Herkunft und Sinn der Sintflutberichte

Ein kurzer Aufriss:

Das Volk Israel wurde mit dem Sintfluttext während des babylonischen Exils (587-537) konfrontiert. In Babylon findet man ihn erstmals im uralten Gilgameschepos verschriftlicht. Weitere Quellen werden noch die Erfahrungen der großen Flut von Kish (2800 v. Chr.) und von Ur (um 3500 v. Chr.) gewesen sein, die in unserer Zeit von Geologen und Archäologen nachgewiesen wurden. Englische Archäologen fanden erst kürzlich Hinweise für einen Einbruch des Mittelmeeres in einen Süßwassersee ungefähr 5500 v. Chr, der heute „Schwarzes Meer“ genannt wird. Auch diese gewaltigen Veränderungen werden im Gedächtnis der Menschheit verhaftet geblieben sein. Es gibt außerhalb der Bibel insgesamt 68 Sintflutberichte, manche auch älteren Ursprungs. Bei den südamerikanischen Hochkulturen ebenso, wie bei den Griechen, nicht aber bei den Germanen, weshalb man sogar an Menschheitserinnerungen an den gewaltigen Anstieg des Meeresspiegels am Ende der letzten Eiszeit 10.000 v. Chr. denken kann.

Der biblische Text hält die für Juden und Christen gleichermaßen wahre Aussage fest, dass Gott der Herr der Schöpfung ist. Wenn er diese nicht im Dasein hält, bricht das Chaos durch. So will der Text von der Arche beispielsweise nicht nur erklären, warum Menschen diese Katastrophe überlebt haben, sondern auch die Tiere. Dieser Text und weitere lehren, dass Gott nicht nur die Schöpfung aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, sondern sie auch stetig im Dasein erhält (creatio continua).

Immer wieder geht es in der fortschreitenden Selbstreflexion des jüdischen Volkes um die Frage, wie Gott zu uns Menschen und seiner weiteren Schöpfung steht. Es geht niemals darum, WIE Gott die Welt geschaffen hat, sondern DASS Gott die Welt erschaffen hat und sie erhält. Deshalb darf die Hl.Schrift, besonders bis zum Kapitel 11, keinesfalls als wissenschaftliches Naturkundebuch gelesen werden. Diese Selbstreflexionen, welche Gott uns durch die Bibel und das jüdische Volk bis heute und darüber hinaus in die Zukunft ans Herz legen und übermitteln will, wollen immer das tiefere Sein hinter den Vorgängen erkunden. Diese verborgene Weisheit Gottes kann, wurde und will durch die Vernunft der Juden und auch durch uns bibellesende Christen immer mehr erkannt werden.

Die Liebe Gottes, die den Menschen aus Gnade den Glauben schenkt, will ihn auch durch die Gottesgeschenke der Vernunft und des Verstandes an der Weisheit Gottes teilhaben lassen. Deshalb ergänzen sich Glaube und Vernunft und fördern sich gegenseitig. Dabei darf Vernunft und Verstand nicht mit Intelligenz oder Wissen verwechselt werden. Wissenschaft kann dabei versuchen das WIE der Schöpfung zu erklären, der Glaube befasst sich mit dem WARUM, die Herkunft, den Grund und das Ziel der Schöpfung. Naturwissenschaft und Glaube sind deshalb keine Konkurrenz um die Wahrheit, sondern beleuchten sie in jenen Bereichen, für die Gott sie vorgesehen.

Je weiter der biblische Text nach Kapitel 11 der Genesis in der Zeit und Überlieferungsgeschichte des jüdischen Volkes fortschreitet, desto konkreter und zahlreicher werden dann deren historische Erfahrungen festgehalten, natürlich immer aus deren Sichtweise und im Hinblick auf Gottes Willen. Dabei werden auch unterschiedliche literarische Formen gewählt, die bei deren Würdigung den Texten, auch dem Sintfluttext, erst den tiefen Sinn verleihen.

S.D.G.

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