Steckbrief: Johannes Duns Scotus

Am 8. November ist der gebotene katholische Gedenktag für Johannes Duns Scotus. Der Schotte wurde 1270 geboren und war Franziskaner. Er studierte in Oxford und kam 1307 nach Köln, wo er ein Jahr später starb. Er kam zu der Erkenntnis, dass Philosophie und Theologie sich mit zwei völlig unterschiedlichen Bereichen beschäftigen. Die Philosophie betrachtet die natürlichen Bereiche, die Theologie die übernatürlichen Bereiche. Mit wissenschaftlichen Methoden kann deshalb in der Theologie nicht gearbeitet werden. Man kann sogar behaupten, dass die Theologie keine Wissenschaft ist. Damit verloren für Johannes die Philosophie und die Theologie ihre Bindung, die im gesamten Mittelalter Bestand hatte.

Duns Scotus postuliert, dass das Ziel der Natur das Individuelle ist und nicht das Allgemeine. Die Natur besteht aus Einzeldingen und dies kann ebenso auf den Menschen übertragen werden. Damit begründet er die Lehre des Individuums, in der der einzelne Mensch im Mittelpunkt steht. Diese Lehre bestimmt von nun an die europäische Geistesgeschichte und das Menschenbild.

Für Johannes steht der Wille über der Vernunft, denn er kann frei aus dem Erkenntnismaterial der Vernunft auswählen. Damit widerspricht er den Scholastikern des Mittelalters, welche die Vernunft über den Willen stellten. Nach Duns Scotus hat die Vernunft dem Willen zu dienen. Dadurch entsteht der faustische Mensch der Neuzeit, der an die Herrschaft des Willens glaubt.

Aber Duns Scotus kommt auf diesen Gedanken, weil er eine tiefere Innigkeit der Liebe zu Gott mehr in der Liebe zu ihm, als im Glauben zu ihm erkennt. Zu lieben bedeutet für Duns Scotus lieben zu wollen und nicht zu erkennen, um lieben zu können. Damit steht der Wille über der Vernunft, weil dieser das höchste Ziel der Liebe besser zu verwirklichen weiß. Wahrheit wird somit zu dem, was der Sache momentan entspricht. Somit bleibt das Weltbild in Bewegung, die Wahrheit wird aber damit subjektiv und deshalb relativ.

Dennoch ringt Duns Scotus darum, rationale Argumente für sicheres Wissen zu finden. Er entdeckt sie auf der Ebene der Vernunft und wendet sich gegen die Skeptiker, weil es Dinge gibt, die unmittelbar einsichtig (evident) sind. So formuliert er:

  • Die Vernunft kann erste Prinzipien bestimmen. Von diesen können gültige Syllogismen ausgehen, so dass man Wahrheit erhält.
  • Gemäß der Erfahrung besteht Sicherheit über eine Vielzahl kausaler Urteile.
  • Es gibt unmittelbar gültige Einsichten als Grundlage des Handelns.
  • Es gibt sichere Aussagen über gegenwärtige Wahrnehmung.
  • Innere Akte sind aufgrund ihrer Unmittelbarkeit und Gegenwärtigkeit durch intuitive Erkenntnis per se evident.

Johannes Dun Scotus war der erste Theologe, der die unbefleckte Empfängnis Mariens formulierte. Diese wurde 1854 zum Dogma erhoben.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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