Hochmut des Glaubens

Es gibt einen Hochmut des Glaubens, der auch Neuevangelisation verhindern kann. Mit dazu bei trägt im protestantisch-evangelikalen Bereich das Dogma „sola fide“. Glaube wird als Titel betrachtet, als Ticket, als Garantie zum Heil. Glaube jedoch ist weder mathematisch nach seiner Größe definierbar noch allein am Namen. Glaube erhält seinen Wert einzig in der Person, an die man glaubt und zeigt sich an den Werken der Liebe zu dieser Person. So mancher malt sich ein Schild, das den Namen Glaube trägt, und meint, es genügt, es sich umzuhängen und man bekommt, was man lt. Bibel damit verdient hat: sein Heil.

Zehn Aussätzige heilte der Herr, neun Juden, ein Samariter. Das Leid verband ehemals Feinde zu Freunden. Alle zehn glaubten, als sie den langen Weg zu den Priestern nach Jerusalem gingen. Sie starteten den Weg als Aussätzige und kamen geheilt an. Doch was suchte der fremde Samariter dort bei den jüdischen Priestern im Tempel der Juden? Er ging dennoch hin, weil es der Herr ihm gesagt hat, entgegen seinem samaritanischen Glauben. Dieser wurde gedemütigt, korrigiert vom Herrn, der ihn dadurch erst größer machte.

Und der Samariter war der Einzige, der zurückkam, um zu danken. Warum? Weil er der einzige war, der wusste, dass er unverdient geheilt wurde von diesem Juden mit Namen Jesus. Die anderen jüdischen Gläubigen wollten dem Herrn nicht danken, denn sie waren der Meinung, dass sie als Juden im Glauben nur bekommen haben, was sie verdienten: Heilung. Dieser Glaube kennt nichts unverdientes, deshalb dankt er nicht.

Diese Erzählung in Lk 17:11-19 sollte all jene mahnen, die ihren Glauben unreflektiert bereits als Verdienst betrachten, als etwas, das sie unweigerlich zum Heil führt. Für all jene, die dadurch bereits in Undankbarkeit verharren und hart gegenüber sich selbst und Andere werden, weil Glaube für sie zu einer Frage der Größe und des Titels wurde. Für all jene, welche bereits jene verurteilen wollen, die ihren Glaubensstolz noch nicht teilen können. Wir alle haben als Aussätzige, Fremdlinge und Feinde Gottes begonnen und Jesus rettete uns aus Liebe am Kreuz, obwohl wir es nicht verdient haben. Zum Kreuz dürfen wir immer wieder zurückkehren, um zu danken, aber dort ist kein Platz für Stolz. Der Herr sagt uns (Lk 17:18 ELB):

Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben?

Wer nicht mehr zum Herrn zurückkehrt, bleibt in seiner Härte und dem Glaubensstolz. Denn allein beim Herrn können wir lieben lernen und so bei anderen diese Liebe als Früchte erkennen, auch wenn diese in unserer Glaubensvorstellung keine Gläubigen sind, nur „Samariter“, Fremdlinge. Denn die rechte Herzenshaltung mit Namen „Glaube“ zu beurteilen, gebührt allein dem Herrn, der nicht niederdrückt, sondern aufrichtet (Lk 17:19b):

Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet.

Welcher Glaube war es nun, der den Samariter rettete?
Der eines Samariters?
Der eines Juden?
Der an den Herrn und Gott?

der emmauspilger
S.D.G.

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