Wo bleibt das Böse im Reich Gottes?

Beim Kommen Christi wird die Wahrheit zur Macht, die Lüge kann nicht mehr sein, weil Gott, das Sein an sich, alles mit sich durch Wahrheit erfüllt. Die Lüge wird aus dem Sein gedrängt und wird nur mehr in einer Form bestehen können, für welche es keinen Begriff gibt: Verdammnis!

Wenn die Lüge und das Böse aus dem Weltzusammenhang ausgeschieden sind, wird es der ewigen Unwesentlichkeit überantwortet, die aus dem Widerspruch gegen Gott kommt. Diese Unwesentlichkeit ist nicht nichts, nicht unexistent, aber eben unwesentlich, inhaltslos, ohne Ziel, ohne Sinn, weil ohne Gottes An-wesenheit.
Der Endzustand der Seele hat das Maß des Seins durch den in ihm verwirklichten Sinn, das Maß der Macht durch das von ihr gewollte Gute, das Maß des Lebens durch die in ihr wirkende Liebe.

Das Böse ist der Widerspruch gegen Gott und die Negation des Seins. Nichts Seiendes wird ausgelöscht, so dass das Böse im Un-Wesen und einer Zwie-Wirklichkeit besteht. Es gehört nicht mehr zur Welt, zum Reich Gottes.
„Verdammnis“ bedeutet also nicht eine Weise, wie etwas im Ganzen zur Schöpfung steht, sondern die letzte, von Gott verfügte Konsequenz aus dem Bösen, die Tatsache, dass das Böse zur Existenzform des Schuldigen/schuldig gebliebenen wird. Hier sind Räume, Orte, oben, unten und Zeit unangebrachte Begriffe.

Das Böse hat keinen positiven Ort mehr, es ist im Zustand eines „Daneben“, einer Überflüssigkeit, ohne zum Nichts werden zu können. Die Schuldigen werden von der Wahrheit hinausgedrängt (Offb 20:11): „Und ich sah einen mächtigen, leuchtenden Thron und den, der darauf sitzt. Vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel, und für sie fand sich kein Platz mehr.“

 

der emmauspilger