Die hebräische Mischna

Der Talmud, eine mehrbändige Sammlung der nachbiblischen religiösen Gesetzgebung der Juden, besteht aus zwei Textsammlungen: Der hebräische Mischna und der aramäische Gemara. Die Gemara enthält die Diskussionen und Erklärungen der späteren jüdischen Gelehrten der Mischna, den Amoräern. Der Talmud löst die Tora als Gegenstand traditionellen jüdischen Lernens ab, ganz nach dem Weisheitsspruch: „Die Schrift ist endlich, aber die Auslegung ist unendlich“. Für Christen ist jedoch die Mischna interessant, weil sie neben der Sammlung religiöser Texte auch wertvolle Informationen über Leben und Glauben des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu und der frühen Kirche beinhaltet.

In Bezug auf die Mischna sind die Soferim die ältesten Traditionsvermittler. Der sofer (Schreiber, Plural soferim) ist im AT ursprünglich ein schriftkundiger Beamter, ein Gelehrter und Kenner des Gesetzes. In der hellenistischen Zeit wandte sich ein Teil der höheren Priesterschaft der griechischen Kultur zu und Traditionen wurden vernachlässigt. Die Soferim stellten sich dabei dieser Entwicklung entgegen. Sie wurden zu den Hütern der Tora und lösten die Priester ab, womit sie sich folgerichtig auch zu Lehrern des Volkes etablierten und das religiöse Leben kontrollierten. Während der Zeit des NT war diese Entwicklung schon abgeschlossen. Hier werden die Führer des Volkes bereits als grammateis (Schriftgelehrte) bezeichnet, es entspricht dem hebräischen soferim. Flavius Josephus nennt sie „Ausleger des Gesetzes“ (Ant XVII 6.2; XVIII 3.5). In der Mischna jedoch wird der Ausdruck sofer nur für Gelehrte und Autoritäten der früheren Zeit benützt.

In der Frühzeit des hasmonäischen Staates (ab 160 v. Chr.) entstanden neben den Sadduzäern und den Essenern auch die Peruschim. Dieses hebräische Wort (Singular parusch, d. h. der Abgesonderte) wird im griechischen Text des NT als pharisaioi, deutsch Pharisäer, wiedergegeben. Sie selbst nannten sich chawerim (Singular chawer, d. h. Genosse, Gefährte). Dieser Begriff ist in der Mischna und in der frühen rabbinischen Literatur ein Synonym für Pharisäer. Mit der Zeit vollzog sich eine Trennung zwischen jenen, welche die schriftliche und mündliche Tora als Grundlage der Gesetzgebung ansahen, und jenen, die ausschließlich die schriftliche Tora gelten ließen. So entstanden zwei Parteien: Die Pharisäer und die Sadduzäer. Die Pharisäer waren dabei kaum als Laientheologen organisiert, sie hielt nur das Verständnis der Tora zusammen. Hillel und Schamai sind ihre prominentesten Vertreter, die zur Zeit Herodes des Großen (37 – 4 v. Chr.) und weiter bis etwa 10 n. Chr. wirkten.

Im Zusammenhang mit den Soferim gab es noch eine parallele Entwicklung. Zu ihnen gehörten nämlich Gelehrte, die von der rabbinischen Literatur Zugot (Singular zug, d. h. Paar) genannt werden. In den Jahren 180 v. Chr. und etwa 10 n. Chr. gab es fünf solche Paare, das letzte bildeten Hillel und Schamai. Sie leiteten die bedeutendsten Schulen, welche bis zur Endredaktion der Mischna fortwirkten. Man nimmt an, dass die Zugot stets den nasi (Präsident) und den av bet din (Vorsteher des Gerichtshofes) des Sanhedrin (Hoher Rat) stellten. Anschließend an die Zugot folgten dann die Tannaim (Singular tanna, d. h. Lehrer) als Lehrer der Mischna. Viele Wissenschaftler vermuten, dass die Pharisäer ihre Traditionen an diese weitergaben. Man teilt diese Tannaim in fünf Generationen ein. Die erste Generation wirkte von 30 – 80, sie bestand aus Schülern von Hillel und Schamai. Unter ihnen waren der im NT erwähnte Gamaliel I., ein Enkel von Hillel und Lehrer des Paulus (Apg 5:34-39; 22:3), und Jochanan ben Zakkai.

In der römischen privincia judaea kam es im Jahr 66 zu einem Aufstand der Juden gegen ihre Besatzer, der sich zum ersten jüdisch-römischen Krieg ausweitete. Nach für beide Seiten verlustreichen Kämpfen, eroberten die Römer im Jahr 70 Jerusalem und zerstörten den Tempel. Das jüdische Volk stand vor einer nationalen und religiösen Katastrophe. Die Niederlage überstanden nur die Pharisäer als jüdische Partei. Sie waren es auch, die umgehend begannen, Grundlagen für einen religiösen und politischen Neubeginn zu legen. In einer talmudischen Legende wird erzählt, dass Jochanan ben Zakkai durch eine List das belagerte Jerusalem verlassen konnte. Später wurde er gefangen genommen und dem römischen Feldherrn Vespasian vorgeführt. Diesen bat er, ihm „Javne und seine Gelehrten“ zu überlassen und sagte Vespasian die römische Kaiserwürde voraus. Daraufhin wurde ihm die Bitte gewährt.

Das jüdische Leben und Lernen trat mit Jochanan ben Zakkai und seiner Schule von Javne in eine neue Epoche ein. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Schaffung eines normativen Typus des Judentums“. Javne legte nämlich die Grundlagen für die Zukunft des jüdischen Glaubens. Man etablierte einen neuen Sanhedrin, legte den Kanon der hebräischen Bibel fest, regelte die Gebetsordnung und entwickelte das religiöse Leben ohne Tempel. In Javne wurde erstmals der Titel Rabbi verliehen. Dieser Neubeginn nach 70 bedeutete einen grundlegenden Wandel im religiösen Studium. Die mündliche Tora entwickelte sich nämlich nun zu einem eigenständigen, festgelegten Korpus. Er löste die schriftliche Tora als Lernobjekt und Anleitung zur religiösen Praxis ab.

Die Schule in Javne war zu ihrer Zeit Zentrum der jüdischen Gelehrsamkeit. Jedoch gründeten auch andere Tannaim eigene Schulen an ihren Wohnorten. So etwa in Lydda (Lod), Bnei Brak oder in Sepphoris in Galiläa. Hier wurden die Texte der mündlichen und schriftlichen Tora vertieft, jede Schule hatte dabei ihre eigene Mischna. Dieser Begriff entstand während des Lehrbetriebs, er geht auf die Wurzel schana zurück, was „wiederholen“ bedeutet. Die Schüler und Lehrer zitierten nämlich ihre Lehrtexte immer wieder laut. Mit der Zeit kam es zu einem Bedeutungswandel des Wortes mischna, welches nun das Lehren oder Studieren der mündlichen Tora bezeichnet. Die Tannaim waren sich sicher, dass die von den Pharisäern übernommenen Traditionen Teil eines mündlichen Gesetzes sind, die Moses gleichzeitig mit der schriftlichen Tora am Sinai erhielt.

Die Juden der alttestamentlichen Zeit sahen es als Verbot an, neben einer schriftlichen Tora des Moses ein anderes geschriebenes Gesetzbuch zu verwenden. Die Einzigartigkeit und Autorität der von Gott geoffenbarten Tora am Sinai sollte dadurch gesichert werden. In der Geschichte wurde aber immer mehr die Notwendigkeit einer Auslegung der Tora deutlich. Nur so konnte sie wirksam das religiöse Leben des Volkes unter sich ständig ändernden Bedingungen bestimmen. Man nimmt deshalb an, dass sich in der Spätzeit des zweiten Tempels unter den Pharisäern eine Vorstellung einer mündlichen Tora entwickelte, wovon auch Flavius Josephus berichtet (Ant XIII 11.6). Die mündliche Tora ermöglichte viele Veränderungen und Anpassungen des Gesetzes, die Gelehrten sahen dies aber nicht als Veränderung der Tora. Die Wandlungen waren in ihren Augen bereits Teil der Gesetzgebung am Sinai gewesen.

Das Konzept einer schriftlichen und mündlichen Tora wurde anfänglich von den Tannaim noch strikt in beide Bereiche getrennt. Es war ihnen wichtig, dass die am Sinai empfangene Tradition authentisch weitergegeben werden musste. Deshalb las man die schriftliche Tora von einer Rolle und lehrte auch daraus. Die mündliche Tora durfte auch anders vorgetragen werden. Diese Haltung der Tannaim änderte sich mit der Zerstörung des Tempels, dem Tod vieler Gelehrten und dem drohenden Ende der religiösen Tradition. Auch der inzwischen große Umfang der mündlichen Tradition konnte von einem einzelnen Gelehrten kaum noch memoriert werden. So begannen einzelne Gelehrten und Schulen mit der Niederschrift dieser mündlichen Überlieferungen und von Teilen ihrer Mischna. Man verwandte außerdem mnemotechnische Formulierungen, um Lehrern und Schülern das Lernen der Texte zu erleichtern.

Kaiser Hadrian ließ 130 auf den Trümmern Jerusalems die römische Kolonie Aelia Capitolina errichten. Zudem erließ er ein Beschneidungsverbot und stellte das Lehren und Studieren religiöser Texte unter Todesstrafe. Diese Maßnahmen trafen das jüdische Volk und ihren Glauben in ihrem Kern. So begann 132 ein weiterer Krieg gegen die römische Besatzung. 135 fiel die Festung Betar und der Führer des Aufstands Simon Bar Kochba wurde getötet, was den Krieg beendete. Rabbi Akiba lehrte zwischen 80 und 132 in Javne und Bar Kochba wurde von ihm damals als Messias proklamiert. Dies konnten die Christen nicht akzeptieren, es kam zur endgültigen Trennung der Frühkirche und der Synagoge. Rabbi Akiba wusste um das erneut drohende Ende der Tradition, so durchbrach er das Schreibverbot und hielt seine Schüler an, die Mischna niederzuschreiben. Ihre Grundeinteilung in Ordnungen (sedarim, Singular seder) und Traktate (massechtot, Singular massechet) weist die Tradition ihm zu. Allerdings ist seine Urheberschaft des Konzeptes nicht endgültig gesichert. Der Versuch einzelne Traktate zu ordnen fiel aber klar in die Zeit Akiba’s. Heute ist bekannt, dass in den Kriegen 66 – 70 und 132 – 135 eine ganze Literatur untergegangen ist und nur die hebräische Bibel sowie das mündliche Gesetz, die spätere Mischna, gerettet werden konnte.

Judäa war nach dem Krieg verwüstet, kaum bewohnt und Javne zerstört. Im Norden des Landes sammelten sich jedoch die Schüler von Rabbi Akiba. Viele von ihnen hatten in Babylonien Zuflucht genommen und siedelten sich nach ihrer Rückkehr im galiläischen Ort Uscha an. Dort bildete man einen neuen Sanhedrin und das Patriarchenamt (nasi) wurde mit Rabbi Simeon ben Gamaliel besetzt. In Uscha lehrte die dritte Generation (ca. 135 – 160) der Tannaim, die meist aus Schülern von Rabbi Akiba und Rabbi Ischmael bestanden. Der bedeutendste Lehrer war jedoch Rabbi Meir. Unter ihm wurde die Mischna editiert, wobei er eine Einteilung nach Themen wählte, wie sie Rabbi Akiba anwandte. Diese „Mischna des Meir“ gilt als Grundlage für die Endredaktion der Mischna. In dieser Blütezeit der Mischnabildung (135 – 200) gab es eine Vielzahl von Mischnasammlungen. Die Tannaim dieser Zeit ordneten und diskutierten das ganze gesammelte Textmaterial, bis dann ein Schüler der vierten Generation, Jehuda ha Nasi, der Sohn Simeons, die Endredaktion durchführte.

Diese Redaktion bedeutete Sichtung, Auswahl, Zusammenstellung und Ergänzung des bisher gesammelten Textmaterials, was mündlich geschah. Jehuda ha Nasi (d. h. der Prinz oder Patriarch), der die verschiedenen Mischnasammlungen zu einen einheitlichen Text formte, wird in der jüdischen Literatur einfach „Rabbi“ genannt. Jedoch schuf er dieses Werk nicht alleine, vielmehr erwuchs es aus seinem Lehrbetrieb und als Teamarbeit von Gelehrten unter seiner Leitung. Man konnte aller Wahrscheinlichkeit nach schon vollständig geordnete Traktate verwenden und auf eine Grundlage des Systems der Klassifizierung bauen. Feststellbar ist dies anhand von kleineren Textblöcken, also Textschichten, die nicht dem späteren Ordnungssystem entsprechen. Der gesamte Text erhielt weiterhin eine durchgehende sprachliche Bearbeitung, so dass das Gesamtwerk eine einheitliche Prägung vermittelt. Die Sprache der Mischna unterscheidet sich vom biblischen Hebräisch, man nennt sie „Mischna-Hebräisch“. Sie wurde noch zu Zeiten des zweiten Tempels gesprochen, und zwar in einigen Gegenden Judäas. Das Mischna-Hebräisch besticht durch Klarheit und Deutlichkeit. Es fasst den Text kurz und bündig zusammen und ist sehr gut geeignet auswendig gelernt zu werden. Das Ende der mündlichen Endredaktion wird von der Forschung ziemlich genau auf das Jahr 200 festgelegt. Damals lebte der „Rabbi“ und die Mischnagelehrten in Bet Shearim (180-210). Seine Mischna nennt man allgemein „mischnatenu“, also „unsere Mischna“. Andere Mischnasammlungen werden als „mischnajot“ (Singular mischna) bezeichnet.

Nun begann man mit der geordneten Niederschrift des Textes. Damit stand sie nicht mehr in Konkurrenz zur geschriebenen Tora. Wann nun genau die Mischna schriftlich verfasst wurde, ist strittig. Vielleicht hat schon Rabbi dies durchgeführt. Dagegen spricht jedoch, dass der Rabbi und Gelehrte, die nach ihm lebten, in der Mischna erwähnt werden. Saadia Gaon (882 – 942) ist davon überzeugt, dass die Mischna unter Rabbi aufgeschrieben wurde. Andere Forscher bestätigen durch ihre Quellenstudien die Meinung von Saadia Gaon. Man führt dagegen an, dass die Mischna in seiner Zeit (650 – 1040) noch mündlich gelehrt wurde und eine dritte Meinung legt ihre Niederschrift in die Zeit der Amoräer, also ins frühe 4. Jahrhundert oder an das Ende der Amoräerzeit 200 – 500.

Als Textsammlung will die Mischna Bereiche des profanen Lebens, des Kultes, der religiösen Pflichten, die Beziehungen zur nicht-jüdischen Umwelt und menschliches Zusammenleben regeln. Es gibt sechs Ordnungen, sedarim genannt. Ihnen wird die gesamte Stoffsammlung grob zugeordnet. Die einzelnen seder sind in Traktate unterteilt, die man massechtot nennt. Die inhaltliche Bedeutung eines massechet kann an seiner Länge abgelesen werden. Die Anzahl der Kapitel (perek, Singular perakim) bestimmen die Abfolge der massechtot in einem seder. Einzelne perakim sind in Lehrsätze gegliedert, die auch mischna (Plural mischnajot) genannt werden. Einige Inhalte von Traktate entsprechen jedoch nicht dem Thema der Ordnung, in dem sie eingefügt sind. Es sind die Traktate Berachot (Segenssprüche) in Zeraim (Saaten), Nazir (Gottgeweihte) in Naschim (Frauen), Edujot (rabbinische Zeugnisse) in Nezikin (Schäden) und zuletzt Abot (Sprüche der Väter) ebenfalls in Nezikin.

Die Einteilung, in der heute die Mischna vorliegt, richtet sich nach dem Erstdruck, der 1492 in Neapel erschien. Er gibt den Mischnatext des bedeutenden jüdischen Gelehrten Moses Ben Maimon (Maimonides) (1135 – 1204) wieder und dessen Kommentar. Der Kodex Kaufmann (siehe Titelbild) ist die älteste vollständig erhaltene Handschrift der Mischna, er befindet sich in der ungarischen Nationalbibliothek in Budapest. Die heute verwendete sechsbändige hebräische Ausgabe der Mischna von Albeck, samt Einleitungen und Anmerkungen, umfasst 2220 Seiten. Es gibt eine einbändige deutsche Übersetzung von Correns, die 1024 Seiten umfasst.

Die sechs Ordnungen der Mischna sind:

  1. Seder: Zeraim (Saaten) – Vorschriften für die Landwirtschaft und die Abgaben für die Armen, Priester und Leviten. 11 Traktate, 74 Kapitel, 633 Lehrsätze.
  2. Seder: Moed (Festzeiten) – Vorschriften für Festtage und Sabbat; Tempelsteuer. 12 Traktate, 88 Kapitel, 666 Lehrsätze.
  3. Seder: Nachim (Frauen) – Gesetze bezüglich der Ehe, des Eherechts und der Scheidung. 7 Traktate, 71 Kapitel, 576 Lehrsätze.
  4. Seder: Nezikin (Schäden) – Vorschriften für verschiedene Rechtsbereiche. 10 Traktate, 74 Kapitel, 684 Lehrsätze.
  5. Seder: Kodaschim (hl. Dinge) – Opfergesetze und Tempeldienst. 11 Traktate, 91 Kapitel, 590 Lehrsätze.
  6. Seder: Toharot (Reinheiten) – Vorschriften zur rituellen Reinheit. 12 Traktate, 126 Kapitel, 991 Lehrsätze.

Die Mischna hat demnach 63 Traktate, 524 Kapitel und 4140 Lehrsätze. Sie ist die erste große außerbiblische Textsammlung Israels.

Zu erwähnen ist, dass die Tosefta eine andere Sammlung von Texten ist, die aber nahezu den gleichen Inhalt aufweisen, wie in der Mischna. Tosefta ist ein aramäischer Begriff und bedeutet „Hinzufügung“, was irreführend wirkt, denn sie ist ein selbständiges Werk. Sie umfasst eine Sammlung von Erklärungen und Diskussionen der Tannaim, die teilweise in ihrer vollständigen Form zitiert werden, im Gegensatz zur verkürzten und überarbeiteten Wiedergabe in der Mischna. Die Tosefta besitzt zudem Passagen, die in der Mischna nicht vorhanden sind, weil sie bei deren Endredaktion als nebensächlich ausgesondert wurden.

Jede Schule wird wahrscheinlich ihre eigene Tosefta verwendet haben. Die Redakteure hatten Zugang zu älteren Quellen, als die der Mischna. Außerdem werden Gelehrtenaussagen erwähnt aus der Zeit nach der Endredaktion der Mischna. Gegenüber ihr fehlen in der Tosefta vier Traktate (Abot, Tamid, Middot, Kinnim), ansonsten ist die von Aufbau und Inhalt mit der Mischna eng verbunden. Die Endredaktion der Tosefta fixieren Forscher an einen Schüler des Rabbi im 3. Jahrhundert oder erst in amoräischer Zeit. Auch die Beziehung zur Mischna ist nicht schlüssig geklärt.

Die Tosefta erhielt nie die Bedeutung der Mischna und ist in der Tradition wenig geachtet. Ebenso ergeht es dem Jeruschalmi, dem palästinensischen Talmud. Es gibt nur eine vollständige Handschrift der Tosefta, die in Wien aufbewahrt wird und in Spanien im 13. Jahrhundert entstand. Die erste gedruckte Ausgabe erschien 1521 in Venedig. Sie ist das Werk des spanisch-jüdischen Gelehrten Alfasi (gestorben 1104).

Es gibt noch weitere Überlieferungen, die nicht für die Mischna verwendet wurden. Es sind die baraitot (Singular baraita, außenstehend), die aus Aussprüchen und Lehren der Tannaim bestehen. Einige sind Varianten von Texten, die in der Mischna vorhanden sind, andere sind nicht enthalten. Man erkennt einen baraita daran, dass er durch die Wendung „teno rabbana“ (die Rabbiner haben gelehrt) oder „tanja tena“ (es wurde gelehrt) eingeleitet wird.

siehe auch:
Michael Krupp: Einführung in die Mischna; Frankfurt 2007.
Die Mischna. Übersetzt und herausgegeben von D. Correns; Wiesbaden 2005.

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