Thomas von Aquin. Über Recht und Staat

Der vorangegangene Beitrag behandelte die Lehren von Thomas von Aquin über Erkenntnis, Anthropologie, Ethik, Moral und Kunst. Der Dominikanermönch, der von 1224 bis 1274 lebte, machte sich ebenso Gedanken über das Recht und den Staat.

Thomas stellt die Frage: Was ist die Grundlage des Rechts?

Er kommt dabei zu der Überzeugung, dass es das Naturrecht ist. Dieses kommt von der Natur des Menschen. Der Mensch hat Sehnsucht nach Leben, Selbsterhaltung, Selbstentfaltung. Er strebt nach Partnerschaft, Familie, Wissen, Wahrheit und wahrer Information. Er hat ein Recht auf Bildung, Gemeinschaft und Gesellschaft.

Er fährt nun in seinen Fragestellungen fort: Wie müssen dann die menschlichen und staatlichen Gesetze beschaffen sein?

Er setzt folgende Maßstäbe von Gesetzen voraus:

  1. Sie müssen sich an das Naturrecht und damit der menschlichen Natur orientieren und dürfen ihr nicht widersprechen.
  2. Sie müssen das Gemeinwohl fördern und keine besonderen Rechte für Mehr- oder Minderheiten ausweisen.
  3. Sie müssen Gerechtigkeit schaffen und erhalten.
  4. Sie müssen sich an der Moral orientieren.
  5. Sie müssen dem Raum und der Zeit angepasst sein.

Dabei ist jedes Recht mit Pflichten verbunden. Die Pflicht eines jeden ist, die Rechte des anderen zu schützen, sie einzuhalten und zu respektieren.

Exkurs: Die moderne Gesetzgebung

Sie stellt meist das Naturrecht in Frage. An seine Stelle tritt der Wille des Menschen, eine Übereinkunft über Rechte. Dabei verschwinden die festen Maßstäbe für das Gesetz. So wird der Mensch durch einen Mehrheitsbeschluss definiert. Nur alle Natur unter ihn wird geschützt, jedoch er selbst bestimmt allein, wer er ist. So werden die Rechte auf Leben, Partnerschaft und Familie aufgegeben. Allerdings bleibt das Naturrecht immer bestehen, man kann es nicht ungestraft aufheben, ohne es wird die Gesellschaft instabil. Thomas setzt die Natur als bleibenden Maßstab dagegen und auch Immanuel Kant spricht es aus: Das menschliche Gesetz darf nie gegen die Moral aufgestellt werden.

Nun stellt sich Thomas von Aquin die Fragen: Was sind die Grundlagen eines Staates? Wie entsteht ein Staat?

Er erkennt, dass die Schaffung des Staates auf das soziale, gesellschaftliche Wesen des Menschen zurückgeht. Die Gemeinschaft beginnt bei der Familie und führt über die Sippe zum Staat, der umfassendsten Form gesellschaftlichen Lebens. Er erkennt weiter, dass ein Staat dabei eine staatliche Ordnung benötigt, die von einer zentralen Autorität aufgestellt und garantiert wird.

Welche Grundlage hat nun diese staatliche Ordnung?

Es sind die Gesetze, die durch die Beauftragten des Volkes erstellt werden sollen. Das Ziel eines Staates muss sein das Gemeinwohl zu fördern. Dazu dürfen alle Bürger mit ihren Möglichkeiten und Begabungen beitragen.

Thomas stellt ebenso Überlegungen an, wie denn die Autorität eines Staates beschaffen sein muss. Dabei stellt er fest, dass die Autorität des Staates von Gott kommt, weshalb sie niemals willkürlich vorgehen darf. Sie muss das Gesetz beachten und ist Gott verantwortlich. Eine solche Autorität kann und muss der Mensch annehmen. Der Staat muss seine Macht im Sinne Gottes gebrauchen. Damit erhält die an sich gute Macht eine rechte Funktion und Aufgabe, die vom Bürger anerkannt werden muss.

Thomas stellt sich auch die Frage, welche Aufgaben ein Staat eigentlich hat. Er führt dabei 5 Aufgaben an:

  1. Der Staat hat als moralische Autorität die Aufgabe seine Bürger zu einem gerechten und tugendhaften Leben anzuleiten. Eine Voraussetzung ist, dass die Bürger ein gerechtes und tugendhaftes Leben führen.
  2. Der Staat hat Gesetze zu erlassen, sie einzuhalten und ihnen treu zu sein.
  3. Der Staat muss die Menschen schützen.
  4. Der Staat muss Frieden und Wohlstand schaffen.
  5. Der Staat hat eine überirdische Aufgabe, da er die religiöse Bildung seiner Bürger fördern muss. In der Religion liegt eine Kraft, die der Gemeinschaft zu Gute kommt. Sie ist keine Privatangelegenheit.

Die beste Staatsform ist für Thomas die Monarchie, allerdings erscheint ihm eine Vermischung mit anderen Staatsformen als optimal. Die Monarchie fördert am besten die öffentliche Ordnung und die Einheit des Staates. Zudem ist sie der göttlichen Ordnung am ähnlichsten. Die Tyrannis bezeichnet er als schlechteste Staatsform, stellt sich aber entschieden gegen die Tötung eines Tyrannen.

Auch über das Verhältnis Kirche und Staat macht sich Thomas bereits Gedanken. Er postuliert, dass die Kirche ein überirdisches Ziel hat und damit über dem Staat steht. Allerdings nur dort, wo der Staat mit sittlichen, moralischen und religiösen Fragen der übernatürlichen Gebote zu tun hat. Die Kirche darf sich nicht bei machtpolitischen Fragen des Staates einmischen. Staat und Kirche sind miteinander für den Aufbau einer Gesellschaft verantwortlich.

In fortschrittlicher Weise formuliert Thomas bereits im Mittelalter Grundsätze des Völkerrechts, also den Beziehungen zwischen den Völkern. Der Staat hat als Aufgabe Grundrechte für ein friedliches Zusammenleben der Völker einzuhalten. Diese sind:

  1. Gesandte sind unverletzlich
  2. Verträge sind einzuhalten
  3. Frauen und Kinder sind im Krieg zu schonen

der emmauspilger

S.D.G.

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