Bernhard von Clairvaux: Die 12 Sterne der Jungfrau

Zum Sonntag in der Oktav von Marias Aufnahme in den Himmel hat der hl. Bernhard eine Ansprache verfasst (7), die heute ebenso zur Meditation über die hl. Maria anregen kann. Er nannte sie „Gekrönt mit 12 Sternen“ und sieht darin 12 Gnaden Gottes für Maria:

„Auf ihrem Haupt trägt sie eine Krone mit zwölf Sternen“ (Offb 12:1). Wahrhaftig, ihr Haupt ist wert, mit Sternen gekrönt zu sein. Es leuchtet ja weit heller als die Sterne und könnte eher sie schmücken als umgekehrt. Warum sollten nicht Sterne sie krönen, die von der Sonne umkleidet ist? Wie Rosenblüten in den Frühlingstagen, wie die Lilien an den Wasserbächen, so zieren sie die Sterne. Die Linke des Bräutigams ruht unter ihrem Haupt, und seine Rechte umfasst sie. Wer könnte jene Edelsteine schätzen, wer die Sterne nennen, aus denen Marias Königsdiadem gefügt ist? Es geht über Menschenkraft, den Sinn dieser Krone zu deuten und ihr Gefüge zu erklären. Ich bin mir bewusst, wie klein ich bin, und hüte mich davor, die verborgenen Geheimnisse Gottes ergründen zu wollen; dennoch glaube ich sagen zu können, dass diese zwölf Sterne für die zwölf Gnaden stehen, die Maria vorbehalten sind. Denn Maria besitzt Vorzüge des Himmels, Vorzüge des Leibes und Vorzüge des Herzens. Und wenn man diese Dreizahl mit vier multipliziert, so erhalten wir vielleicht jene zwölf Sterne, durch die das Diadem unserer Königin alle Sterne überstrahlt.

Ich sehe ein einzigartiges Glühen und Leuchten:

  1. in der Geburt Marias;
  2. im Gruß des Engels;
  3. in der Überschattung durch den Heiligen Geist;
  4. in der unaussprechlichen Empfängnis des Sohnes Gottes.

Ebenso leuchtet es wie Sternenpracht aus Folgendem:

  1. Maria trägt das Banner der Jungfräulichkeit;
  2. sie vereinigt Mutterschaft und Jungfräulichkeit;
  3. sie ist schwanger ohne Beschwernis;
  4. ohne Schmerzen schenkt sie dem Kind das Leben.

Außerdem strahlt aus Maria in ganz besonderem Glanz:

  1. zarte Scham;
  2. gottergebene Demut;
  3. hochherziger Glaube;
  4. das Martyrium des Herzens.

Ich überlasse es eurem Eifer, diese Sterne einzeln genauer zu betrachten, und begnüge mich mit dieser kurzen Erklärung.“

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