Atmosphäre – im Atemkreis sozialer Netzwerke

„Atmosphäre“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Atemkreis“. Den Begriff Atmosphäre kennen wir vor allem im Zusammenhang mit Räumen und Situationen: Eine Atmosphäre kann angespannt sein, heimelig, bedrohlich, friedvoll, festlich und so weiter.
Eine solche Atmosphäre ist viel mehr als ein durch Architektur und Einrichtung, Dekoration und Musik, Düfte und Geräusche, Licht und Schatten gestimmter Raum. Atmosphäre ist ein Geschehensverlauf, und das Entscheidende in diesem Geschehen sind die Menschen! Ihr Agieren und Interagieren, vor allem ihr Korrespondieren entscheiden über die Qualität der Atmosphäre.

Dabei mag es erstaunen, dass Harmonie für das Zusammensein, das Zusammenleben keine Voraussetzung ist. Wenn wir „korrespondieren“, geht es zuerst einmal um Toleranz und Akzeptanz, dem Respekt voreinander. Nicht Differenz, nicht Abgrenzung schafft eine gedeihliche Atmosphäre, sondern Korrespondenz, das Wirken miteinander.

Der Philosoph Reinhardt Knodt sieht deshalb die Philosophie pragmatisch und fordert von ihr Alltagstauglichkeit: „Dass wir zusammen sind, ist das Einzige, dessen wir uns sicher sein können, womit Philosophen in einer Welt des ständigen Wandels auch eine sich ständig wandelnde Aufgabe haben, nämlich die Formen und Phänomene unseres Zusammenseins so zu beschreiben, dass der Weg zur Weisheit auch immer wieder neu geöffnet wird.“
Und weiter:
Vor dreitausend Jahren meinten die Philosophen noch, über den Kosmos sprechen zu können, dann nur noch über die Götter, schließlich nur noch über das Sein, dann über die ewige Wiederkehr des Gleichen und heute schließlich reden wir nur noch über das allgemeine Geschehen, also den Strom der Korrespondenzen, zu dem wir selber gehören.“ (Knodt: Der Atemkreis der Dinge – Einübung in die Philosophie der Korrespondenz)

Man sieht, dass die Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts sich immer mehr der Methodik der Teilchenphysik nähert und jede Regung und jeden Begriff in der Dekonstruktion in seine atomaren Bestandteile zerlegt.

Nicht Differenz, nicht Abgrenzung schafft eine gedeihliche Atmosphäre, sondern Korrespondenz, das Wirken miteinander.

Lassen wir uns also einen Kreis zum Atmen, einen Raum, in dem jeder agieren kann, kein An-die-Wand-stellen, kein Eindringen, keine Übergriffigkeit, einen Raum, in dem man Atem holen kann, um in guter Atmosphäre zu korrespondieren. Dies gilt im Alltag und besonders für soziale Netzwerke.

Und es ist die Methode des Herrn Jesus Christus, wenn er den Blinden zuerst fragt: »Was willst du, daß ich dir tun soll?« (Lk 18:41a) und auf die Nöte und Wünsche der Menschen eingeht, eine gute Atmosphäre schafft, sie aber nicht überrumpelt:  „Als Jesus ihn daliegen sah und erfuhr, daß er schon lange Zeit so daran war, sprach er zu ihm: »Willst du gesund werden? «“ (Joh 5:6).

S.D.G.

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