Basics: Der Ablass

Das lateinische Wort für Ablass lautet Indulgentia, was soviel wie Nachsicht, Güte, Zärtlichkeit bedeutet. Die Erlösung Jesu Christi findet im Ablass jene Art und Weise, dass sie in und durch die Kirche wirksam wird. Gott erbarmt sich im Ablass unser, damit wir fortschreiten auf dem Weg der Heiligung.

Die katholische Lehre unterscheidet zwischen „Sünde“ und „Sündenstrafe“. Darin liegt das Verständnis des Ablasses, denn während die Sünde sofort vergeben werden kann, bleiben doch die Wirkungen der Sünde, auch nach der Vergebung. Diese Wirkungen bedürfen der Aufarbeitung und diese ist oftmals unangenehm, weshalb hier von „Sündenstrafe“ gesprochen wird. Dabei geht diese Strafe nicht etwa von Gott aus, sondern sie ist eine Folge, die wir uns durch die Sünde selbst zugezogen haben. Diese Folgen können eine Anhänglichkeit, eine schädliche Bindung für den Reiz der Sünde sein. Sie sind durch die Sünde selbst entstanden und sie haftet an uns, auch nach der Vergebung.

Der Ablass soll uns also auf den Weg zur Heiligung nach der empfangenen Vergebung führen. Er hat nichts mit der Vergebung selbst zu tun. Die Heiligung ist unser „Hochzeitskleid“ bei der Vereinigung zum ewigen Leben mit unserem Bräutigam Jesus Christus. Fehlt uns etwas zu dieser Heiligung, so schenkt uns der Herr eine vorübergehende Reinigung nach dem Tode im Fegefeuer. Danach kann die Seele zur Anschauung Gottes im Himmel gelangen.

Die Praxis des Ablasses hat ihren Ursprung in der frühen Kirche. Dort ging man davon aus, dass man nach der Taufe nicht mehr schwer sündigen konnte. Natürlich war dies nicht der Fall und viele sündigten weiterhin. Eine zweite Vergebung nach der Taufe konnte nun nur mehr durch eine öffentliche Buße erlangt werden mit der anschließenden Vergebung im Bußsakrament. Dem Sünder wurde als Zeichen der ernst gemeinten Umkehr eine meist strenge Buße auferlegt. Sie diente der Umkehr. Nach Beendigung des Bußwegs, die von der Gemeinde mitgetragen wurde, nahm man den Sünder wieder feierlich in die Gemeinde auf und er erhielt sowohl die Vergebung Gottes als auch der Gemeinde. Lag etwa die Sünde des Glaubensabfalls auf dem Sünder, so konnte ein „Bekenner“, also ein Christ in der Gemeinde, der dem Glauben treu geblieben war und deshalb Leid zu ertragen hatte, für den schwach gewordenen Christen einen Nachlass oder eine Erleichterung der Buße erbitten. Dadurch konnte der Bußweg gemildert werden, dies verstand man als Ablass.

Heute empfangen wir ebenso in der Beichte zuerst die Vergebung unserer Schuld vor Gott und verrichten anschließend unsere Buße. Diese erinnert uns an die Verantwortung, die Folgen der Sünden aufzuarbeiten, sie wiedergutzumachen. Die Kirche kann uns bei dieser Wiedergutmachung zur Seite stehen, denn durch den Hl. Geist sind wir als Glieder des mystischen Leibs des Herrn alle miteinander verbunden, auch über den Tod hinaus. Wir können einander beim Tragen der Lasten helfen und im Gebet füreinander um das Ziel des ewigen Lebens bitten. Das Haupt der Kirche ist Jesus Christus und er ist es in ihr, den wir in Anspruch nehmen können, damit wir einen Ablass erhalten von unseren Sündenstrafen. Dieser Ablass kann für einen persönlich, für andere, aber auch für Verstorbene gewonnen werden, die noch der Läuterung bedürfen. Sie erhalten damit Hilfe auf ihrem Weg zu vollen Heiligung im Heil hin zu Gott.

Die Kirche kennt einen Teil- und Vollablass. Es werden also ein Teil der Sündenfolgen erlassen oder alle. Die Vollkommenheit der Wirkung dieses Ablasses in uns hängt davon ab, wie vollkommen wir Gott unser Herz öffnen. Je freier wir von einer Neigung zu irgendeiner Sünde sind, auch einer lässlichen, umso vollkommener wird der Ablass sein. Dabei geht es auch um einen Weg und die Prüfung des Gehorsams, also auch der eigenen Demut. Die Kirche legt dazu Regeln zum Empfang eines Ablasses fest. Das können eine Wallfahrt, ein Grabbesuch, ein spezielles Gebet sein. Dazu wird die sakramentale Beichte, der Empfang der heiligen Kommunion, ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters und ein Vaterunser, Ave Maria und Glaubensbekenntnis verlangt. Auch Taten der Umkehr und der Nächstenliebe können gefordert werden, die der ganzen Kirche Segen bringen.

Der Glaube ist ein Geschenk, das wir anderen verdanken. Beispielsweise in einer Wallfahrt können wir die Gemeinschaft der Kirche in ihren Gliedern bekunden. Die Gebete in der Meinung des Heiligen Vaters öffnen unser Herz über persönliche Anliegen hinaus für die Anliegen der Menschheit. Der Ablass wird so zu einer Form des Fürbittgebetes. Indem wir einen Ablass erlangen wollen, gehen wir ganz in der solidarischen Gemeinschaft der Kirche auf. Wir können für uns und Verstorbene die Gnade der Heiligung erbitten. Die Kirche ist die Verwalterin der Gnade des Herrn, so hat er es bestimmt. Und die Kirche ist es, die den Herrn für uns um diese Gnade bittet.

 

der emmauspilger

S.D.G.

Werbeanzeigen

Hier kannst du kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.