Gnade und Werke

Die Gnade darf nicht gegen die Werke und das Wollen dazu ausgespielt werden. Im Gegenteil: Man muss sie aufeinander beziehen und es ist natürlich die richtige Reihenfolge zu beachten. Die Gnade setzt die Natur (den Willen des Menschen) voraus. Doch von der Natur als Natur (Geschöpf) führt kein Weg zur Gnade, ein Geschenk kann man sich nicht selbst und eigenmächtig nehmen, wohl aber von der Gnade zur Natur. Denn nicht die Früchte machen den Baum gut, sondern ein guter Baum bringt gute Früchte.

Gottes Liebe verurteilt den Menschen nicht zur Passivität, sondern sie ermöglicht aus Gnade gerade eine gewisse Mitwirkung des Menschen. Der Mensch darf Verantwortung übernehmen und das nur, weil er entscheiden kann. Der Mensch ist aufgerufen die Gnade anzunehmen. Hier wird diese Verschränkung, der Bezug aufeinander von eigenem Willen, Werke und Gnade eindrücklich beschrieben (Phil 2:12-13 MNT):

Daher, meine Geliebten, gleichwie allzeit ihr gehorchtet, nicht wie in meiner Anwesenheit nur, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit, mit Furcht und Zittern bewirkt eure eigene Rettung!
Denn Gott ist der Wirkende in euch sowohl das Wollen wie auch das Wirken für das Wohlgefallen (über euren guten Willen hinaus).

Dieses eigene Mitwirken zur Rettung eines Christen ist aber erst seit seiner Wiedergeburt, seiner Erneuerung in Wasser und Geist möglich. Nur durch die Kraft des Heiligen Geistes kann und soll ein Christ mitwirken. Der Mensch kann sich also niemals selbst erlösen, aber er darf die Erlösung aus freien Willen heraus annehmen. Streng theologisch heißt das: Der Mensch sagt nicht nein zu seiner Erlösung. Gnade sowie das Wollen der Gnade und daraus die Werke dürfen nicht seziert werden, sie sind eins in Jesus Christus und eins im Christen, in dem Jesus Christus lebt.

Man beachte in dem Bibelzitat auch: das Bewirken der eigenen Rettung gelingt nur „mit Furcht und Zittern“. Dies deshalb, weil es eben auch eine Zielverfehlung eines Christen geben kann und es einen Nichtort der Hölle gibt. Das Heil kann man nicht besitzen, es ist kein Automatismus, es ist Frucht einer Liebesbeziehung. Sie ist gekennzeichnet durch Treue, schenkende Liebe, Kommunikation im Gebet, und Vereinigung, indem Christus im Menschen und der Mensch in Christus lebt, sowie sakramental in der Hl. Eucharistie.

Deshalb hat der hl. Augustinus bemerkt: „Gott, der den Menschen ohne den Menschen erschaffen hat, rechtfertigt ihn nicht ohne den Menschen.“

S.D.G.

Hier kannst du kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.