Basics: Die rechte Herzenshaltung bei Exerzitien

Exerzitien, geistige Übungen, gehören zu jenen Mitteln, welche die Seele hin zu Gott öffnen sollen. Dabei dürfen sie nicht nur gedacht sein, sich im Verstand verankern, wie ein Lernstoff in der Schule, sondern sie müssen getan sein. Nicht nur der Kopf soll sich auf den Geist Gottes einlassen, sondern der ganze Mensch, damit auch sein Herz, seine Herzenshaltung. Dazu im Folgenden einige Gedanken.

Eine wichtige Voraussetzung für gelingende Exerzitien ist die Lernbereitschaft, still zu werden. Exerzitien sollen von Schweigen umfangen sein. Schweigen bedeutet nicht Abwesenheit von Sprechen, sondern ein lebendiges Offen-Sein: um zu hören. Im Akt der Stille können sich die Tiefe von Gedanken auftun und Kräfte sammeln. Schweigen besitzt verschiedene Schichten. Vom äußeren Nichtreden an, senkt es sich hinab. Man kann sich den Mund verbieten und dennoch geschwätzig sein, wenn jeder äußere Eindruck, jede Sinnesregung das Innere, die Gedanken laut werden lassen. Da ist auch noch jene Haltung, die auf das hörbare Wort an den Anderen verzichtet, aber eine innerliche Unterhaltung stattfindet. Hier können Gedanken schweigen, aber das Herz ist voll Lärm. Die Stille hinter dem äußeren Schweigen muss jedoch tiefer sinken. Das ganze Wesen des Menschen soll sich immer tiefer hinab in die Ruhe lösen.

Damit wird schon eine zweite Herzenshaltung berührt: Das innere Einsamsein. Exerzitien werden meist in Gemeinschaft durchschritten, damit der Hl. Geist auch durch seine Kraft der verbindenden Liebe wirken kann. So wird auch der Einzelne für das Ganze verantwortlich. Jeder trägt zum ganzen Sinn bei und fügt sich lebendig ein. Doch auf das miteinander reden, das beisammen sitzen, der besondere Verkehr der Gruppen und kleine Kreise soll die Gemeinschaft verzichten. Jeder soll mit sich allein sein, ohne äußerlich allein zu sein. So kann sich jener freie Raum im Menschen bilden, in dem der Einzelne zu sich kommt, sich richtig sieht, seine Selbsttäuschungen erkennt und sich selbst standhält, auch die Stille und das allein sein mit sich erträgt.

Vielleicht erhält man bereits hier schon die Gnade der Demut, welche die dritte rechte Herzenshaltung unterstützt: Die Kritik abtun. Exerzitien, die mit der Frage beginnen, ob es richtig ist, was man hier tut, scheitern bereits im Anfang. Wahrscheinlich wird für den Einzelnen einiges tatsächlich nicht richtig sein, aber beginnt man mit Kritik, hat man im Grunde gar nicht begonnen. Es geht nicht um das beste Tun, die beste Methode für Exerzitien, sondern um das in Gang kommen von lebendigem Geschehen. Nur wer beginnt, kann etwas in Gang kommen lassen. Auf Kritik zu verzichten bedeutet also nicht, kritiklos zu sein. Es bedeutet eine Aufmerksamkeit zuzulassen, die erkennt, wie geistige Dinge zustande kommen. Kritik zu üben, formt einen Widergeist, der einen aus dem lebendigen Strom im Hl. Geist heraustreten lässt. Dieser Widergeist lebt nicht, er beurteilt und verurteilt. Dabei wird ein innerer Vorgang behindert, in dem der Hl. Geist versöhnen und leiten will. Eine rechte Herzenshaltung meint demnach, zu vertrauen auf ein vom Hl. Geist bereitetes lebendiges Gefüge, das den eigenen Geist dort hinein treten lässt und ihn aufbricht aus seinen eigenen Verstrickungen. Aus diesem von Hl. Geist bereiteten Gefüge heraus wird dann erst die rechte Kritik kommen, nämlich das Urteil darüber, was jeder für sich mitzunehmen hat.

Eine weitere rechte Herzenshaltung ist ebenso keine Absichten zu haben. Es gilt nicht etwas zu erreichen, zu erarbeiten, zu erkämpfen. Es gilt allein da zu sein, zu leben und sich dem zu öffnen, was da kommen mag. Wer Absicht hat, spannt sich in eine Richtung, verengt sich auf ein Ziel. Das ist gut, wo es hingehört, aber bei Exerzitien macht es rastlos und verhärtet. Manche tiefe Dinge geschehen nur, wenn man sie nicht beabsichtigt.

Einsam sein, still sein in Exerzitien bedeutet jedoch nicht, die Gemeinschaft, den anderen zu ignorieren. Exerzitien bringen ins Gedächtnis, dass der Mensch zwar allein in einer rechten Beziehung zu Gott wahrlich lebt, dies jedoch die Quelle dafür ist, eine rechte Beziehung zu sich und dem Nächsten zuzulassen. Deshalb soll sich die Gemeinschaft in Exerzitien alles gegenseitig erleichtern. Man achtet aufeinander, man fühlt, was der Andere braucht, ohne dass er spricht, man übt stille Rücksichtnahme ohne viele Worte. In sich gesammelte Menschen können so wie von selbst eine Gemeinschaft des Ganzen, im Hl. Geist, aufsteigen lassen.

Zuletzt ist für eine rechte Herzenshaltung bei Exerzitien noch eines nötig: Der Wille, das Ganze durchzutragen. Auch in Stunden der Erschlaffung, der Gleichgültigkeit, der Unlust. Wer dann loslässt, zerstört das Wahre und Schöne in jenem Werk. Es gilt treu zu sein, das Gute, was wachsen will, zur Vollendung zu bringen. Dabei sollte man auf die zwei Arten von Willen achten: den hellen, jenen, der auf ein gewusstes Ziel zustrebt, der spricht, dass es sein soll, und jenen, der dunkler daherkommt, der das vollendet, das aus der Tiefe konkreten Lebens als unmerkliches Geschehen in einer verborgenen Gestalt ins Klare gelangen will. Dieser „dunkle“ Wille erfüllt, spendet Kraft, was im Gedanken nun wirklich verstanden worden ist und mit jener verborgenen Gestalt verschmolzen. Hier liegt auch die Qualität einer in Exerzitien geschenkten inneren Stille: In dieser inneren Sammlung, in welches das von Gott gesprochene Wort gehört wird, eine Gestalt einsenkt, kann der „dunkle“ Wille des christlichen Lebens sie aufnehmen und forttragen, bis zu der Zeit, wo er ihn verwirklicht.

Nach Exerzitien darf man auch deshalb nicht unbedingt nach Ergebnissen schielen. Was von Gott kommt, kommt meist in Form des Beginnens, nicht einer fertigen Wirkung. Dies, weil die Liebe zu jeden Zeitpunkt den freien Willen zulässt. So wirkt Gott auch nach der Weise des Lebens: Er rührt an und löst Bewegung aus, er legt den Samen, der zur rechten Zeit keimt und er senkt eine Gestalt ein, die dann langsam durchdringt, bis eben jener „dunkle“ Wille nach dem Verstehen sie zur Verwirklichung drängt. Oft erkennt man dieses Tun dann daran, dass man sich zuvor in keiner Weise bewusst war, diesen Willen zu besitzen, es zu tun, es sich nun aber in Klarheit und Bestimmtheit völlig wahr in Ruhe ausführen lässt.

 

S.D.G.