Theologie und Pastoral 3.0

Hinsichtlich der Theologie und Pastoral zu Beginn des 3. christlichen Jahrtausends wurde in vielen deutschen Bistümern eine Zentralisierung und Straffung der Seelsorge angedacht oder wird bereits umgesetzt. Sowohl Gläubige als auch Amts- und Würdenträger innerhalb der Kirche vermissen an diesen Konzepten oft die notwendige Ausrichtung auf den Willen Gottes, weil man sich allzu sehr nach weltlichen und organisatorischen Bedürfnissen ausrichtet. Vieles scheint selbst ausgedacht, und im falschen Bewusstsein der „Nabel der Welt“ zu sein, verweigert man sich von dem Guten, das in anderen Nationen bereits umgesetzt wird, lernen zu wollen. Zu dieser Trägheit mag wohl auch die Sicherheit entsprechender Kirchensteuermittel beitragen.

Große Seelsorgeeinheiten bedeuten meist Zentralisierung, Ausdünnung geistlicher Angebote. Doch wenn aus „Geistlichen“ allein „Seelsorger“ werden, geht es nicht mehr um ein (Geistlich-)Sein, sondern ein Tun: man sorgt sich um Seelen, man schafft Pastoral, man organisiert die Pfarrei. Seelsorger werden zu Organisatoren und Entertainer. Dies ist eine große Gefahr für große Seelsorgeeinheiten: der Pfarrer, der Priester, wird zum Manager.

Glaubt man jedoch der Verheißung Christi, dann muss in all diesen Umwälzungen weiterhin der Hl. Geist wirken. Möge man ihn auch nicht sofort erkennen, so sollte man dennoch nach ihm Ausschau halten, die Chancen erkennen, die Gott damit seiner Kirche aufzeigen will und sie somit weiter in die Zukunft führen. Der Mensch kann in Theologie und Pastoral nur im Mittelpunkt stehen, wenn das Fundament Gott – das Wort – der Hl. Geist, bleibt. Theologie und Pastoral können nur erfolgreich sein, wenn es allein um die größere Ehre Gottes geht.

Geografische oder strukturelle Maßnahmen können nur zur Begleitung einer theozentrischen Wende in Theologie und Pastoral dienen!

Doch wo öffnen sich diese Chancen, die Gott aufzeigen will?
Zum einen kann die weltliche, äußere Zentralisierung bei den Gläubigen und Seelsorgern ihren Widerhall in der erneuerten Zentralisierung Gottes in ihren Herzen finden. Zum anderen darf wieder die grundsätzliche Sehnsucht Christi nach Mission, nach Berufungen innerhalb der Kirche entdeckt werden. Das Gebet hilft immer, aber „Gnadenfatalismus“ ist unangebracht, jeder Christ ist ebenso eingeladen neben dem Primat der Gnade auch mit seinen vom Hl. Geist geleiteten Kräften an dieser Gnade mitzuwirken. Jeder einzelne ist von Gott geliebt und wird „gebraucht“. Berufung und Bekehrung sind ein übernatürliches Geschenk, die Übernatur baut aber auf der Natur auf! Christsein ist nicht Passivität, sondern aktives Teilhabenlassen anderer an der eigenen von Gott geschenkten Gnadenfülle. Das Absterben des Glaubens an die Liebe darf aufgrund dieser Liebe nicht einfach hingenommen werden!

Bei Zentralisierungen gestalten sich Wege und Räume zwar weiter, aber die Wirkungen an zentralen Punkten können intensiver werden. Geistliche Zentren können entstehen, die einen höheren Aufwand verursachen, dort hinzukommen, aber auch eine umfassendere Gotteserfahrung vermitteln, abseits des Profanen. Sie werden zu etwas „besonderem“, eben sakralen. Bei größeren Seelsorgeeinheiten erweitert sich auch das Einzugsgebiet und kann die Zahl von Teilnehmern bei geistlichen Angeboten erhöhen.
Was macht geistliche Zentren wertvoll?

Geistliche Zentren sollen ein Ort der ewigen Anbetung sein

Geistliche Zentren sind Orte persönlicher Begegnung mit Menschen in der Christusnachfolge
Gott wurde Mensch, nicht Buch. Das interessanteste für den Menschen ist der andere Mensch. Heute will niemand mehr auf ein Dogma hören, aber eher auf das authentische Zeugnis eines Menschen. Wer sein eigenes Ich wichtig nimmt, wird auch die Subjektivität des anderen ernst nehmen. In einer Zeit, in der Wahrheit relativ wurde, wird die Berufung auf die eigene Subjektivität zum unschlagbaren Argument. Es ist nicht mehr wichtig, was Jesus und die Kirche objektiv und dogmatisch lehrt, sondern wie man sich selbst subjektiv dazu verhält. Eine Lehraussage beginnt deshalb heute besser mit: „Mir sagt mein Jesus, dass …“. Menschen auf der Suche müssen erkennen, dass ein Christ Mut hat, seinen Glauben, seine christliche Identität offen zu zeigen.

Geistliche Zentren müssen die Erfahrung christlicher Gemeinschaft vermitteln
Wenn Individualismus verkultet wird und das Single-Dasein Norm, sind zum Seelenheil und gegen Vereinsamung Orte des „Wir“ nötig.

Geistliche Zentren müssen Menschen zu Jüngern ausbilden
„Die heilige Liturgie füllt nicht das ganze Tun der Kirche aus; ihr müssen die Evangelisierung, der Glaube und die Bekehrung vorausgehen; erst dann kann sie im Leben der Gläubigen ihre Früchte bringen: das neue Leben im Heiligen Geist, den tätigen Einsatz für die Sendung der Kirche und den Dienst an ihrer Einheit“ (Kat 1072).
Geistliche Zentren müssen ernst nehmen, dass Menschen oftmals nicht ausreichend für den Sakramentenempfang disponiert sind, es ihnen an Glaubenswissen fehlt. Vielen ist der Zugang zu Glauben und Spiritualität innerhalb von Familie oder Kirchengemeinde verwehrt worden. Es gibt immer weniger Lebensräume der Glaubenserfahrung. Zur Vermittlung von Glaubenswissen können deshalb „Alphakurse“ angeboten werden.
Kirche und Glaube müssen „barrierefrei“ sein. Das kann schon damit beginnen, dass man den Menschen während einer Hl. Messe mit Gesten andeutet, wann sie zu stehen, sitzen oder knien haben und warum.
Christliches Glaubenswissen muss einerseits mit anderen Weltanschauungen, Philosophien und Religionen konkurrieren, andererseits fehlt vielen Menschen in einer von Materialismus und Konsum geprägten Welt der Bezug zum Transzendenten, etwas oder jemanden, das und der über sie hinaus reicht. Deshalb ist zwar eine konkrete Vermittlung des christlichen Wegs unabdingbar, um Synkretismus und flacher, unerlöster „Wellness-Religion“ vorzubeugen, aber ebenso eine niederschwellige Herangehensweise nötig, welche jeden Menschen in seiner jeweiligen Lebenssituation ernst nimmt.

Geistliche Zentren müssen Oasen der Spiritualität in einer ausgetrockneten Glaubenswüste sein
Eine Chance ist dabei, dass banales immer mehr „out“ wird und exzentrisches „in“. So können geistliche Zentren Orte für Aussteiger in das Nichtbanale, das Nichtnormale sein. Denn Außergewöhnliches wird gesucht, toleriert und ebenso bestaunt, auch wenn es nicht nachgeahmt werden will.
Doch was gibt es heute exzentrischeres, als gelebte Christusnachfolge? Dabei setzt das Christentum nicht auf Mantras, Lotussitz und Chakras, sondern Rosenkranz, eucharistische Anbetung und Geistliche Lesung. Für viele Jugendliche ist dies heutzutage bereits etwas exotisches und damit spannendes. Es gefällt, weil es Provokation und Herausforderung ist und nicht pädagogisch lehrend.
Kirchen voller Heiligenfiguren sind keine musealen Skulpturenparks, sondern eine Versammlung konkreter Glaubenserfahrungen dieser Heiligen, die weitergegeben werden können und auch in heutige Lebenssituationen sprechen. Mit Maria hat die Kirche eine junge, selbstbewusste und heilige Frau, die gerade in ihrem Frausein ihrem Leben Erfüllung gibt und die lehrt, dass Macht nicht unbedingt in Ämtern ausgeübt wird, sondern durch Gottesliebe.

Geistliche Zentren brauchen Jugendarbeit, mit Musik, Events und starken Glaubenszeugnissen
Dabei ist ein strukturiertes Programm notwendig, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen von Gott berührt werden: Gemeinsame Gebete, gemeinsames Singen und Musizieren, Möglichkeit zur Beichte, geistlichen Gesprächen, Anbetung und besondere Lichtsymbolik, wie sie etwa bei der Aktion „Nightfever“ vorherrscht.
In den Kirchen sind Lichterprozessionen möglich, die an einzelnen Punkten und Altären verweilen, damit dort jugendgemäße, dazu passende Erzählungen vorgelesen werden können. Eine Predigt kann kurz, prägnant und zündend sein oder durch ein Glaubenszeugnis ersetzt werden. Am Ende ist ein Agape-Mahl möglich. Termine können eine Jugendvigil, Sylvester, die Karwoche und Pfingsten sein, bei all diesen die Jugendlichen jedoch unbedingt unter sich sein sollten.

Geistliche Zentren können ein Ort des betreuten Verweilens sein
Es entsteht durch Zentralisierung viel Platz in Pfarrhöfen und anderen Gebäuden, in denen Gäste empfangen werden können oder geistliche Gemeinschaften wohnen.

Geistliche Zentren sind bereits bestehende Klöster
Hier muss die Sehnsucht nach Berufung und Mission brennen, aber Klöster dürfen auch nicht allein gelassen werden. Das ganze Volk Gottes muss missionarisch beteiligt sein. Klöster und Seelsorgezentren müssen zusammen an „Oasen der Kraft“ arbeiten. Orte, an denen man im Lobpreis, den Sakramenten, in Gemeinschaft, im Lernen, im Zeugnis, im gegenseitigen Dienen evangelisiert, auch durch Einsatz der Medien. Die Kraft dieser Orte stammt dabei aus dem Gebet und allein aus Christus, der seine Kirche niemals verlassen wird.

Fazit:
Wichtig bei all dem ist, dass allein weder Methodik noch Programm zum Ziel führt. Der Herr hat seiner Kirche nicht nur sich und die Kraft des Hl. Geistes geschenkt, sondern auch wertvolle Mittel aus Tradition, Liturgie und Sakrament. Gerade das Sakrament darf nicht wahl- und ehrfurchtlos unter die Menschen gestreut werden, schließlich geht es hier um die Ehre Gottes. Auch stellt sich nicht die Frage nach Änderung der Lehre der Kirche, wie etwa Aufhebung des Zölibats oder Frauen als Bischöfe, das sind Scheindebatten, es geht um das Heidentum innerhalb der Kirche und eine theozentrische Wende.

Und die beginnt im Herzen jedes Gläubigen, mag er Laie, wie ich, Priester oder Bischof sein.

S.D.G.

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