Zeit und Ewigkeit

Ist nicht die Zeit eigentlich etwas völlig Fremdes für den Menschen? Wir leben, altern und sterben wegen und in der Zeit, sie ist verwoben und eingewoben mit uns, aber seltsam: Wir können dennoch mit der Zeit nicht richtig umgehen. Wir verschwenden sie, managen sie, gewinnen und verlieren sie. Manchmal wird unsere Zeit gefressen, wir lassen sie irgendwo liegen, aber so richtig besitzen können wir die Zeit nie. Als gehöre sie gar nicht zu uns. Als ob ein Fisch sich regelmäßig wundern würde, dass er nass ist. Woher kommt das?

Eine Antwort darauf finden wir in der Hl. Schrift, Pr (Kohelet) 3:11, NEÜ:

Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.

Gott hat also die Ewigkeit in unser Herz gelegt, ohne dass wir dies zu überblicken vermögen. Wir sind demnach von Gott, von unserem Schöpfer, gar nicht für die Zeit geschaffen, von Anbeginn hat Gott uns für die Gemeinschaft bei IHM in der Ewigkeit, im Reich Gottes, vorbereitet.

Und ist es nicht so: schon als Kind wusste man, vertieft im Spiel, nichts von der Zeit. Sie verging nicht einmal. So ergeht es auch dem erwachsenen Menschen, wenn er eine Tätigkeit mit Leidenschaft ausführt, die Zeit hat dann keinen Zugriff mehr. Erst recht, wenn man mit einem geliebten Menschen zusammen ist: Die Zeit wird aufgehoben, es zählt dann nur mehr der Augenblick, eine ewige Gegenwart, immer den Geliebten im Blick, im Augenblick. In diesem Augenblick erhalten wir schon einen Blick in die Ewigkeit, eine zeitlose Gegenwart inmitten der Liebe. Die Ewigkeit kennt keine Langeweile, es kann niemals langweilig werden.

Da ist noch ein Trost: Auch der Tod wird uns einmal diese lästige Zeit entwenden, mit der wir nicht umgehen können. Ein Trost ist es deshalb, weil Jesus die Strafe des Todes für unsere Sünden weggenommen hat. Der Tod ist dann keine Strafe mehr und gleichzeitig sogar Gewinn. Denn Jesus ist auch der Auferstandene und die an ihn glauben erhalten sowohl Sündenvergebung, als auch die Auferstehung von den Toten. Das ist unser Durchbruch in die Ewigkeit, ein Sieg ohne Verlust.

So etwas Großartiges kann nur die Liebe. Sie allein ist ewig (1Kor 13:8a):

Die Liebe hört niemals auf.

Für uns bedeutet dies, dass es auch hier im Dasein keine besondere Zeit für die Liebe gibt, denn sie kennt keine Zeit. Liebe ist immer, in jeden Augenblick, hin zum Nächsten, zu sich selbst und zu Gott (1Joh 4:16):

Und wir erkannten und glaubten die Liebe, die Gott an uns erweist. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.

Gott ist die Liebe und in ihr und damit Gott tauchen wir ein in unsere eigentliche Bestimmung, in die Ewigkeit. Wie gut von unserem Gott, dass er uns nicht nur für die Ewigkeit, sondern auch für die Liebe nach seinem Ebenbild geschaffen. In IHM werden wir, von unserer Sehnsucht und unserer Bestimmung bewegt, auch unsere zeitlose Heimat finden.

Bis dahin dürfen wir die Zeit als etwas Fremdes annehmen, als Gnade Gottes, uns in der Dauer bewähren zu können, Geduld und Liebe zu üben, immer wieder umkehren zu können und von Neuem mit Gott zu beginnen. Alles hat seine Zeit in dieser Welt und wir sollten sie dort belassen, wo sie gerade nötig ist – in der Achtsamkeit für den Augenblick und im Loslassen für die Ewigkeit.

der emmauspilger

S.D.G.

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