Den Sabbat richtig halten

Gott hatte seine Schöpfung zuvor auf den Menschen und für den Menschen vorbereitet. Erst am letzten Schöpfungstag schuf er den Menschen, damit er von Anbeginn an Luft zum atmen, Nahrung und Licht erhält, alles was er zum Leben braucht. Es war alles sehr gut und Gott konnte nun ruhen. Gott entsandte den Menschen ebenfalls in diese Ruhe, denn alles, was er nötig hatte, wurde ihm gegeben, war schon vorhanden. Der Sabbat sollte den Israeliten ein Zeichen sein: Gott ist ihr Versorger.

Ausdrücklich wies Gott die Israeliten bei ihrer Wüstenwanderung darauf hin, dass er ihnen das göttliche Brot, das Manna, das Leben auch am 7. Tag, dem Sabbat geben wird. In Ex 16:29 lesen wir: „Seht doch, daß der Herr euch den Sabbat gegeben hat; darum gibt er euch am sechsten Tag Brot für zwei Tage! Bleibe also ein jeder daheim, niemand verlasse am siebten Tag seine Wohnstätte!“ Doch die Menschen wollen nicht daran glauben, damals wie heute ziehen sie aus, um doch selbst zu sammeln, zu arbeiten für ihr geistiges und leibliches Brot, auch am Sonntag.

Aber Gott schenkte den Israeliten noch ein weiteres eindeutiges Zeichen, dass er ihr Versorger ist: das Sabbatjahr. So spricht Gott in Lev 25:21-22: „Ich werde meinen Segen im sechsten Jahr ausbieten, so daß es den Ertrag für drei Jahre abwirft. Sät ihr dann im achten Jahre, werdet ihr noch von dem alten Ertrag zu essen haben; bis ins neunte Jahr, bis dessen Ernte kommt, werdet ihr noch vom alten essen können“. Alle Nationen im Umkreis der Israeliten arbeiteten Tag für Tag ohne Sabbat, Jahr für Jahr ohne Sabbatjahr und dennoch erblühte Gottes Volk weitaus mehr, weil er ihnen seinen Segen schenkte.

Den Israeliten gebot Gott den Sabbat zu halten als Zeichen für seinen Segen und seine Liebe. Er hat bereits alles geschaffen und gegeben, was der Mensch nötig hat. Dieses Gebot im AT ist eine Vorschattung dessen, was uns Gott später konkret durch seinen Sohn gibt: ewiges Leben durch unsere Errettung. Paulus nimmt dieses Symbol des Sabbats auf, indem er darauf hinweist, dass wir durch unsere Wiedergeburt im Hl. Geist in das Land der Ruhe eingetreten sind, denn nicht durch unsere Werke sind wir versorgt, nicht durch unsere Werke sind wir gerettet, sondern allein durch die Gnade in Jesus Christus. Paulus schreibt (Hebr 4:9-11): „So steht also noch eine Sabbatruhe aus für das Volk Gottes. Denn wer eingegangen ist in seine »Ruhe«, der ruht auch selber aus von seinen Werken wie Gott von den seinen. Laßt uns also mit Eifer danach streben, »einzugehen in diese Ruhe«, damit keiner zu Fall komme in der gleichen Weise des Ungehorsams“. Paulus bezieht sich hier auf den Ungehorsam des Volkes Israel, wie ihn Gott in Psalm 95:10-11 beklagt: „Vierzig Jahre war mir dies Geschlecht zum Abscheu; so sprach ich denn: Sie sind ein Volk verirrten Herzens, verständnislos für meine Wege. Da habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen meine Ruhestatt nicht erreichen!“

In Christus müssen wir nun nicht mehr verirrten Herzens sein, verständnislos für Gottes Wege, denn der Hl. Geist wohnt in uns, damit wir jene Ruhestatt erreichen. Folgen wir also nicht mehr dem Schatten des AT, sondern jener Person, die diesen Schatten wirft: Jesus Christus. So lesen wir in Kol 2:16-17: „So sei denn niemand Richter über euch in Fragen von Speise und Trank oder bezüglich der Feier von Festen, Neumonden und Sabbaten. Dies sind ja nur Schatten dessen, was kommt; die wahre Gestalt aber ist Christi“. Hier stellt Paulus klar heraus, was der Sabbat tatsächlich bedeutet: Nicht Gesetz, Gebot, sondern Schatten, Zeichen für den, der das Gesetz erfüllt, uns eigentlich Ruhe verschafft: Jesus Christus. Wir Christen gehen in die Ruhe Gottes ein, wenn wir von den Werken des Gesetzes ablassen, um uns selbst erretten zu wollen, und uns ganz in die Hände des Herrn begeben, an ihn glauben, sich von ihm versorgen lassen, das in Anspruch nehmen, was Gott schon längst aus Liebe für uns vorbereitet hat.

Doch bedeutet dies nun, dass wir den Sabbat, den Sonntag nicht mehr zu halten brauchen und überhaupt keine Werke mehr vollbringen? Keineswegs. Der Sonntag soll uns weiterhin daran erinnern, dass Gott alles ist und er mit uns eine Beziehung will, so bestimmt und treu, dass er dafür sogar seinen einzigen Sohn für unsere Errettung gab. Und dass wir Hoffnung haben können: denn der Herr ist auferstanden. Dies ist der Sinn des Sabbats, es ist Gottes Wille, dass wir uns Zeit füreinander nehmen, Gott und Ich, meine Nächsten und Ich. Die Sehnsucht füreinander, in einer von Liebe getragenen Beziehung, wird uns die Einhaltung des Sabbats leicht machen. Dies rettet uns nicht, das hat der Herr schon längst für uns mit seinem kostbaren Blut erreicht, aber es macht uns glücklich, stark und weise für das Leben und zufrieden. In dieser Liebe, in diesem Vertrauen in Gott, in diesem Glauben an den Herrn und seiner grenzenlosen Liebe sind wir eins mit Jesus Christus, mit dem Willen des Vaters und somit sind die guten Werke nicht Ursache unserer Erlösung, sondern Ausdruck der Liebe Gottes und unserer Liebe.

So lesen wir in Eph 2:10: „Denn sein Geschöpf sind wir, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, wie sie Gott vorausbestimmt hat, daß wir in ihnen wandeln“. Wir müssen uns als Kinder Gottes, die wir in Jesus Christus sind, also nicht einmal um Möglichkeiten für gute Werke kümmern, Gott hat sie schon längst für uns vorbereitet. Dies ist unsere Ruhe, unsere Freiheit: dass wir unseren Willen offen halten für die Liebe, dass alles für uns schon zum besten vorbereitet ist, dass wir uns versorgt wissen und errettet im Glauben an den Herrn.

Dem Herrn dafür zu danken und zu loben, gibt uns seine Kirche die Möglichkeit mit Gott und unseren Geschwistern im Glauben Gemeinschaft zu haben: im sonntäglichen Gottesdienst, im sonntäglichen heiligen Spiel der Liturgie. Hören wir dabei auf Romano Guardini:

„Liturgie üben heißt, getragen von der Gnade, geführt von der Kirche, zu einem lebendigen Kunstwerk werden vor Gott, mit keinem andern Zweck, als eben vor Gott zu sein und zu leben; heißt, das Wort des Herrn erfüllen und werden wie die Kinder; einmal verzichten auf das Erwachsensein, das überall zweckhaft handeln will, und sich entschließen, zu spielen, so wie David tat, als er vor der Bundeslade tanzt…
Auch darin besteht also die Aufgabe der Erziehung zur Liturgie, dass die Seele lerne, nicht überall Zwecke zu sehen, nicht allzu zweckbewusst, allzu klug und erwachsen sein zu wollen, sondern sich dazu verstehe, einfachhin zu leben. Sie muss die Rastlosigkeit der zweckgetriebenen Tätigkeit wenigstens im Gebet aufgeben lernen; muss lernen, für Gott Zeit zu „verschwenden“, Worte und Gedanken und Gebärden für das heilige Spiel zu haben, ohne immer gleich zu fragen: Wozu und warum?“ (aus: „Geist der Liturgie“ 66 f.)

 

der emmauspilger

S.D.G.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s