Dismas – Der rechte Schächer

Der selige Franziskanermärtyrer Engelbert Kolland, der 1860 in Damaskus starb, berichtet in seinem Reisebericht: „Nachdem wir das Dorf, in dem der rechte Schächer Dismas geboren sein soll, passiert hatten, ging es den Gebirgen Judäas zu“. Der angebliche Herkunftsort des guten Schächers beruft sich auf eine örtliche Tradition, der zur Kreuzfahrerzeit „Castrum boni latronis“ hieß, „Ort/Kastell des guten Schächers“. Heute nennt man den Ort Latrun und er liegt 15 km westlich von Jerusalem in der Schefala im Ajalon-Tal. Dort befindet sich das einzige Trappistenkloster im Hl. Land. Oberhalb der Abtei finden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts vom kastilischen Ritter Gonzales de Lara erbaut wurde und danach dem Templerorden übergeben. Die Burganlage nannte man „O Toronum Militium“, „Ritterturm“. Sie wurde später von Saladin zerstört.

Der hl. Dismas gilt als der einzige von Jesus selbst heilig gesprochene, als der Herr am Kreuz ihm die Worte entgegnete: „Amen ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23:43). Deshalb befassten sich bereits die frühchristlichen Kirchenväter mit dem Verbrecher Dismas, der inmitten der spottenden Menge und angesichts des großen Leidens Christi zur Umkehr findet, seine Schuld bereut, sie bekennt und den Erlöser um ein vergebendes Gedenken bittet. Die Kirchenväter betrachteten den hl. Dismas als Heiden. Man nannte ihn auch Dumachus und er wird erstmals in den apokryphen Schriften im sogenannten Nikodemusevangelium im 4. Jahrhundert (Acti Pilati 9.4) benannt, zusammen mit dem linken Schächer Gestras oder Gesmas. Der Name Dismas ist wahrscheinlich eine Ableitung vom Altgriechischen hä dysmä, was Untergang, Sonnenuntergang, im übertragenen Sinn „Lebensende“ bedeutet.

Im römischen Martyrologium begeht man den Gedenktag des rechten Schächers, ohne seinen Namen zu nennen, am 25. März. Das Datum bezieht sich auf die jahrhundertelange Tradition im Westen, dass der Tag der Auferstehung des Herrn am 27. März erfolgte. In den arabischen Kindheitsevangelien aus dem 6. Jahrhundert wird Dismas als jener Räuber beschrieben, der bei der Flucht der hl. Familie nach Ägypten diese in sein Haus aufgenommen hat. Der hl. Eulogius schreibt über Dismas, er hätte sein Leben mit Stehlen, Morden und Rauben verbracht und soll Haupt einer Räuberbande zur Zeit Christi gewesen sein. Der hl. Dismas  konnte sich aufgrund der zuvorkommenden Gnade Gottes bekehren, so dass er Jesus vor dem Volk als Herrn und Gott anerkennen konnte, ihn vor den Soldaten verteidigte, sich voller Reue selbst schuldig bekannte und die Kreuzigungsschmerzen als Sühne auf sich nahm.

Die Verehrung des hl. Dismas setzte schon im Frühchristentum ein. Der hl. Chrysostomos nannte ihn den „Advokat Christi“. Augustinus bemerkt, dass der rechte Schächer die beiden Emmausjünger übertraf. Ludwig von Granada bezeichnete das letzte Wunder des Herrn an dem Schächer als unübersehbares Zeichen des kraftvollen Heilmittels, welches das Blut Jesu zur Rettung der Seelen bereithält. Bernhardin von Siena lässt die eifrige und brennende Liebe des Schächers diesen unter die größten Himmelsfürsten setzen. Der hl. Pater Pio rät seinen geistigen Kindern dazu, ihr Kreuz nach Art des rechten Schächers und nicht des linken Schächers zu tragen.

In der Feier der Eucharistie der orthodoxen sowie der katholischen Kirche im byzantinischen Ritus sind die Worte vom hl. Dismas: „Gedenke meiner, wenn du ins Paradies kommst“, Teil der Liturgie vor der Austeilung der Kommunion, die dreimal vom Priester gesprochen werden. Kaiser Konstantin ließ ein Bild vom Heiligen anfertigen und in den Lateran nach Rom bringen. In der Kirche S. Croce di Gerusalemme in Rom wird ein Querarm des Kreuzes vom hl. Dismas aufbewahrt. Er wurde von der hl. Helena zusammen mit dem Kreuz Christi in Jerusalem gefunden. Sie war es auch, die den Bewohnern der Insel Zypern Kreuzesreliquien schenkte, so dass in der Folge dort der hl. Dismas Verehrung fand. Die Ostkirche bildet den Heiligen auf Ikonen mit nach rechts geneigtem Kopf ab, frühe mittelalterliche Gemälde lassen ihn mit einem Engel ins Paradies gehen.

Die Franziskaner verehrten seit dem Mittelalter den hl. Dismas. Kalvarienhügel besitzen oft eine eigene Dismaskapelle. Die Stadt Gallipoli verehrt den Heiligen als Stadtpatron. Er ist Patron der Fuhrleute und zum Tode verurteilten, wird um einen guten Tod und bei aussichtslosen Fällen angerufen. Er gilt als Schützer gegen Gewalt und List, Retter vor Verführung und Wiederbringer geraubter Gegenstände. Man kann ihn ebenso um Erlangung aufrichtiger Bekehrung, Liebesreue, Glaubensmut, Gottvertrauen, um Geduld im Leiden und tiefe Christusliebe anrufen.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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