Die natürliche menschliche Einheit

Ein philosophischer und evolutionsbiologischer Blick auf den derzeitigen weltweiten Meinungskampf der Ideologien und Rassen und die zukünftige Entwicklung des Menschen.

Die Ausgangslage: Die Zweige der Menschheit, ihre Rassen, müssen in der menschlichen Art ebensowohl existieren wie in allen anderen tierischen Arten, weil die menschliche Gruppe, da sie eine lebende Masse bildet, nur fortbestehen kann, in dem sie sich auf den divergierenden Linien entfaltet. Es wäre vollkommen sinnlos, die Wirklichkeit der Rassen zu leugnen, wie auch zu versuchen, sie weiter zu beweisen. Jedoch erkennt man in der geschichtlichen Entwicklungen der Evolution, dass jede lebende Verzweigung sich in ihrer Gesamtheit sowohl aus anatomischen als auch psychischen Merkmalen zusammensetzt, die eng miteinander verbunden sind. Jede Verzweigung hat in gewisser Weise ein Außen und ein Innen, einen Leib und eine Seele. Die Seele tendiert dahin, über den Leib die Art und die Rasse zu dominieren. Es findet eine Prädominanz des Psychischen über das Somatische allein in den menschlichen Gruppen statt  und dieses Phänomen verdient Beachtung hinsichtlich der Zukunft der Menschheit, in der einzig die Evolution zum Bewusstsein gelangt ist.

In der Rasse kann eine Verlängerung des Leibes erkannt werden, die evolutionär bedingte anatomische Entwicklung der Menschheit. In den Nationen fand und findet die Individualisation der Seele der nacheinander aus der menschlichen Verzweigung hervorgegangenen Gruppen statt. Das Besondere der menschlichen Gruppe ist, dass sie fähig blieb, durch Kreuzung mit den am fortschrittlichsten geltenden Typen unbegrenzt fruchtbare Nachkommen hervorzubringen. Unter systematischen Gesichtspunkten stellt die Menschheit den bemerkenswerten Fall einer wunderbar verbreiteten tierischen Gruppe dar, in der es weiterhin zu Kreuzungen zwischen Zweigen (Rassen) kommt, die sich normalerweise seit langem voneinander getrennt haben müssten. Das Phänomen fällt übrigens dank den Wechselbeziehungen, die es ermöglicht, mit der immer deutlicheren Ausprägung einer gemeinsamen psychologischen Atmosphäre zusammen.

Rassen, Vaterländer, Nationen, Staaten, Kulturen, Sprachgruppen. Sie überlagern sich und stehen nebeneinander, sie harmonieren oder disharmonieren, und doch sind sie als natürlich anzusehen, denn sie stellen beim Menschen und nach seinem Maß die unmittelbaren Weiterführungen des allgemeinen Prozesses dar, den die Biologie Evolution nennt. Der Mensch ist durch seine Denkfähigkeit derzeit der Kulminationspunkt der Evolution, womit jeder weitere Fortschritt des Lebens, der sich im Menschen verwirklicht, nur mit dem Wachstum geistiger Natur zusammenfallen kann. Blickt man auf den geistigen und kulturellen Fortschritt der Menschheit in dessen Historie, dann sind die kraftvollsten menschlichen Zweige keineswegs jene, bei denen irgendeine Isolierung die Gene am reinsten bewahrt hätte. Ganz im Gegenteil: Es sind jene, bei denen die reichste wechselseitige Befruchtung wirksam geworden ist. Die vermenschlichsten menschlichen Kollektivgruppen sind letztendlich nicht das Produkt von Absonderung, sondern einer Synthese.

Das evolutionäre Schicksal des Lebens wird von der Regel der Divergenz bestimmt: Die einmal geborenen Verzweigungen entfernen sich voneinander und folgen ihrem Sonderschicksal. Danach gelangen sie zum Stillstand und verschwinden. Auch beim Menschen wirkt dieser Mechanismus von Teilungen. Doch dann vollzieht sich es so, als ob ein neuer Einfluss ins Spiel käme, der nicht nur die Zweige daran hinderte, sich zu trennen, sondern darüber hinaus ihre Verschiedenheit benützt, um durch Kombinationseffekte höhere Bewusstseinsformen zu erzielen. Die Divergenz ist hier gewahrt mit den Vervollkommnungen, die sie in jedem Zweig für sich mit sich bringt, doch wird sie darüber hinaus von einer Konvergenzkraft dominiert, welche die endlose Zersplitterung, in der das Ganze verschwinden zu müssen schien, in ein späteres Mittel des Fortschritts verwandelt. Die Vervielfältigung reift und vollendet sich in der Synthese.

Die biologische Evolution selbst scheint in ihrem allgemeinen Mechanismus ihre Gestalt zu wandeln, da sie sich hominisiert. Die Synthese von Gruppen folgt der Synthese von Individuen. Wenn diese Sichtweise richtig ist, müsste man also damit rechnen, dass die menschlichen Zweige, nachdem sie, ohne sich jemals vollständig zu trennen, einen gewissen Höchstabstand erreicht haben, anfangen, sich einander stärker zu nähern als zu divergieren, d.h. beginnen, zu verwachsen. Und geschieht dies nicht zunehmend in den sozialen Netzwerken? In allen Bereichen differenziert die organische Verbindung, sie neutralisiert nicht, die Elemente, die sie gruppiert. Auf den Fall der Rassen und Völker angewandt, lässt dieses Prinzip in der Zukunft eine gewisse Vereinheitlichung der somatischen und psychischen Merkmale des Menschen voraussehen. Doch diese geht mit einem lebenden Reichtum einher, in dem, auf ihr Höchstmaß gebracht, die besonderen Qualitäten jeder Konvergenzlinie zu erkennen sind. Es bildet sich ein synthetischer Menschentyp.

Jene, die an die Existenz eines menschlichen Fortschritts glauben, stehen entrüstet und verwirrt vor dem Erwachen der Rassen. Ihr plötzliches Aufbrechen in egoistische Gewalttätigkeit, so glauben sie, zerschlägt ihre teuersten Hoffnungen. Was aber, wenn man die gegenteilige Ansicht vertreten würde? Gerade dieses Aufbrechen ist die notwendige Vorbedingung zur Verwirklichung jener Hoffnungen! Es braucht voll bewusste Nationen für eine totale Erde! Damit sich über die menschliche Differenzierung die Ordnung herausbilde, bedarf es sicherlich eines langen Pendelns zwischen Expansion und Konzentration, Auseinanderstreben und Annähern.

Die Waffen, die jedes Volk verzweifelt schmiedet, um sich zu verteidigen und zu trennen, werden unmittelbar das Eigentum aller anderen und sie verwandeln sich im Bande der menschlichen Solidarität. Revolutionäre Erfindungen, die jedes Land zu finden gezwungen ist, um sein Wirtschaftsleben aufrecht zu erhalten, vermehren sich durch weltweite Vernetzungen, dasselbe gilt für psychologische und soziale Umstellungen. Was fortschrittlich und gültig in diesen Entdeckungen oder diesem Erwachen des Bewusstseins ist, wird durch Ansteckung geteilt, mitgeteilt, und nützt der ganzen menschlichen Familie. Jede Geste, die wir tun, um uns zu isolieren, drängt uns mehr zueinander. Besonders in den digitalen Möglichkeiten geschieht ein Sich-Sammeln der Menschheit.

Diese Dynamik bedarf jedoch im höchsten Maß eine internationale Ethik. Es gibt keine Moral ohne Ideal. Zwischen Rassen und Nationen kann sich die Ordnung nur innerhalb eines Elans herausbilden. Menschenwürde wird dabei nicht gerettet, indem man leugnet, dass es Unterschiede der ethischen Einheiten auf der Erde gibt. Man braucht sie nicht leugnen, denn sie sind Kinder ein und derselben Familie. Sie sind gleich ihrem biologischen Wert nach, aber keineswegs ihrer physischen Gaben und ihres Geistes. Gerade diese Mannigfaltigkeit macht ihren Wert aus. Es ist falsch aus Sentimentalität oder Furcht vor Ideologien den Irrtum des Feminismus und der Gleichmacher-Demokratien zu wiederholen: Die Frau ist kein Mann und gerade deswegen kann der Mann auf die Frau und umgekehrt, nicht verzichten. Ein Mechaniker ist kein Bankier und dank dieser Mannigfaltigkeit funktioniert der nationale Organismus. Diese Ungleichheiten sind nur so lange verletzend, wie die Elemente statisch und isoliert betrachtet werden. Das Auge kann der Hand nicht sagen, es verachtet sie. Eine internationale Ethik muss demnach in Solidarität ausgeübt werden.

Kein menschlicher Zweig hat die Pflicht eine irgendwie geartete ursprüngliche Reinheit zu bewahren, sondern sich auf seine eigenen Qualitäten und seinem eigenen Genie entsprechend nach vorne hin zu vollenden. In diesem Bemühen um kollektive Personalisation muss bei den Nachbarzweigen eine aufmerksame Unterstützung gefunden werden, wenn diese kraftvoller sind. Eine wechselseitige Ausbeutung und das gegenseitige Ersticken mag zwischen infrahumanen Gruppen die Regel sein, weil diese sich beständig ersetzen und untereinander divergieren. Das menschliche Bündel jedoch, das konvergierend fortschreitet, muss diese feindliche Konkurrenz durch einen brüderlichen Wetteifer von innen her ersetzen. Es ist eine Entwicklung eines jeden in einer Sympathie aller. Das Gesetz des Teams ersetzt das Gesetz des Dschungels.

Um die Bewahrung und den Fortschritt ihres eigenen Genies zu gewährleisten, verlangt jede natürliche Gruppe „legitimerweise“ einen gewissen Raum und eine gewisse Aussonderung der fremden Beiträge. Die gesamte Arbeit jedoch wird sich nur im Zeichen der Einheit verwirklichen. So verlangt es die Natur selbst des im Gange befindlichen biologischen Prozesses. Das rechte und einzige Klima, in dem der Mensch fortfahren kann, zu wachsen, ist das Klima der Hingabe und der Entsagung in einem Gefühl der Brüderlichkeit hinein. Die Zukunft der denkenden Erde, deren biologischer Kulminationspunkt derzeit der Mensch ist, ist organisch an ein Umschlagen der Kräfte des Hasses in Kräfte der Liebe gebunden.

Die Menschheit ist in einem Stadium ihrer Evolution angelangt, in der sie in keinerlei Hinsicht mehr durch das Wachstum ihrer inneren Energien die aufgegebenen Probleme der Biosphäre, in der sie lebt, bewältigen kann. Gerade die weltweite Vernetzung, welche die Zukunft der Menschheit bahnen wird, bedarf einer Ethik, welche den Einzelnen in seiner Würde schützt, damit er sich mutig der Einheit hingibt. Dies gelingt nur, wenn ein Zentrum der Liebe und Anbetung definiert wird. Nur so wird die innere Abneigung überwunden, die den Menschen vor den Freuden der Vereinigung trennen. So kann er sich bewusst werden, dass er mit dem Universum nicht nur in einem Etwas, sondern in einem Jemand konvergiert.

S.D.G.

In Erinnerung an Teilhard de Chardin

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