Eine Analyse des „Gutmenschen“

Es gab einmal eine Zeit, in der ein guter Mensch geschätzt wurde, weil er gutes tat. Heute jedoch wird der Begriff Gutmensch eher abschätzig verwendet. Wie konnte das geschehen? Ist gutes in der postmodernen Epoche des Relativismus und Positivismus nicht mehr gut? Schuld daran ist wohl, man muss es wieder aussprechen, der Strukturverlust des christlichen Weltbilds. Der Gutmensch ist heute der äußere Typus der mehrheitlichen Seelenlage vieler Menschen. Wie ist dieser Menschentyp zu definieren?

Er ist vorrangig materialistisch und oberflächlich. Letzteres, weil man sich nicht mehr die Mühe macht, zu hinterfragen und alles unnachdenklich für gut deklariert, was der Zeitgeist diktiert. Das Herz wird kalt, denn es wird allein von der Technik dominiert. Ein Gutmensch hält seine Meinung äußerst unbekümmert für richtig, denn es fehlt das Bewusstsein, dass diese Meinung ihnen von Presse oder Ideologien in vorgegebenen Trends vorbereitet ist. Die Meinung der Masse muss richtig sein.

Ein Gutmensch hält sich dennoch absolut frei, ohne es wirklich zu sein. Gutmenschen sind Teil einer Gruppenseele, die sich aufgrund ihrer Menge immer im Recht befinden will. Es entsteht eine globale Solidarität, die einen die ganze Menschheit umfassenden Humanitarismus bildet. Da dieser kaum das eigene Leben beeinträchtigen soll, verbleibt er in Formlosigkeit, Gestaltlosigkeit und Strukturlosigkeit. Das Gutmenschentum führte in den vergangenen 40 Jahren durch diese unreflektierte Mitläuferei folgerichtig zu einer Minderung des kulturellen Niveaus.

Natürlich besitzt diese Entwicklung eine Vorgeschichte: Im schleichenden Glaubensverlust des Christentums seit der Französischen Revolution. In diese Linie fügt sich die Studentenrevolte der 68er, welche die Wirrnis erstmals manifestierte. Hinzu kam die feministische Bewegung, die Ehe zwischen Mann und Frau mit Kindern als Familie zu diskreditieren begann und zurückzudrängen. Folgen daraus sind zunehmende Belastung von Frauen und eine weitgehende Befreiung der Männer von Verantwortung. Dies führt zu Kinderlosigkeit, Einsamkeit und Bitterkeit in großen Teilen der Gesellschaft.

All diese Veränderungen zum Schlechteren will und kann der Gutmensch jedoch nicht mehr wahrnehmen. Unterstützend dabei ist ein System von Verschleierung und Lüge. Den ideologischen Unterbau dafür gibt der Relativismus, der Wahrheit als vorübergehend betrachtet. Reaktionen darauf sind wiederum sogenannte alternative Fakten, Verschwörungstheorien und letztlich die Zerstörung des demokratischen Fundaments. Entscheidend dabei sind die digitalen Medien, die einen menschlichen Geist der Unnachdenklichkeit schaffen, eben den des Gutmenschen.

In der Hl. Schrift findet man im Kapitel 13 der Offenbarung den Drachen, der für den Antichristen die Strippen zieht. In der Endzeit geht der Verwirrer, der Diabolos, auch in den Medien mit „loderndem Zorn“ umher und vernichtet Seelen. Der Gutmensch kann dieses Spiel nicht mehr durchschauen und verdrängt selbst deren Folgen: Burnout, Depression, Süchte. Ohne die Ausrichtung auf Jesus Christus und dem Christentum fehlt dem Gutmenschen in seinem Leben nach der „political correctness“ jede klare Orientierung.

Ohne Jesus Christus, den Fixpunkt außerhalb seiner selbst, gelingt es dem Gutmenschen keine Distanz mehr zu sich selbst aufzubauen. Denn die dem Glauben entfremdete Welt ist er ausschließlich selbst. Im Selfie wird diese Welt erst wert sie abzubilden. Kein Augenblick ist, wenn er nicht um sein eigenes Ich herum existiert. Man verliert dadurch eine tiefe, feinfühlige und natürliche Befindlichkeit zu dem, was außerhalb des Ichs, was schließlich auch zu einer Verdunkelung des eigenen Bewusstseins führt.

All dies macht den Menschen zu einem zutiefst unfreien Wesen. Alles Sinnen und Trachten wird materialisiert. Die Verdunkelung des Bewusstseins übersieht eine geistige Diktatur, die den Wesenskern des Menschen zerstören will, sodass er auf animalisches Niveau herabsinken möge. Hier kann nun ungezügelte Gier herrschen, das erwünschte Prädikat eines zum Konsum verdammten Menschen.

Eigentlich ist der Mensch jedoch ein transzendentes Wesen. Einmalig, einzigartig und für die Ewigkeit von Gott erschaffen. Er erhält von Gott eine geistige Individualität, die sich für die Dauer eines Lebens ins Fleisch inkarnierte und Verantwortung gegenüber seinen Schöpfer trägt. Deshalb ist es Ziel des Menschen, die Materie zu vergeistigen und nicht den Geist zu materialisieren. Dann würde sich auch ein Gutmensch wieder vor der unbewussten Identifikation mit dem Lügengeist abwenden können.

 

der emmauspilger

S.D.G.

Werbeanzeigen

Hier kannst du kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.