Gott wurde Mensch. Ein weihnachtlicher Gedanke.

In Jesus Christus sehen wir, wie er, der Ungeschaffene, in die Welt, das von ihm Geschaffene, hineinreicht. Wir blicken wie auf ein Schilfrohr, wenn es aus dem Wasser hinausreicht und an der Grenzlinie zwischen Luft und Wasser ein Bruch entsteht, der uns das Schilfrohr unter Wasser geknickt erkennen lässt. Oder liegt der Knick über dem Wasser? Ein Dimensionswechsel. Die Immanenz Gottes bleibt uns als Geschöpfe immer ein verborgenes Geheimnis, aber wir erkennen durch unsere wesenseigene Sehnsucht hin zum Sein, zu Gott, als sein Ebenbild etwas vom Wesen Gottes, das durch den Herrn sichtbar wurde. Das Schilfrohr bleibt ein gerades ganzes, auch wenn wir es geknickt sehen oder gar abgeschnitten, weil es im verschmutzten Wasser so erscheint, das durch unsere sündhaft verunreinigten Bemühungen erst so trüb wurde.

Dieser Bruch, so finde ich, wird uns hier von Jesus und im Verhalten des Petrus eindringlich erklärt (Joh 13: 1,3,5-8,12-14 HSK):

„Vor dem Paschafest, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, um hinüberzugehen aus dieser Welt zum Vater, zeigte er den Seinen, die er in dieser Welt liebte, die Liebe bis zur Vollendung … er aber wußte, daß ihm der Vater alles in die Hände gegeben habe und daß er von Gott ausgegangen sei und zu Gott zurückkehre – … Dann goß er Wasser in das Becken und begann, die Füße der Jünger zu waschen und sie zu trocknen mit dem Linnen, mit dem er umgürtet war. So kam er zu Simon Petrus; der aber sagte zu ihm: »Herr, du willst meine Füße waschen?« Jesus antwortete ihm: »Was ich tue, verstehst du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen … Nachdem er nun ihre Füße gewaschen, sein Obergewand genommen und sich wieder niedergelassen hatte, sprach er zu ihnen: »Versteht ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr, und mit Recht sagt ihr so; denn ich bin es. Wenn nun ich eure Füße gewaschen habe, als der Herr und als der Meister, dann sollt auch ihr einander die Füße waschen.“

In dem wir Jesus als unseren göttlichen Herrn und Meister anerkennen, haben wir Gemeinschaft (Beziehung) ihn ihm zu Gott durch Demut. Deshalb, weil er der Demütigste und Gütigste ist, denn er entäußerte sich seiner Gottheit und kam ins Fleisch, um uns zu dienen zur Vollendung der Liebe, sein Wesen. Er nahm eine Erniedrigung auf sich, die ein Geschöpf niemals durchleben könnte, aber durch des Herrn Tat sind wir aufgenommen in seine Gemeinschaft und wir können es nun ebenso tun. Gottes Stärke ist so groß, dass sie in ihrer größten Schwäche am stärksten ist, gerade weil sie die Freiheit der Liebe zeigt. Als Gott in Jesus Mensch wurde, war dies ein Vorgang, den nicht jeder in der Hl. Schrift sofort zu erkennen vermag, obwohl es hier um das innere Wesen Gottes geht, seine Dreifaltigkeit. Aber Jesus spricht zu uns: „Versteht ihr, was ich euch getan habe?“ Und für alle noch Unverständigen zum Trost: „Was ich tue, verstehst du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen“.

Verstehen kann man es, wenn man zu dienen beginnt: Dem Bruder, der nicht versteht. Verstehen kann man es, wenn man demütig wird: seinen Hochmut des Verstandes überwindet, seine selbstgewählte Ausgrenzung zur Gemeinschaft mit dem Herrn in seiner Kirche aufgibt. Es war die Demut des Herrn als Gott Mensch zu werden, die den demütigen, gehorsamen Menschen wieder zu göttlicher Gemeinschaft erhebt. Johannes zeigt dies in der Szene der Fußwaschung, Paulus erklärt es uns im Philipperbrief (2:5-7 HSK), der fast schon wie ein Kommentar dazu wirkt: „Auf das seid bedacht unter euch, was auch an Christus Jesus (ihr seht): Er war in Gottesgestalt, doch nicht zu eigenem Gewinn erachtete er das Gleichsein mit Gott, sondern entsagte seiner selbst, nahm Knechtsgestalt an, wurde Menschen gleich und im Äußern erfunden wie ein Mensch; er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis in den Tod, den Tod am Kreuze.“


Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an? So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, dich zu suchen, und lass sie damit enden, dich gefunden zu haben.
Nach Nelly Sachs, Literaturnobelpreisträgerin

Das Bild Gottes ist in allen Menschen wesentlich und persönlich vorhanden. Jeder besitzt es ganz, vollständig und ungeteilt, und alle zusammen besitzen doch nur ein Bild. Auf diese Weise sind wir alle eins, innig vereint in unserem ewigen Bilde, welches das Bild Gottes und der Quell all unseres Lebens in uns ist.
Jan van Ruysbroek, Prior, Mystiker

S.D.G.

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