Humanismus vs. Christentum?

Humanismus ist eigentlich eine tief christliche Strömung. Pico della Mirandola (1463 – 1494) wird gerne als letzter christlicher Humanist bezeichnet. Denn erst zu Anfang der Renaissance entwickelte sich ein Humanismus ohne Gott, d.h. der Mensch setzte sich selbst als Individuum zum Maßstab für Humanismus. Ab hier wurde Humanismus zum Feind des Christentums, so entstanden beispielsweise die Freimaurer. Was ist nun der Unterschied zwischen Humanismus und Christentum?
Ein Humanist setzt sich und den Menschen als Maßstab, ein Christ weiß davon, dass Gott der Maßstabgeber ist. Das ändert die Perspektiven.
Ein Humanist wird sich leichter tun, Menschenwürde zu graduieren, weil er den Maßstab selbst festlegt. Praktisch werden dann beispielsweise Menschenleben gegeneinander aufgerechnet, etwa der Wille der Mutter dem Lebensrecht des Ungeborenen vorgezogen und das mit zutiefst lauteren Absichten. Oder man setzt demokratisch Maßstäbe für Menschenwürde, in denen man per Gesetz festlegt, was Mensch bedeutet, was nicht. Auch biologische oder psychologische Maßstäbe werden verhandelbar.

Auch das Motiv, Menschen zu helfen, wird so ein anderes. In vielen Fällen wird man die Ergebnisse der Nächstenliebe eines Humanisten oder Christen nicht voneinander unterscheiden können. Die Selbstlosigkeit einer Tat wird bei einem Humanisten jedoch schwerer zu erkennen sein, weil er sein Menschsein immer in Bezug zur Tat setzen wird. Ein Christ setzt das “von Gott geliebt sein” in Bezug zur Tat. Für einen Christen und all seinen Mitmenschen ist die Menschenwürde von Gott gegeben, ein Humanist gibt sie sich und anderen selber. Ein praktisches Beispiel für diese unterschiedliche Perspektive: Als Aleppo/Syrien bombardiert wurde, zogen sich die meisten humanistischen Hilfswerke zurück, weil die Sicherheit der Mitarbeiter in Gefahr war, die Franziskaner jedoch sandten sogar weitere Brüder in die Stadt, um den Menschen zu helfen.

Die Mehrdeutigkeit des Begriffs Humanismus führt dazu, dass er oft missverstanden wird. Humanismus wurde zum Kampfbegriff der Aufklärer ohne Gott gegen das Christentum und dessen Definition von Nächstenliebe etabliert. Es ist nicht allein die Schuld des Christentums, dass dieser Begriff oftmals “schlecht” besetzt wird.

Wenn jedoch ein Christ einen Humanisten gar als Feind sieht, dann ist das ein besonderer Grund ihn zu lieben: aus Feindesliebe, so wie auch Gott seine Feinde liebt. Ein Humanist hat eine bedeutende Gemeinsamkeit mit einem wahren Christen: die Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Schönem. Das Organ, das diese Sehnsucht spürt, ist die Liebe. Ein Christ weiß, woher diese Liebe kommt und die Sehnsucht gestillt wird, ein Humanist weiß, dass er eine Sehnsucht hat, und dass sie sich nach Stillung sehnt.

der emmauspilger

S.D.G.

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