Protestanten und die Beichte

Die Beichte war bei den Reformatoren umstritten, weil es für sie zwar einen Auftrag Christi gab, aber keine Materie. Denn als Sakrament erkannten sie nur an, was im Neuen Testament auf Befehl Jesu zu wiederholen ist und ein materielles Zeichen und ein deutendes Wort vorhanden. So kann nach diesem Verständnis allein Taufe und Eucharistie Sakrament sein, denn nur hier spricht Jesus: „Tut dies“. Dennoch galt die Beichte in der ersten Zeit der Reformation bei machen lutherischen Theologen, z. B. Melanchthon, als Sakrament und blieb es bis in das 18. Jahrhundert, wo es vor dem Empfang des Abendmahls vorgeschrieben war. Während der „Aufklärung“ verlor sich die Beichte im Protestantismus völlig. Außer in einigen kleinen Gruppen, gibt es sie nicht mehr. Das Sakrament wurde vergessen, aber nicht abgeschafft.

Im Protestantismus besteht die grundsätzliche Schwierigkeit in der Frage: Wozu soll man eigentlich beichten? Denn schon das Gebet „im stillen Kämmerlein“ und die Teilnahme an der Feier des Abendmahls oder das allgemeine Schuldbekenntnis mit allgemeiner Lossprechung hat bereits sündentilgende Wirkung. Zudem wird die Unterscheidung zwischen leichter und schwerer Sünde im Protestantismus zurückgewiesen. Nach Luther führt nämlich eine noch so kleine Sünde ohne rettenden Glauben zu einer Verurteilung durch Gott. Deshalb sind die Praxis einer Gewissenserforschung und ein differenzierter Umgang mit der Sünde nicht nötig. Denn jede Sünde addiert sich nur zur bereits bestehenden allgemeinen Sündhaftigkeit und der Schuldverstrickung, aus der nur der Glaube an die Barmherzigkeit Gottes rettet. So erscheint die Beichte tatsächlich als unnötig, zumal psychologische Argumente, man könne Vergebung besser glauben, wenn man sie vom Pfarrer höre, nur schwer zu vermitteln sind. Dasselbe gilt für das Argument, man müsse die Vergebung zugesprochen bekommen, um der Gefahr zu entgehen, sich einfach nur selbst zu vergeben.

Der Pietismus im Protestantismus schätzt dennoch die Beichte. Sie geschieht meist nicht vor einem Pfarrer, sondern vor frei gewählten Mitchristen. Den evangelischen Beicht-Konzeptionen ist nämlich gemein, dass sie keine Schlüsselgewalt nach Joh 20:23 beanspruchen. Somit wird die Vergebung Jesu durch den Zuspruch des Priesters nicht Wirklichkeit, sondern nur verkündet. Eine besondere priesterliche Vollmacht ist darum nicht notwendig.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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