Im leiden für Andere ist Rettung

Als unser Herr Jesus Christus seinen Leidensweg bis ans Kreuz begann, gab er dem Leid in seiner Menschlichkeit durch seine Göttlichkeit einen ultimativen Sinn: die Erlösung, die Rettung des Menschen. Im Kreuzestod des Herrn wird auch dem Menschen ein Sinn in dessen Leid geschenkt. Alles, was der Mensch durchleiden kann, hat auch der Herr durchlitten und damit mit Sinn erfüllt.

Diese Sinngebung des Leids konnte aber nur durch den Herrn geschehen, weil er uns zuerst geliebt hat und weil er seinen Vater im Hl. Geist liebt, weil er Gott ist. Die Liebe des Herrn zu uns ließ ihn leiden, damit wir erlöst werden, die Liebe zum Vater ließ ihn gehorsam sein. Dieser Gehorsam war kein sklavischer Gehorsam, es ist ein hören, ein hinhören auf den Willen des Vaters, so wie auch der Mensch darauf hört, was ein geliebter anderer Mensch ihm sagt.

Aus Liebe gehorsam sein, aus Liebe zu Jesus Christus leiden, das können auch wir Menschen.

Der Hl. Paulus erwähnt dies in Kol 1:24: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“ Paulus freut sich über das Leid, das er erträgt, damit er damit, wie der Herr, Menschen retten kann, in dem er sie in den Leib Christi, seine Kirche führt. Wie hoch hinauf und durch das Leid gleichzeitig tief hinab sich diese Liebe zum Herrn Jesus Christus aufschwingen kann, zeigt uns ebenso die hl. Therese von Lisieux, wenn sie spricht: „Meine Freude ist es, ohne Unterlass zu kämpfen, um Auserwählten zum Leben zu verhelfen. Das von Zärtlichkeit brennende Herz will Jesus oft wiederholen: Mein göttlicher kleiner Bruder, Ich bin glücklich, für Dich zu leiden. Meine einzige Freude auf dieser Erde ist, Dir Freude machen zu können“ (aus: Gedicht „Meine Freude“).

In der Nachfolge des Herrn wird alles Leid, aus Liebe demütig und geduldig im Gehorsam getragen, zu einem sinnvollen Leiden. Jesus Christus litt und starb für alle Menschen. Dieses Leid mit Sinn ist wie ein Gebet, das Menschen bekehren kann und für Gott gewinnen. So ist etwa die Feindesliebe ein besonders wirkmächtiges Gebet für unsere Feinde. Indem wir die göttliche Liebe dorthin tragen, wo sie nicht ist, kann sie dort gefunden werden. Und diese Liebe ist oftmals mit Leid verbunden, wenn man auf Ablehnung oder gar Hass stößt. Joseph Ratzinger, Papst em. Benedikt XVI., drückt dies folgendermaßen aus: „Die Verkündigung des Evangeliums wird immer im Zeichen des Kreuzes stehen … Das Kreuz ist und bleibt das Zeichen ‚des Menschensohns‘. Wahrheit und Liebe haben letztlich im Kampf gegen die Lüge und die Gewalt keine andere Waffe als das Zeugnis des Leidens“ (in: Jesus von Nazareth, Bd. II, S. 65)

Auch das Leid, das man trägt, wenn ein geliebter Mensch sich Gott nicht öffnen kann, wird zu einem Gebet, das die Macht hat zu erretten. Vielleicht ist diese göttliche Liebe im Leid der Geduld einmal kurz vor dem letzten Atemzug eines gottfernen Menschen jene, die dessen Willen zu Gott hin öffnet. Verschenken Christen diese göttliche Liebe an einen Menschen, der sie von Gott nicht persönlich annehmen will, so kann sie doch in der erwiderten Liebe dieses Menschen zu dem in Liebe leidenden Christen gefunden werden. Deshalb sind wir als Nachfolger Christi aufgerufen unser Kreuz des Leids zwar nicht zu suchen, aber zu tragen, damit es durch die Liebe einen Sinn erhält und damit retten kann. Es ist das Leid für andere aus Liebe zum Herrn, das zur göttlichen Liebe im Nächsten werden kann. Dort, wo sie vorher nicht war, kann sie nun gefunden werden.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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