Von Jesus beten lernen

Mit fast dreizehn Jahren ging Jesus bei seiner Passahwallfahrt in den Tempel von Jerusalem und beginnt ein Stück weit sich innerlich von seinen Eltern zu entfernen. In ihm verspürt er das Wissen um den Willen des Vaters. Jesus betet zu „seinem“ Vater und tritt damit bewusst mit dem eigenen Leben vor Gott. Als Kinder Gottes dürfen auch wir Gott Vater nennen und all unsere Gebete mit dieser liebevollen Anrede beginnen, die besonders seine Nähe zu uns ausdrückt.

Am Ende der 40tägigen Fastenzeit begegnet Jesus dem Bösen mit der Macht des Gebets und einem Schriftwort. In Gegenwart Satans und widergöttlicher Elemente wendet sich Jesus in Ruhe an seinen Vater im Gebet und begibt sich nicht auf das Niveau des Widersachers hinab. Durch ein spontanes, kurzes Gebet zum Vater, das sich wiederholt, können auch wir der Versuchung widerstehen. Das Gebet und das Leben spendende Wort, das man durch das Lesen der Hl. Schrift erhält, baut einen Schutzwall im Innern des Menschen gegen zerstörerische und dunkle Mächte auf, ja sie prallen davon ab.

Jesus zieht sich in die Einsamkeit zurück, um zu seinem Vater zu beten. Ihm ist bewusst, dass er nicht alle Menschen heilen kann. Er ist Gott und Mensch zugleich und sein Handeln kann nur Fragmente göttlicher Liebe in die Welt bringen. So dürfen auch wir uns zurückziehen, auch wenn die Not um uns sich auftürmt, um Zeit für das Gebet zum Vater zu haben, um Einheit mit dem Vater und dem Sohn bitten. Niemand kann immer nur ausatmen, es bedarf auch des Einatmens der Liebe Gottes. In der Stille kann Erlebtes verarbeitet werden, man kann sich über eine Selbstfokussierung erheben und neue Lebensimpulse empfangen. Der Horizont erweitert sich im Gebet und neue Perspektiven können sich auftun. Das persönliche Gebet im Alleinsein gehört nur einem selbst und dem Vater, so wie Liebende nur zu zweit sein wollen, um gegenseitig in ihre Liebe zueinander einzutauchen.

Neben dem regelmäßigen Gebet betet Jesus in allen entscheidenden Situationen seines Lebens. Er findet im Gebet Kraft das Bevorstehende und seine Sendung zu meistern. Jesus versenkt sich sicherlich auch ohne Worte in den Ozean der Liebe seines Vaters und erhielt daraus Geduld, Durchhalte- und Lebenskraft. Es ist die Gegenwart Gottes, die sich im Gebet offenbart. Die Angst vor Menschen, Gott und sich selbst trennt, aber sie schwindet bei der Erfahrung, dass Gottvater auch in tiefster menschlicher Not mächtig ist zu helfen.

Jesus erfährt von der Enthauptung des Täufers und ist tief erschüttert. Er will sich in die Einsamkeit des Gebets zurückziehen, aber die Menschen bedrängen ihn, so dass er seine Aufgabe erfüllen muss. Auch wir wollen bei harten Schicksalsschlägen gerne allein sein. So kann man annähernd begreifen, was geschehen ist und ein Gebet wird helfen Ruhe zu erlangen. Aber manchmal warten dringende Aufgaben und verhindern längere Gebetszeiten. Menschen benötigen unsere Hilfe und man darf wie Jesus akzeptieren, dass die Zeit des Gebets und der Einsamkeit warten muss. Jedoch sollten wir wie Jesus immer wieder dieselben Zeiten und Orte zum Gebet bevorzugen, wenn es möglich ist.

Im Lobpreis spricht Jesus seine Einheit zum göttlichen Willen aus. Im Lobpreis sieht er die End- und Heilszeit, den Zustand des göttlichen Lebens in der Ewigkeit ohne Satan. Jesus dankt für die Gemeinschaft mit dem Vater, denn seine Seele ist im Einklang mit dem Willen und der Liebe des Vaters.  Jesus nimmt engen Kontakt zur Erde auf, indem er sich niederkniet. Auch wir dürfen vor Gott im Lobpreis stehen und dankend vor ihm knien, um seiner Barmherzigkeit, seiner Majestät und seiner Macht zu huldigen. Unser Gebet beinhaltet ebenso den Lobpreis, den Dank und auch die Bitte.

Als für Jesus bedeutsame Ereignisse bevorstanden, nahm er diese mit in sein Gebet. So erlangte er Ahnung über Gottes Vorsehung und Willen. Das Petrusbekenntnis nimmt Jesus zum Anlass seinen Jüngern den weiteren Weg zu erklären. Das Gebet lässt Jesus spüren, wie er vorzugehen hat und welche Worte er verwenden soll. Im Gebet bekommt Jesus Offenbarungen geschenkt. Er übergibt seinen Jüngern das „Vaterunser“. Zuvor erbittet einer der Jünger die Lehre zum Gebet. Jesu Gebet rief diesen Wunsch hervor. Mit diesem Herzensgebet nehmen auch wir am Sohnsein Jesu zum Vater teil. Indem wir Gott unseren Vater nennen durchgeistigt sich unsere Seele immer mehr und wird belichtet, so dass in uns Gottes Bild umso deutlicher wird. In Gottes Licht können auch wir Offenbarungen erhalten, die uns auf das Kommende vorbereiten.

Im Gebet legt Jesus Fürbitte für Petrus beim Vater ein, der Glaube des Petrus möge nicht erlöschen. Der Wille Satans wird an der Macht des Gebets scheitern. In der Versuchung soll den Jüngern Jesu Gnade zuteil werden, so betet Jesus, damit sie sich in ihr bewähren. Die Lebensumstände eines Menschen können auch wir nur in seltenen Fällen direkt ändern. Aber man kann dessen Last, alles was andere ihm und er anderen und sich selbst angetan hat, im stellvertretenden Gebet vor Gott bringen. Man kann für diesen Menschen um Vergebung und Heilung bitten, er erhält Halt durch unseren Glauben an ihn.

Im Garten von Getsemani betet Jesus um das Bestehen im Ende seines irdischen Lebens. Er überlässt es dem guten Willen seines Vaters und erhält in seiner Angst Stärkung durch einen Engel. Jesus verlässt sich ganz auf seinen Vater und betet in ganzer Hingabe. Auch wir dürfen unser Leben ganz unserem Vater übergeben, aber ebenso unsere persönlichen Erwartungen. Die Engel werden uns stärken. Im Tod können wir mit Jesus beten: „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist“. Es ist unsere letzte Enteignung bevor wir eins werden mit dem Sohn und durch ihn mit dem Vater in dessen himmlischer Herrlichkeit.

Unser Vater im Himmel ist kein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. Jesus ging zu den Toten und predigte ihnen, weil sie ihn hören konnten. Die Heiligen und Gerechten im Himmel sind bereits beim Vater und der Erlöser ist im Kreuz für sie eingetreten, damit sie Wohnung haben im Himmel. Die Engel, Heiligen und die Toten, sie schlafen nicht, sie sind lebendig beim Vater. Wie Maria stehen sie für uns ein, wenn wir sie bitten und durch den Herrn wird der Vater diese Fürbitten und unser Gebet erhören nach seinem guten Willen. Wie Jesus beim Gebet im Garten von Getsemani sind wir niemals allein. Um uns stärken von Gott beauftragte Engel, in uns Jesus im Hl. Geist und beim Vater sowie Sohn treten Maria und die Heiligen für uns ein.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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