Buddha light vs. christliche Mystik

Seit das westliche Christentum ihren mystischen Kern schwächt, wenden sich spirituell Interessierte heute zunehmend an östliche Religionen. Zwischen Buddhismus und Hinduismus gibt es wichtige Parallelen. Aus ihnen schöpfen populäre „Light-Varianten“, wie sie auch Arthur Schopenhauer (1788-1860) favorisierte. Ihre Popularität erlangen sie auch dadurch, dass sie den allgemeinen Zeitgeist bedienen, den Positivismus und den Relativismus.

Von was spricht nun überwiegend dieser „Vulgär-Buddhismus“?

  1. In ihm ist Spiritualität eine Höherentwicklung des Seins. Durch Meditation kann der eigene Geist dies selbst erlangen.
  2. Es gibt kein wahr oder falsch. Alles ist „gleich-gültig“, relativ. Anstelle der Wahrheit tritt die Achtsamkeit. Wahr ist, was man erlebt.
  3. Es gibt unendlich viele Wege zur Höherentwicklung, alles ist richtig.
  4. Das Böse gibt es nicht, ist nur eine Erfahrung.
  5. Die ganze Wahrheit liegt im heilen Ich. Dieses selbst heil zu machen führt zur Wahrheit.
  6. Alles, was nicht das wahre Ich ist, muss man loslassen.
  7. Was nicht das wahre Ich ist, kann man erkennen.

Wo liegt nun das Versäumnis in der christlichen Verkündigung und die Ursache der Popularität einer fernöstlichen „Light-Wohlfühl-Religion“?

Die Verkündiger des christlichen Evangeliums sind Verwalter von Geheimnissen (1Kor 4:1), weshalb sie die ganze Wahrheit, und nicht nur einen Aspekt davon, zu verkündigen haben. Werden nur Teile davon verkündigt, kommen andere und werden sie verändert verkündigen.

Jesus sagte von sich, er ist die Wahrheit. Wie kann nun, weg vom „Vulgär-Buddhismus“, ein heiler Anfang mit Jesus gelingen? Wie lautet die christliche Antwort auf eine fernöstliche „Light-Wohlfühl-Religion“?

Der erste Schritt jeder Spiritualität ist die Frage nach dem Innen, eine Gewissenserforschung, ein unverblümtes Erkennen seiner Selbst. Jeder Mensch ist ein Individuum und hat neben seinen Stärken auch Schwächen. Der Hinduismus, der sagt: „Jeder ist göttlich“ und der Buddhismus, der ausspricht: „Ich kann mein Ich auflösen“, verabsolutiert das Ego. Nur dem eigenen Ich sei es möglich zu erkennen. Die jüdisch-christliche Deutung widerspricht dem, denn das Angebot der Schlange in Gen 3:5 war ja gerade die Erlangung der Göttlichkeit durch eigenes Erkennen. Jesus jedoch fordert auf, sein Ego zu hinterfragen, in seinem Lichte, ihn als Maßstab nehmend. Jesus fordert auf, nicht sein Ich loszulassen, sondern anzunehmen, um es dann ihm übergeben zu können.

Die Zeitgenossen von Jesus töteten ihn und zeigten dadurch, was im Herzen des Menschen ist (1Kor 2:8). Es wäre unsinnig, das Böse in Frage zu stellen, denn es zeigt sich unentwegt, bei anderen und bei sich selbst. Jesus fordert auf, das Böse nicht zu ignorieren, indem man es relativiert oder verleugnet, sondern, dass man es als Teil des Ich erkennt, damit Er es heilen kann.

Die christliche Mystik sagt, dass es Heil auf der Welt gäbe, wenn die menschliche Erkenntnis zum Heil führen würde und widerspricht damit der fernöstlichen Behauptung. Denn durch Menschen kommt kein Heil in die Welt, das zeigt die Erfahrung. Die christliche Mystik baut darauf, dass Gott den Menschen zuerst geliebt hat, ohne wenn und aber, sosehr geliebt, dass Gottes Sohn für diese Liebe an das Kreuz ging und starb. Gottes Liebe ruft den Menschen ins Leben, obwohl Gott in seiner Weisheit weiß, dass dieser Mensch böses tun wird. Der Mensch ist sosehr geliebt und doch zu soviel Bösem fähig. Wenn der Mensch sich so geliebt weiß und sich bewusst wird, dass er zu Bösem fähig, dann gelangt diese Herzenserkenntnis zur Wahrheit und bewirkt eine Neue Geburt (Joh 3:3).

Diese Neue Geburt ist das „Reset“ Gottes, der heile Anfang, der dem Menschen von Gott geschenkt wird und den er aus sich heraus niemals erlangen könnte. Erst wenn der Mensch sich vor das Kreuz stellt, findet er dort den Ausgangspunkt wahrer Mystik. Dies ist der einzige Weg, der über Gottes Sohn am Kreuz führt. Alle anderen Wege unterschätzen das Böse im Herzen des Menschen und installieren letztendlich immer wieder das Ego als Retter. Der Virus des Bösen wird in jeder vermeintlichen Höherentwicklung den Menschen weiterhin verseuchen.

Im Gegensatz zu einem „Buddhismus-Light“ ist christliche Mystik ein schonungsloser Umgang mit sich selbst. Die Erkenntnis geschieht dabei von außen her, von der Weisheit Gottes, vom Beispiel seines Sohnes Jesus und von der Kraft des Hl. Geistes. In der christlichen Mystik wird die Wunde nicht abgedeckt, aus dem Blick genommen, sondern schmerzhaft desinfiziert, erst dann wird der Arzt, Gott, die Heilung fortführen. Der „geistliche Anfänger“ der christlichen Mystik läuft deshalb Gefahr zwischen Überheblichkeit und Selbstverdammung zu schwanken. Es ist ein geistlicher Realismus notwendig, so wie es Hoheslied 1:5 beschreibt. Man ist „schwarz und doch schön“. Schwarz, denn das menschliche Herz ist zu mehr Bösem fähig, als man ahnt. Schön, weil Gott seine Schöpfung so nennt (Gen 2:7), weil die Erlösung durch Jesus den Menschen dazu macht (Eph 5:25-27) und weil diese Schönheit aufgrund eines echten Willens aufscheint (Joh 21:17).

Der Mensch in der christlichen Mystik beginnt also als neu geborener. Dies ist nicht nur eine neue Seinsweise, sondern ebenso eine Mitgliedschaft in einer Familie. Eine Familie, die zuerst aus der Dreifaltigkeit Gottes besteht, aber auch aus seiner Kirche mit all den christlichen Glaubensgeschwistern in dieser Welt. Der Mensch ist eine Frucht der Liebe Gottes, erschaffen zur Liebe, denn kein neu geborener, kein Baby kann ohne Liebe überleben. Ein spiritueller Weg, in dem das Ego, das alte Ich, letztendlich intakt bleibt, ist ein spiritueller Pfad ohne Liebe.

Die östlichen Wege lehren auf eindrückliche Weise die Abkehr vom Oberflächlichen. Sie sind stärker in der Diagnose als in der Heilung, denn das Positive, das Gute bleibt letztlich offen, relativ. Der Hinduismus und der Buddhismus, so wie sie sich gerade im Westen in ihrer „Light-Version“ präsentieren, stellen letztlich das Ego in den Mittelpunkt. Es soll sich selbst erlösen, auflösen, transzendieren. In sich selbst gebunden, geschieht keine Liebe, ein gelingendes Miteinander erwächst daraus nicht. Die christliche Mystik jedoch bietet die Vergebung objektiver Schuld an, Versöhnung und Lieben-lernen.

Christliche Mystik stellt sich der Wahrheit, der Realität. Deshalb war es auch die Christin Mutter Teresa, die in den Slums von Kalkutta die Armen und Kranken pflegte sowie begleitete und nicht deren hinduistischen oder buddhistischen Glaubensgeschwister. Denn christliches Lieben-lernen von Jesus bedeutet ebenso alle Menschen lieben zu lernen.

der emmauspilger

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