Spurensuche: Gaza

Der Gazastreifen liegt im südlichen Palästina am Mittelmeer und hat eine Länge von 40 Kilometer und eine Breite von 10 Kilometer. Er wird von etwa 1,8 Millionen arabischer Palästinenser bewohnt, die Hälfte davon Jugendliche. Er ist damit eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Flüchtlinge und ihre Nachkommen, die in den Kriegen von 1948 und 1963 ihre Heimat verlassen mussten. Sie sind auf acht Flüchtlingslager verteilt.

Eine hohe Besiedlungsdichte und das israelische Embargo machen den Gazastreifen zu einem unruhigen Gebiet. Der israelisch-palästinensische Konflikt erschwert die Lebensbedingungen, insbesondere seit die Hamas die Herrschaft in Gaza übernommen hat. Die meisten Menschen verfügen über weniger als zwei Dollar pro Tag, 80% sind auf humanitäre Hilfe internationaler Organisationen angewiesen. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit, es mangelt an medizinischer Versorgung und es fehlt Trinkwasser. Christen bilden eine Minderheit von etwa 1300 Personen (davon 130 Katholiken) und obwohl sie das gleiche Schicksal mit ihren muslimischen Mitbürgern teilen, werden sie oft wegen ihres Glaubens als Kollaborateure des Westens beschuldigt, benachteiligt und verfolgt.

Gaza wurde erstmals 1468 v. Chr. erwähnt, als die Ägypter es unter Thutmosis III. eroberten. Das gesamte 1. vorchristliche Jahrtausend war geprägt von den umgebenden Großmächten Ägypten, Assyrien, Babylonien und Persien. Im AT wird Gaza mehrmals als Stadt der Philister erwähnt, im NT nur einmal in der Apostelgeschichte (Apg 8:26) im Zusammenhang mit der Geschichte des äthiopischen Hofbeamten. Gaza kam in römischer Zeit zur Provinz Syria Palaestina (4 v. Chr.). Es folgte eine sechs Jahrhunderte andauernde Zeit der Stabilität, des Wohlstands und des Friedens. Die Stadt wurde durch die griechisch-hellenistische Kultur geprägt. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts wird sie in der Mosaikkarte von Madaba neben Jerusalem als die größte Stadt Palästinas ausgewiesen.

Nach der konstantinischen Wende 313 wurde Gaza langsam und mit Widerständen christianisiert. Hier stand nämlich ein bedeutendes heidnisches Heiligtum für den semitischen Gott Marnas. Eusebius von Cäsarea berichtet von zahlreichen Märtyrern aus der Gegend von Gaza während der Verfolgung unter Kaiser Diokletian. Am Konzil von Nicäa nahm zwar Asklepas teil, Bischof von Gaza, aber Hieronymus (ca. 347-419) nennt die Stadt am Ende des vierten Jahrhunderts immer noch heidnisch.

Unter Bischof Porphyrius erfolgte dann die eigentliche Christianisierung der Stadt. Bei seinem Amtsantritt 395 zählte man nur 280 Christen, bei seinem Tod im Jahr 420 hinterließ er eine mehrheitlich christliche Stadt. Er ließ die heidnischen Tempel mit Hilfe der kaiserlichen Soldaten zerstören und über dem Heiligtum des Marnas eine christliche Kirche errichten. Nun begann eine Blütezeit, die bis zur Eroberung durch moslemische Araber im Jahr 634 dauerte. Gaza galt als ein Zentrum christlicher Bildung, viele theologische Schriftsteller waren hier beheimatet. Zudem wurde es zum Mittelpunkt palästinensischen Mönchtums. Das Gebiet stand sowohl geografisch als auch theologisch in enger Verbindung mit Ägypten. Von dort brachte der Anachoret Hilarion (291-371) das Mönchtum hierher und gründete das erste Kloster. Der bekannteste Mönch aus Gaza war jedoch Petrus der Iberer (411-491), ein georgischer Königssohn, der Mitte des 5. Jahrhunderts wirkte.

634-1917 stand die Region um Gaza unter muslimischer Herrschaft mit einer kurzen Unterbrechung durch die Kreuzfahrerzeit. Meist ging es friedlich und ruhig zu, was sich mit dem Ende des osmanischen Reiches änderte. Nun wurde Gaza zu einem heiß umkämpften Gebiet, das es auch heute noch ist.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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