„Felix culpa“, die glückliche Schuld

Tatsächlich kann kein Mensch etwas tun, dass Gott ihn mehr liebt oder dass er ihn weniger liebt. Insofern ist man immer ein geliebtes Geschöpf Gottes. Aber die Liebe Gottes will mehr: Sie legt offen, wo wir unser gottgewolltes Sein verlassen haben, wo wir nicht mehr sind, wer wir sind, sondern der, den unsere Sünde aus uns gemacht hat. Es nützt niemanden den Menschen als perfekt und damit nicht erlösungsbedürftig darzustellen, die Realität zeigt etwas anderes. Verdrängt man sie, dann bleibt der Mensch verkrümmt in seinem Ich und lässt keine Entwicklung mehr zu, die Gott ihm schenken will. Der Widersacher tut ganze Arbeit, wenn er uns das Sündenverständnis nimmt.

Wenn nun manche sich aufgrund ihrer Sünde hassen, traurig, depressiv werden, dann ist das ebenso ein Werk des Widersachers. Als Christ erhält man in der Taufe das Betriebssystem von Gott Sünde zu erkennen und in seiner Liebe anzunehmen, damit sie verwandelt wird und damit man selbst in der Kraft des Herrn. Gleichfalls erhält man eine überall mögliche und kostenlose „WLAN-Verbindung“, einen Kanal zu Gott, mit dem man ihm im Gebet sein Herz ausschütten, es ihm geben kann, damit es verwandelt wird in seine Liebe (Katherina von Siena erlebte diese Erfahrung auf eindrückliche Weise).

In der Liturgie der Kirche zur Osternacht wird die „felix culpa“, die „glückliche Schuld“ besungen:
„Dies ist die Nacht, in der Christus die Bande des Todes zerriss und siegreich vom Grabe erstand. … O wunderbare Herablassung Deiner Güte zu uns! O unschätzbarer Erweis der Liebe: Um loszukaufen den Knecht, gabst Du hin den Sohn. Ja, wahrlich geschehen musste die Sünde Adams, dass Christi Sterben sie sühne! O glückliche Schuld, gewürdigt eines Erlösers, so hehr und erhaben!

Welcher Denker, welcher Philosoph, welcher Weltverbesserer kann es wagen, solche Worte hervorzubringen? Welcher Glaube, welche Religion kann sich einen solchen Lobpreis „leisten“? Das kann nur eine göttliche, nein, die göttliche und damit wahre!

In diesem Sinn muss man seine Sünden als so schwerwiegend erkennen, dass sie das Leben des Sohnes Gottes kostet, um sie zu sühnen, aber mich, als den Sünder als so wertvoll und geliebt, dass es sich dafür gelohnt hat.
Gott hasst nicht sein Geschöpf, den Sünder, er hasst die Sünde, weil sie sein geliebtes Geschöpf von ihm entfernt.

Für den Sünder gilt es, in allem mit einem „Ja“ zu beginnen: mit dem Vertrauen, dass Gott mich immer lieben wird, mit meinem Sein, wie es sich darstellt, mit allem guten und bösen, und mit der Erkenntnis, dass es meine Sünde und meine Schuld gibt und Gott sie wegnehmen will, wenn ich sie bereue. Nirgends anders, als im Christentum ist der bestrafende Richter auch jener, der diese Strafe für den Verbrecher bereits selbst gesühnt hat. Kein Menschengehirn hätte einen solchen paradoxen Glauben erfinden können, allein die grenzenlose Liebe Gottes ist dazu fähig.

O glückliche Schuld, du offenbarst die grenzenlose Liebe Gottes, die jede dem Menschen mögliche Liebe bis ins Unendliche übersteigt.

der emmauspilger

S.D.G.

Werbeanzeigen

Hier kannst du kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.