Betrachtung zum Turmbau zu Babel

Das Geschehen vom Turmbau zu Babel, den uns die Hl. Schrift in Gen 11 übermittelt, erhält einen anderen Schwerpunkt, wenn man ihn vom hebräischen her liest. Zunächst: Liegt der Fokus in diesem Babeltext tatsächlich auf dem Turm? Dann ist der Mensch einer, der glaubt, sich mittels seiner Technik zu Gott erheben zu können, und als „Strafe“ dafür von Gott seine faktische Zerrissenheit und Gespaltenheit in zahlreiche Kulturen und Sprachen erhält. Menschlicher Hochmut erhält Pluralismus als schädliche Folge. Damit wäre sie gleichsam eine beständige Mahnung und Warnung vor des Menschen Wahn, alles technisch lösen zu können. Aber ist nicht die Stadt das entscheidende Moment in dem Text und nicht der Turm?

Sie hörten am Ende auf an der Stadt zu bauen (Gen 11:8). Zudem ging es in Babel in erster Linie darum sich einen Namen, hebräisch schem, zu machen, um eine Gemeinschaft zusammenzuhalten (Gen 11:4b). Die Babel-Erzählung stellt ebenso innerbiblisch gesehen nicht Vielsprachigkeit her, sondern setzt sie voraus, denn die legendäre Völkertafel ein Kapitel vorher, in Gen 10, besagt ausdrücklich, dass die (je nach Lesart Siebzig oder Zweiundsiebzig) Völker jedes nach seiner Sprache zu unterscheiden waren (Gen 10:5+20+31-32).

Das Schlüsselwort des Textes kann demnach auch schem, Name, sein. Denn im Anschluss wird die Geschlechterfolge von Schem (Sem) aufgelistet und später in Gen 12 trifft man auf die Nachkommen Sems, an denen der weitere Heilsplan Gottes hängt. „Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen (schem!) groß machen, und du sollst ein Segen sein!“ (Gen 12:2 ELB)

Der Fokus des Textes, das Geschehen in Babylon, erhält somit ein völlig anderes Fazit: Der kanonische Ablauf der Erzählung besagt, dass Gott gegen die Versuche einer politischen Vereinheitlichung die ursprüngliche Vielfalt der Sprachen wieder herstellt. Aber fast noch wichtiger: Nicht Menschen, sondern ER macht einen schem, einen Namen, der zum Segen für alle Völker wird.

Vielleicht inspiriert diese Betrachtung manche Bibelleser, um weitere Spuren zu entdecken, wer oder was dann mit der Hure Babylon gemeint sein kann.

S.D.G.

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