Von der Kunst des Gebets

Kunst ist, wenn das Wahre und Schöne in Harmonie zueinander stehen. Kunst ohne Wahrheit wird zu Kitsch, Kunst ohne Schönheit wird kalt und zerbrochen. Schönheit hat ihre eigene Evidenz, sie fordert zum Ja sowie Gehorsam auf und kann nicht ohne Wahrheit sein.

Das Gebet hat immer mit Lehre und Gemeinschaft zu tun. Es muss die Lehre Christi, das Evangelium und die Hl. Schrift erkennbar ausdrücken und es muss immer wieder Gemeinschaft mit anderen Christen suchen. Das Herz der Lehre und der Gemeinschaft ist das Gebet. Theologie muss eine kniende Theologie sein, eine Theologie im Gebet. Eine Gemeinschaft in Christus muss zum Gebet werden. Das Gebet ist die Antwort des freien Menschen auf die Liebe Gottes und seine Schöpfung. Gott mahnte den Menschen, sich von ihm kein Bild zu machen. Gott war es aber ebenso wichtig, sein Haus, den Tempel der Israeliten auf ihrer Wanderschaft, schön zu machen. Sein Haus, seine Kirche heute soll auch Kunst sein, schön und wahr. In der Mitte dieses Tempels war ein leerer Raum. Dort steht nicht Gottes Bild, er bleibt unverfügbar, aber im Schönen und Wahren erkennbar.

Wie kann das Gebet zu Kunst, Abbild des Schönen und Wahren, werden?

  • Man geht in eine Schule. Diese Gebetsschule kann das Psalmengebet, ein Gebet mit Versen der Hl. Schrift, das Stundenbuch, Lobpreis, der Rosenkranz etc. sein. Man bleibt in dieser Schule.
  • Es muss etwas kosten. Das Gebet muss Hingabe einfordern, zeitlich, räumlich. Es geht nicht nur um ein gutes Gefühl. Man ist für mehr geschaffen, als nur für sich selber.
  • Es muss eine Zweckfreiheit bewahren. Wie beim Spiel muss man ganz da sein, weil Gott ebenso für einen ganz da ist. Es muss nicht immer „etwas bringen“. „In der Kammer beten“ bedeutet, nicht ständig Lob, Ergebnis und Ruhm einzufordern. Man verschenkt sich an etwas größerem, als sich selbst.
  • Man erwirbt nach der Gebetsschule seinen unverwechselbaren Gebetsstil. Gott will mein Gott sein. In dem man Gott ähnlicher wird, wird man als Du Gottes sich selbst ähnlicher. Hans Urs von Balthasar schreibt: „Der wahrhaft Heilige ist immer der, der sich am wenigsten verwechselt und deshalb am überzeugendsten durchsichtig sein kann auf Jesus Christus.“

So wie ein Künstler muss der betende Christ das ganze Leben an das Schöne und Wahre verschenken und bekommt es in Gottes Liebe wahrhaft und schön zurück. Dann wird der Mensch zu seinem ursprünglichen Sein, seinem eigentlichen Ich.

Jeder Künstler, jedes Gebet kann im Herzen anderer Menschen die Sehnsucht nach Schönheit und Wahrheit wecken. Es kann zur Umkehr auffordern. Jeden Menschen ist diese Sehnsucht eingesenkt, nur manche haben nicht das Wort „Gott“ dafür.

S.D.G.

  1. „So wie ein Künstler muss der betende Christ das ganze Leben an das Schöne und Wahre verschenken und bekommt es in Gottes Liebe wahrhaft und schön zurück. Dann wird der Mensch zu seinem ursprünglichen Sein, seinem eigentlichen Ich.“

    Sehr schön gesagt 🙂 „And the homeland of my heart‘s desire bestow on me by making me a citizen of Paradise […] lead me back to be refashioned into that ancient beauty of Your Likeness.“

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