darf Religionen nicht zugänglich sein. Sie haben sich auf den spirituellen und karitativen Bereich zu beschränken. Gerade kirchliche Gebote, die Ehescheidung und Abtreibung betreffen, sind autoritär, zudem wird die Gleichberechtigung der Frau behindert.

Die westliche Wissenschaft führte zu einer rein quantitativen Beurteilung der Natur. Westliche Technik zielt auf Beherrschung und Nutzung der Natur, was zu ihrer Zerstörung beiträgt. Der Kapitalismus ist nur auf Profit und Wachstum ausgerichtet, was den Leistungsdruck auf den Menschen und den Konkurrenzkampf erhöht. Der Lebensstil, der daraus folgt, führt zu einer Belastung der Umwelt.

Die grüne Philosophie kritisiert die mangelnde Rücksicht auf die psychische und körperliche Gesundheit des Menschen. Dessen seelisches und leibliches Wohl wird durch Stress gefährdet und er lebt oft nur für den Genuss und dem sinnlichen Rausch. Die Schulmedizin behandelt den Menschen weitgehend mit künstlichen Präparaten und Psychopharmaka, welche die Seele nur ruhig stellen. Der Mensch und die Natur werden durch die Atomkraft gefährdet, durch starken Transitverkehr und den Bau von Autobahnen. Pestizide vergiften dauerhaft Nahrung und Böden.

Die grüne Philosophie ist aufgrund ihrer Vielfältigkeit für viele Menschen greifbar. Doch welche Alternativen bietet sie?

Grundlage des Weltbilds der klassischen grünen Philosophie ist der Pantheismus und eine Naturreligion. Danach ist der Kosmos und die Natur etwas göttliches, aus diesem Urgrund alles hervorgeht. Mensch, Natur und Kosmos sollen eine harmonische Einheit bilden, was durch die Ökologie geschützt wird. Die Natur ist ein organisches, beseeltes, göttliches Prinzip, aus der alles hervor-und wieder zurückgeht. Sie ist Mutter aller Lebewesen und Quelle von Kraft und Heil.

Hinzu tritt das ganzheitliche Menschenbild der grünen Philosophie. Geist, Seele und Leib des Menschen sind eine Einheit. Der Mensch erfasst das Leben durch Intuition und Gefühl, ist ein freies und selbstbestimmtes Wesen. Dadurch wird er selbstverantwortlich für seine Handlungen. Als soziales Wesen soll er sich in Liebe und Freiheit dem anderen Menschen zuwenden.

Jeder Mensch, ob Frau oder Mann, hat das Recht auf freie Selbstverwirklichung. Gerade die Frau hat in der grünen Philosophie keine besondere Aufgabe in der Familie. Deshalb wird eine Quotenregelung in Wirtschaft und Politik nötig, um dort für Gleichberechtigung zu sorgen. Die Frau hat auch das Recht auf Abtreibung, diese Forderung stammt aus dem radikalen Feminismus. Das ungeborene Leben hat damit keinerlei Rechte.

Die alternative Form der Moral der grünen Philosophie ist die autonome Selbstbestimmung des Menschen. Die Moral soll nicht durch Gebote und Normen unterdrücken, sondern als individuelle Moral den Menschen selbst über sein Verhalten entscheiden lassen. So ergibt sich das Recht auf alternative Formen zu Ehe und Familie, auf Homosexualität und Euthanasie sowie eine Befürwortung der Genderideologie. Selbst pädophile Neigungen sollen ausgelebt werden können. Hier wird die Nähe zum Neomarxismus offenbar und besonders der Unterschied zu christlichen Werten.

In der Pädagogik wird wie im Neomarxismus die antiautoritäre Erziehung gefordert. Die persönlichen Neigungen des Kindes und des Jugendlichen sind Orientierung für Erzieher und Lehrer. Das Lernen wird so zu einem spielerischen Akt und es ergibt sich eine stressfreie Schule. Die Gesellschaft soll eine kollektive Gesellschaft sein. Der Mensch ist kein Individuum, sondern ein Teil des Kollektivs. Die materialistische Wirtschaft wird durch eine humane Freizeitgesellschaft überwunden, welche der Entfaltung und Erfüllung des Menschen dient. Der Mensch wird zu einem „homo ludens“, einem spielenden Menschen.

Die Politik soll in eine Basisdemokratie eingebettet sein. Alle Menschen können so direkt an den politischen Entscheidungen mitwirken. Um eine zentrale Macht zu verhindern, sind eine Dezentralisierung und eine Regionalisierung notwendig. Die verschiedenen Volksgruppen und Nationalitäten müssen überwunden werden. Die Gesellschaft muss multikulturell und interethnisch sein, was eine Vermischung der Nationalitäten und Völker voraussetzt.

Alle Randgruppen müssen integriert werden. Geflüchtete, Gastarbeiter, Minderheiten aus Religion, Rasse und sexuellen Neigungen, sind in die Gesellschaft mit selben Rechten und gleicher Würde einzubinden. In dem man eine einzige Welt schafft, werden wirtschaftliche und gesellschaftliche Unterschiede obsolet. Es gibt keine Konflikte mehr zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden und es ist das Interesse aller Länder, die 3. Welt zu entwickeln.

Der radikale Pazifismus der grünen Philosophie fordert den Zivildienst und lehnt den Militärdienst ab. Eine einseitige Abrüstung ist notwendig und die Militärbündnisse in West und Ost müssen abgeschafft werden. Gelder, die in die Kriegsindustrie gesteckt werden, können für Entwicklungshilfe verwendet werden. Eine weltweite Friedensbewegung wird unterstützt.

Alle Menschen müssen Religionsfreiheit besitzen. Alle Religionen sind gleichberechtigt und der Staat darf keiner der Religionsgemeinschaften irgendwelche Unterstützungen gewähren. Kirche und Staat sind rigoros zu trennen und Religion darf keine politische Macht ausüben. Der Dialog mit der Religion muss jedoch im sozialen und ökologischen Bereich stattfinden. Der Religionsunterricht in Schulen darf keine konfessionelle Ausrichtung besitzen, sondern nur die einzelnen Religionen wissenschaftlich zu betrachten.

Die Wissenschaft soll sich nach einer ganzheitlichen Methode orientieren, in dem die Erkenntnisse einzelner Bereiche in einen großen Zusammenhang gestellt werden. Die derzeitige Spezialisierung der Wissenschaft verhindert das Erkennen von Wechselwirkungen. Weisheit führt zu einem verantwortlichen Umgang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen, der Mensch darf ihr nicht untergeordnet werden. Das Wachstum ist begrenzt, ebenso wie die Ressourcen der Erde. Moderne Technik soll die Umweltverschmutzung reduzieren, ebenso wie die Arbeitszeit, damit der Mensch genügend Zeit für seine persönlichen Interessen erhält.

Die Natur ist in der grünen Philosophie das Lebenshaus der Menschheit. Deshalb ist ein entsprechender Naturhaushalt, eine entsprechende Ökologie notwendig. Dabei sind Rohstoffe sorgsam zu gebrauchen, Materialien wiederzuverwenden. Kunststoffe sind abzulehnen, da die Natur sie nicht zersetzen kann. Technik muss die Natur schonen und wenig Energie verbrauchen. Diese ist alternativ zu erzeugen, Atomkraft und Kohlekraftwerke sind abzuschalten. Dadurch wird der CO2-Ausstoß verringert, auch weil die Industrie dafür Schutzmaßnahmen ergreifen muss.

Die Verkehrsinfrastruktur muss sich auf die Schiene, weg von der Straße, orientieren. Dazu dient eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen und eine Erhöhung des Kraftstoffpreises, sowie Verbote von Fahrzeugen, die mit fossilen Brennstoffen voran getrieben werden. Eine verstärkte Regionalversorgung verringert den Transitverkehr in Europa. Globaler Tourismus ist zu vermeiden, Naherholungsziele sind zu fördern.

Im Folgenden soll eine kritische Würdigung vor dem Hintergrund einer christlichen Soziallehre und des christlichen Weltbilds in dieser Philosophie/Ideologie das Positive herausstellen, aber auch einige Aussagen hinterfragen:

Es ist richtig, kein materialistisches Weltbild zu vertreten, da sonst Natur zum Objekt wird, das nur beherrscht und ausgebeutet wird. Die Natur ist tatsächlich lebendig und beseelt, bildet die Grundlage für das Leben auf der Erde, weshalb sie mit Ehrfurcht zu behandeln ist. Die grüne Philosophie vergöttert jedoch oftmals die Natur, betrachtet sie sakral. Sie wird zur Quelle der Kraft und des Heils. Dabei kommt eine Naturreligiosität zu Tage. Natur wird zum Maß der Dinge, in deren Einheit der Mensch und die Gesellschaft zu leben hat. Im Extremfall wird dabei etwa das Tier- über dem Menschenwohl gestellt. Aus einer materialistischen wird so eine ökologische, aber keine menschliche Zivilisation.

Natur darf nicht zu einem Wesen religiöser Verehrung werden. Gegen eine Vergötterung der Natur spricht ihr Anfang, sie braucht eine transzendente Ursache. Sie wird von intelligenten Gesetzen bestimmt, die nicht aus ihr selbst stammen. Sie hat ihre Grenzen und enthält auch tödliche Kräfte. Die letzten Fragen des Menschen können durch die Natur nicht beantwortet werden, sie hat keine erlösende Kraft, die den Menschen in ein anderes Verhältnis zu Schuld und Sünde setzt. Die Endlichkeit der Natur kann nicht die letzte Erfüllung des Menschen sein.

Die Natur ist in der grünen Philosophie das Lebenshaus der Menschheit. Deshalb ist eine entsprechende Ökologie notwendig. Dem ist zuzustimmen, jedoch muss es zu einer Ausgewogenheit zwischen dem erforderlichen Energiebedarf geben und den Möglichkeiten alternativer und erneuerbarer Energiegewinnung, in dem der Energiebedarf gesenkt wird und der Anteil an erneuerbarer Energie kontinuierlich erhöht.

Der Mensch ist in der grünen Philosophie ein Teil des Kosmos und der Natur, er besteht aus Geist, Seele und Leib und ist ein ganzheitliches Wesen, was richtig ist. Doch der Mensch steht zwar in der Natur, muss deren Ordnung respektieren, er übersteigt sie aber ebenso. Die Geistnatur des Menschen befähigt ihn dazu die Natur zu gestalten und zu bewahren. Als Kulturwesen kann der Mensch eine eigene kulturelle Zivilisation und Welt schaffen. Diese Kultur baut auf den Grundlagen der Natur auf und ist gleichzeitig ein Werk des schöpferischen Geistes. Der Mensch ist Natur- und Kulturwesen.

Die grüne Philosophie betont die autonome Selbstbestimmung des Menschen, welche sogar sein Geschlecht und was der Mensch ist, festlegt. Die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen orientiert sich jedoch aus Werten, die sich aus der geistigen, seelischen und sozialen Natur des Menschen ableiten lassen. Sie können nicht willkürlich sein und dürfen die Natur des Menschen nicht ignorieren. Geschieht dies, verfehlt der Mensch sein eigenes Wesen, verliert es sogar. Die Geschichte zeigt, dass eine überzogene menschliche Autonomie zu monströsen Fehlentwicklungen führte, der Mensch überschätzte sich oder er stürzte ab. Eine Missachtung seiner Natur macht den Menschen körperlich und psychisch krank, er wird größenwahnsinnig oder depressiv, verliert seine Identität. Er wird zu einem egozentrischen Individualisten oder zu einem namenlosen Massenmenschen. Die menschliche Freiheit kann demnach nur innerhalb seiner natürlichen Ordnung verwirklicht werden. Es gibt auch eine menschliche Ökologie.

Das Wesen der Frau in der grünen Philosophie beruht auf dem feministischen Frauenbild. Die Frau darf sich selbstverwirklichen und ist weder dem Mann noch der Familie untergeordnet. Wirtschaftlich und sozial ist sie gleichberechtigt mit dem Mann. Die Frau ist tatsächlich eigenständig und frei. Jedoch hat sie ebenso ihre Verantwortung für die Familie und den Mann zu tragen, sowie der Mann Verpflichtungen gegenüber der Frau und der Familie besitzt. Als Frau ist sie Hüterin des Lebens und der menschlichen Werte. Für die menschliche Entfaltung des Mannes, der Kinder und der Gesellschaft ist sie unverzichtbar. Setzt sie sich dafür aufgrund des Drangs zur Selbstverwirklichung nicht ein, geht der Mann, die Familie und Gesellschaft zu Grunde. („Es mögen Männer Staaten bauen, es steht und fällt mit seinen Frauen“. Fr. Rückert).

Behandlung und Bezahlung der Frau im Arbeitsleben, so die grüne Philosophie, muss gleich dem Manne sein. Dem ist grundsätzlich zuzustimmen, jedoch darf die Arbeit der Frau und ebenso des Mannes nicht auf Kosten der Kinder gehen. Die Frau und Mutter ist für die Entwicklung der Kinder, besonders in den ersten Lebensjahren, unverzichtbar, ebenso wie der Mann und Vater. Kinder sollen in der Familie und nicht außerhalb von festen Bezugspersonen erzogen werden, damit ihre Entwicklung nicht beeinträchtigt wird, darauf haben sie ein Anrecht. Das Arbeitsleben muss also so gestaltet sein, dass Müttern und Vätern ihre Verpflichtungen gegenüber den Kindern ohne Nachteile ausüben können. Kindererziehung ist somit keine Auszeit, sondern anrechenbare Arbeitszeit.

Eine Quotenregelung von Mann und Frau in Wirtschaft und Politik, so wie grüne Philosophie sie fordert, ist grundsätzlich richtig. Frauen in Spitzenpositionen von Wirtschaft und Politik sind wünschenswert. Zu bedenken ist jedoch, dass stets menschliche und fachliche Fähigkeiten ausschlaggebende Kriterien bei Besetzung von Positionen haben müssen und nicht eine Quote. Auch darf falsche Männermacht nicht durch ebenso falsche Frauenmacht ersetzt werden.

Die Moral in der grünen Philosophie darf den Menschen nicht unterdrücken, sie lehnt Gebote und Normen ab. Das Ziel sollte sein, Werte der Moral in Freiheit und Einsicht zu folgen. Doch in der Praxis zeigt sich, dass der Mensch oft zu schwach ist, moralische Werte zu respektieren. Deshalb müssen Gebote und Normen den Menschen auf moralische Werte hinweisen, die ihn verpflichten Grenzen zu setzen, um somit erst Freiräume zu schaffen. So stellt grüne Philosophie oft Forderungen auf, die sie dann doch innerhalb ihrer ideologischen Zielsetzung durch Verbote und Gebote durchsetzen muss. Menschen sollen so quasi zu ihrem Wohl gezwungen werden.

Alternative Formen zur Familie, Ehen gleichgeschlechtlicher Partner mit der Möglichkeit der Adoption von Kindern, stellt die Grundlage der Gesellschaft in Frage. Die Ehe von Mann und Frau hat die unersetzbare Aufgabe für neues Leben zu sorgen, sie sichert die Zukunft der Gesellschaft. Eine Ehe ist die unverzichtbare Voraussetzung, dass Vater und Mutter das Kind auf das Leben vorbereiten, sie ist die von der Natur vorgegebene Voraussetzung für neues Leben, das in der Familie geschützt, geliebt und erzogen von Vater und Mutter wird. So stellt eine „Ehe für alle“ die Existenz des Menschen und die Zukunft der Gesellschaft in Frage und widerspricht der Natur des Menschen.

Gerade im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Ehen sind die Praxis von künstlichen Befruchtungen und die Leihmutterschaft zu kritisieren. Frauen werden dabei zu Brutstätten für Nachwuchs degradiert, auf ihre Gebärmutter reduziert. Kinder werden zu Waren, Statusobjekten, Mittel zur eigenen Selbstverwirklichung. Ebenso werden wichtige Grundsätze der grünen Philosophie ignoriert, dass nämlich die Natur der Maßstab von menschlichen Verhalten sein müsste.

Gleichfalls im Widerspruch dazu steht das geforderte Recht der Frau auf Abtreibung. Man macht die Geburt eines Kindes abhängig vom Willen der Frau. Dabei geht es nicht um Risikoschwangerschaften oder Notlagen, sondern um ein Recht, das über das Menschenrecht, dem Tod oder das Leben eines anderen Menschen, entscheiden soll. Hier wird die Widersprüchlichkeit der grünen Philosophie besonders bewusst: Hier der Schutz der Tiere, dort die Abtreibung und damit das Töten ungeborenen menschlichen Lebens.

Die grüne Weltanschauung befürwortet deshalb auch die aktive Euthanasie. Das Recht seinen eigenen Tod zu bestimmen wird dabei jedem Menschen zugesprochen. Dabei soll er auch andere Menschen, z.B. Ärzte, zur Beihilfe verpflichten können, auch gegen deren moralischen Einsichten. Dabei wird der Palliativmedizin und eine einfühlsame psychologische Betreuung bei langwierigen schmerzhaften Erkrankungen kein Raum gegeben. Aktive Euthanasie eröffnet unheimliche Perspektiven, die zur Beseitigung von unheilbaren, behinderten und alten Menschen führen kann. Menschliches Leben wird dadurch eine verhandelbare Wertigkeit zugeordnet.

Ein Widerspruch innerhalb der grünen Philosophie ist auch die Genderideologie. Sie besagt, dass das Geschlecht des Menschen nicht von der Natur, sondern vom einzelnen Menschen selbst bestimmt wird. An die vorgegebene Natur ist er nicht gebunden, es bleibt ihm überlassen, in welcher Form er seine Geschlechtlichkeit ausleben möchte. Die Orientierung an der Natur wird aufgehoben, der Wille des Menschen hervorgehoben. Dabei wird sogar die Grammatik von Sprache und die Definition von Begriffen einer ideologischen Ausrichtung unterzogen.

Wenn sich die grüne Philosophie gegen den liberalen Individualismus und die Macht elitärer Gruppen stellt, will sie eine kollektive Gesellschaft fördern. Das Ziel ist die Gleichheit und Einheitlichkeit der Menschen. Tatsächlich schaden der grenzenlose Individualismus und die Macht einer kleinen Elite die Gesellschaft im Ganzen. Doch die Antwort des Kollektivismus darauf bedeutet ebenso das Ende der menschlichen Person. Sie wird ein uniformiertes Wesen, das gleich denkt, fühlt und handelt, wie alle anderen Menschen. Eine Gleichschaltung führt hier zu einer Massengesellschaft. Die menschliche Person jedoch ist ein Gemeinschafts- sowie Einzelwesen. Sie existiert zunächst eigenständig für sich und gleichzeitig als ein soziales Wesen, das Mitglied einer Gemeinschaft ist.

Die Forderung einer Basisdemokratie ist im Programm der Grünen verankert. Der Mensch kann so in allen Bereichen bei gesellschaftspolitischen Entscheidungen teilhaben. Auch eine zentrale Macht soll durch Dezentralisierung und Regionalisierung verhindert werden. Dennoch können nicht alle Bereiche demokratisiert werden. Dort ist spezielles Fachwissen erforderlich und Demokratie kann ebenso wenig unantastbare menschliche Rechte, wie etwa das Lebensrecht per Mehrheitsbeschluss in Frage stellen. Auch besteht die Gefahr, dass Beschlüsse sich aus einer vorübergehenden Befindlichkeit heraus entwickeln und keine weitreichenden Ziele verfolgen.

Anstelle einer nationalen Gesellschaft strebt die grüne Philosophie eine multi-kulturelle Gesellschaft an. Volksgruppen und Nationen sollen durch Vermischung hin zu einer interethnischen Gesellschaft aufgehoben werden. Dabei wird die menschlich-geistliche und kulturelle Grundlage der Nationen in Frage gestellt. Menschen sind jedoch zum großen Teil in einer nationalen Kultur und Tradition beheimatet. Sie kommen etwa in Muttersprache, Kunst, Kultur, Literatur oder der Geschichte zum Ausdruck. Wird dies weggenommen, verliert der Mensch seine Identität, seine Wurzeln, sein Selbstbewusstsein, den geistigen Reichtum, der sich gerade in der Unterschiedlichkeit gegenseitig beflügelt. Ohne diesen geistigen Reichtum wird der Mensch zu einem anonymen, entwurzelten Wesen. Es muss jedoch beachtet werden, dass das nationale Bewusstsein nicht zu einem Nationalismus ausartet. Andere Nationalitäten dürfen nicht mit Hochmut, Verachtung und Feindschaft begegnet werden. Das Eigene kann geliebt und geschützt werden, das Andere geschätzt und geehrt.

Die Forderung einer interethnischen Gesellschaft geht aufgrund historischer Erfahrungen an der Realität vorbei und stellt eine Utopie dar. Dennoch sind Gedanken über das Gelingen des Zusammenlebens verschiedener Nationalitäten in einem Land angebracht. Dabei zeigt sich, dass es eine sogenannte Leitkultur braucht, etwa eine einheitliche nationale Landessprache, ein verbindliches Bildungssystem, eine nationale Verfassung mit gleichem Recht und Institutionen, die von allen Bürgern des Landes respektiert werden. Diese Leitkultur ist Grundlage, um eine Gesellschaft zu gestalten, zu regieren, zu verwalten. Gleichzeitig ist die Herstellung von Verbindungen und Begegnungen zwischen den Nationalitäten eines Landes notwendig. So werden das gegenseitige Kennenlernen, die Wertschätzung, der Respekt untereinander und die Integration gefördert. Es wird damit der Reichtum der Nationalitäten bewahrt und ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Randgruppen sollen in der grünen Philosophie integriert werden, seien es rassische, kulturelle oder nationale Minderheiten, was auch die unbeschränkte Aufnahme von Geflüchteten beinhaltet. Bei den Geflüchteten ist eine differenzierte Sichtweise notwendig. Jeder, der in seinem Land verfolgt und bedroht wird, muss Aufnahme und Sicherheit in einem anderen Land erfahren dürfen. Zuwanderung braucht jedoch Kontrolle, damit sie und anschließende Integration gelingt, die Herkunftsländer von Wirtschaftsflüchtlingen benötigen Unterstützung, damit die jungen Menschen ihr Auskommen und ihre Zukunft in ihrer Heimat und bei ihren Wurzeln gestalten können.

Auch die grüne Philosophie tritt für die Entwicklung wirtschaftlich schwacher Länder ein. Der Ansatz hier ist die Überwindung der Unterschiede durch eine Vereinheitlichung der Wirtschaftssysteme. Konflikte zwischen arme und reiche Regionen werden verhindert, wenn es zu einem finanziellen Ausgleich durch Entwicklungshilfe kommt, aber auch durch eine unbegrenzte Aufnahme von Geflüchteten. Hier besteht jedoch die Gefahr der Entstehung von Parallelgesellschaften und immensen sozialen und finanziellen Belastungen in den reicheren Ländern, wie kulturellen und religiösen Konflikten.

Der radikale Pazifismus ist Grundlage der grünen Philosophie. Eine weltweite Friedensbewegung soll sich gegen die Kriegslobby stellen. Es ist richtig, sich mit ganzer Kraft für den Frieden einzusetzen. Dabei ist zu hinterfragen, ob dazu der Pazifismus ausreicht, der Frieden um jeden Preis will. Die Realität zeigt, dass es keinen Frieden ohne eine Verteidigungsfähigkeit gibt. Frieden bedarf des Schutzes. Richtige Friedenspolitik wendet sich gegen Kriegsbündnisse, Militarismus und Kriegslobby und ist bereit durch eine entsprechende Verteidigungspolitik den Frieden zu sichern.

Für die grüne Philosophie gibt es keinen Wahrheitsanspruch einzelner Religionen. Sie fordert einen kategorischen Relativismus der Religionen. Aber eine solche Forderung ist unrealistisch, denn damit würden sich Religionen selbst aufheben, ihre kulturelle und spirituelle Befruchtung des Menschen aufgeben. Denn in der Natur des Menschen liegt auch seine spirituelle Sehnsucht. Entscheidend sind die gegenseitige Achtung der Religionen und eine friedliche Begegnung. Entscheidend sind Dialog und Zusammenarbeit in verschiedensten Bereichen.

Das Wissenschaftsverständnis der grünen Philosophie ist ganzheitlicher Art. Wechselwirkungen und Erkenntnisse einzelner Bereiche können so besser zusammengeführt werden. Die Weisheit vermittelt den rechten Umgang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Diese Ansicht ist korrekt, wobei darauf geachtet werden muss, dass diese ganzheitliche Betrachtungsweise nicht dazu führt, dass einzelne Bereiche im Ganzen aufgehen. Sonst wird die Eigenständigkeit einzelner Bereiche dem Ganzen geopfert. Dies kann auch in Wirtschaft, Politik und Kultur geschehen. Es braucht eine Sichtweise, in der die Einheit die Vielheit nicht aufhebt. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise darf nicht verabsolutiert werden.

Die Weisheit ist dazu unbedingt notwendig. Neben der Wissenschaft ist eine Ethik notwendig, die darüber entscheidet, welche wissenschaftliche Erkenntnisse und Möglichkeiten in der Praxis angewendet werden dürfen. So besonders in den Bereichen Atomphysik, Genetik, Biologie, Psychologie, Medizin oder Agrarwirtschaft. Alles, was wissenschaftlich und technisch möglich ist, darf nicht unbedingt auch getan werden, dazu rät die Weisheit.

Die Wirtschaft, so betont die grüne Philosophie, ist für den Menschen da, und nicht umgekehrt. Das Leistungsprinzip wird bejaht und verlangt soziale Rahmenbedingungen für eine gerechte Wirtschaft sowie eine soziale Absicherung des arbeitenden Menschen. Wachstum und Ressourcen der Erde sind nicht unendlich. Dies ist richtig, wobei eine solche Wirtschaft nur möglich wird, wenn es zu einer radikalen Bekehrung und Neuorientierung des Menschen kommt. Es bedeutet den Abschied von Materialismus, Hedonismus und Konsumismus, bedeutet einen einfachen und solidarischen Lebensstil mit einer geistigen Lebenseinstellung, was weitaus mehr durch einen christlichen Glauben gefördert wird, der auf Nächstenliebe, Liebe zur Schöpfung und dem Schöpfer sowie gesunde Eigenliebe basiert.

S.D.G.

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