Spurensuche: Machärus – wo Salome tanzte

Die Ungarische Akademie der Künste führt seit 2008 unter Leitung von Gyözö Vörös archäologische Ausgrabungen auf Machärus durch. Sie ist eine königlich-herodianische Burg oberhalb des Toten Meeres in Jordanien. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen „Jüdischen Altertümern“, dass dies der Ort ist, wo Johannes der Täufer enthauptet wurde (18. Buch 5.Kap., 119). Hierher pilgern seit dem 19 Jahrhundert deshalb bis heute zahlreiche christliche und muslimische Pilger, denn wiederentdeckt wurde die Festung auf der Bergspitze erst 1807 vom Forschungsreisenden Ulrich Jasper Seetzen, nachdem sie bereits Mitte des 1. Jahrhunderts verlassen und vergessen wurde.

Erste archäologische Ausgrabungen erfolgten im Juni 1968 durch den amerikanischen Baptistenpfarrer E. Jerry Vardaman, der leider keinen Grabungsbericht hinterließ, aber 4973 Objekte in das Cobb Institute of Archaeology der Mississippi State University abtransportierte. 1978 bis 1981 und 1992 bis 1993 gruben dann die Franziskanerarchäologen Canio Corbo und Michele Piccirillo in Machärus und verfassten eine zusammenfassende Monografie. Ihnen gelang zuerst der Nachweis, dass hier zweifelsfrei ein berühmter mit Mosaiken ausgestatteter königlicher Palast Herodes des Großen stand. Zudem bestätigten sie die Angaben in den Berichten des Flavius Josephus durch archäologische keramische und numismatische Daten. Es wurde eine Zitadelle entdeckt und ein erster Architekturplan der Festung erstellt.

Machärus ist die einzige hasmonäische und heriodianische Festung (basilieon) östlich des Toten Meeres und besaß eine Unterstadt (polis). Im Innenraum der westlichen Bastion wurde eine Mauer mit 8,75 Meter Höhe freigelegt und eine 15,5 Meter tiefe Zisterne ausgegraben, die bis in herodianische Zeit genutzt wurde. Die Anlage entstand unter den Hasmonäern im 1. Jahrhundert vor Christus und war Teil eines feinmaschigen militärischen Netzwerks zur Verteidigung Jerusalems. Machärus sollte vor Angriffen von Osten her schützen, dort wohnten die konkurrierenden arabischen Nabatäer. Der Name der Festung war dabei Programm: das griechische machaira bedeutet „Messer, Dolch“ und so war sie der gezückte Dolch gegenüber den Nabatäern.

König Herodes der Große ließ 30 vor Christus durch seine Architekten die Palastfestung errichten. Sie gründete auf den Ruinen der Festung des Hohenpriesters und Königs Alexander Jannäus. Der „königliche Innenhof“ war das Herz der Anlage. Seine Ausrichtung folgte dem phythagoreischen triangularen Verhältnis von 3:4:5. Der sogenannten pygme-Einheit von 34,5 cm, ein griechisches Maß, das auf den Unterarm basierte, folgen auch die Kolonnaden mit dem dorischen viersäuligen Portikus. Dieser bestand einst aus 24 Säulen und vier herzförmige Exemplare an den Ecken. Das herodianische Badehaus ist hingegen im ionischen Stil errichtet. Man entdeckte einen Auskleideraum mit ursprünglich 12 Säulen, die einst verputzt waren und den Eindruck marmorner Monolithen hinterließen, wie sie damals nur in Alexandria verbaut wurden.

Der königliche Innenhof besaß eine apsidale Thronnische. Das Geburtstagsfest von Herodes Antipas zusammen mit der ihm vermählten Prinzessin Herodias wird hier stattgefunden haben. Zu dieser Gelegenheit kamen auch Gäste aus Galiläa (Mk 6:21). Dieser Gebäudeteil ist der größte Raum des befestigten Palastes und bildete den passenden architektonischen Rahmen für den Fürsten, eine große Menge vornehmer Gäste zu empfangen. Hier fand man auch eine Gerichtsstätte, welche ähnlich dem Amtssitz des römischen Statthalters in Jerusalem ausgesehen hat. In Machärus gab es eine „Erhöhung“ (gabbatha) im Königshof mit einem herodianischen Steinboden (lithostrothos). Dort wird Antipas das historische Todesurteil über den unliebsamen Johannes gesprochen haben.

Innerhalb der Festungsmauern lebten weitere Persönlichkeiten, die aus den Evangelien bekannt sind. So auch die Tochter der Prinzessin Herodias mit Namen Salome, die sie aus ihrer vorangegangenen Ehe mitbrachte. Es ist der Tanz der Salome, der immer wieder Anlass zu fantasievollen Darstellungen gibt, er wird im königlichen Innenhof stattgefunden haben.  Richard Strauss komponierte sogar eine Oper, die er Salome nannte.

In der Unterstadt wurde Johannes der Täufer zusammen mit seinen Jüngern festgehalten, wie es Josephus und die Evangelien berichten. Dort findet gerade eine archäologische Grabungskampagne statt, welche die Geschichte von Machäus fortschreiben wird.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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