Generation Sitzenbleiber

Die Generation der Millenials, auch Generation Y genannt, kennt sie gar nicht mehr – die Sitzprämien für Gehalts- und Lohnzulagen, die man sich erwarb, wenn man lange bei einem Betrieb arbeitete. Die Sitzprämie wird nun vom Sitzungswesen abgelöst. Allerdings darf man es heutzutage nicht mehr Sitzung nennen, man nennt es nun Meeting oder gar Workshop. Und die vorgeschützte Dauerwichtigkeit wird dadurch zum Ausdruck gebracht, dass man nur mehr Arbeitsfrühstücke, Arbeitsessen anberaumt, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, man esse, ohne produktiv zu sein.

Der Kern der Sache ist überall gleich: Man trifft sich, um darüber zu sprechen, was den Laden voranbringen kann. Auf jeden Fall ist es aber die Gelegenheit wieder einmal auf sich aufmerksam zu machen, um die Karriereleiter emporzusteigen. Und bei einem Meeting sitzen auch jene, die auf dieser Leiter nicht mehr weiter klettern können oder wollen, aber dennoch vor ihren Chefs am Profil arbeiten. Schließlich kann man eine Leiter auch wieder runtergehen.

Um das Profil auf Hochglanz zu polieren, gibt es mittlerweile ausgefeilte Strategien, die von Selbstoptimierungs-Coaches und Chefstrategen angeboten werden. Wichtig ist stets ein sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. In solchen Workshops erfährt man dann, dass man Fragen stellen soll, ohne die Antwort zu kennen. Allerdings scheint mir das ja der Sinn von Fragen zu sein. Eine weitere Strategie lautet: „Ermahnen Sie die Teilnehmer, sich auf das Wesentliche zu beziehen“. Somit wird wenigstens das Meeting verkürzt, weil man schneller auf den Punkt kommt. Ein besonderer Tipp ist allerdings die Sache mit Power-Point. Tortendiagramme und bunte, sich bewegende Balken zeigen zeichnerische Kompetenz und man scheint das Thema durchdrungen zu haben. Dieser Eindruck gelingt auch bei vollkommener Ahnungslosigkeit, zumal die anderen ebenso ahnungslos sind.

Was will uns aber nun die Studie des Marktforschungsinstituts Harris sagen, die ergeben hat, dass Beschäftigte pro Woche 4,5 Stunden in Meetings verbringen? „Unproduktive Kräfte können in dieser Zeit abschalten und den Kopf einziehen“, wie die Studie weiter vermerkt. Meetings als vergeudete Arbeitszeit? Kein Unternehmen darf so etwas dulden. Hier ergibt sich wieder ein weites Feld für die Chefstrategen, die sich in einem Meeting zusammensetzen, um heraus zu finden, wie man Meetings produktiver gestaltet. Auch bei diesem Meeting gilt natürlich: Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Ein Tortendiagramm wird es schon richten. Also, liebe Millenials, bleibt doch auch ihr einfach mal sitzen!

 

der emmauspilger

S.D.G.

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