Steckbrief: Albertus Magnus

Albert der Große, wie man ihn auch nennt, lebte um 1207 bis 1280 und war ein deutscher Gelehrter und Bischof. Er bereitete als Scholastiker, als Kirchenlehrer, den Weg für den christlichen Aristotelismus im hohen Mittelalter vor. Albert trat in den Dominikanerorden ein und ihm wurde schon zu Lebzeiten der Ehrentitel „Doctor Universalis“ verliehen, weil er in allen damals vertretenen wissenschaftlichen und theologischen Künsten hoch gebildet war. Sein Gedenktag wird am 25.11. gefeiert.

Seine Lehre betont die Unterscheidung von Philosophie und Theologie. Die Philosophie ist die natürliche Erkenntnis durch die Vernunft, die Theologie eine göttliche Offenbarung, die auf eine übernatürliche Erkenntnis baut und ebenso der Vernunft bedarf. Dabei muss die natürliche Erkenntnis als eigenständig betrachtet werden, die eigene Methoden verwendet. Damit bereitet Albert den Weg für die modernen Wissenschaften, indem er die Philosophie nicht mehr als Dienerin der Theologie bezeichnet. Allerdings sieht er keinen Widerspruch zwischen Theologie und Philosophie, denn beide haben ihren Ursprung in Gott und ergänzen sich.

Hinsichtlich der Gottesfrage erkennt Albert, dass sie gerade mit der Vernunft, der Philosophie beantwortet werden kann. Er postuliert:

  1. Die Ordnung der Welt bezeugt die Weisheit Gottes
  2. Die Erhaltung der Welt bezeugt das Wirken Gottes
  3. Die Vollkommenheit der Welt bezeugt die Güte Gottes
  4. Die Größe der Welt bezeugt die Macht Gottes

Albert beschäftigt sich ebenso mit der Schöpfung. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass sie nicht aus Gott hervorgegangen sein kann, wie die sogenannte Emanationslehre behauptet. Dieses Nein zu dieser Lehre begründet er folgendermaßen:

  1. Gott ist absolut, die Welt nur relativ
  2. Gott ist ewig, unendlich, die Welt endlich und zeitlich
  3. Gott ist einer, die Welt besitzt eine Vielheit der Dinge

Es war also ein bewusster Schöpfungsakt Gottes notwendig, damit die Andersartigkeit der Welt erklärbar wird. Somit ist die Welt und der Kosmos nicht unmittelbar göttlich, aber eine Schöpfung Gottes.

Albert nimmt in seiner Lehre ebenso den Leib des Menschen wieder ernst. Der Leib ist für ihn nicht ein Gefängnis der Seele, wie für einige griechische Philosophen. Im Menschen gehen der Leib, die Seele und der Geist eine vollkommene Einheit ein. Der Leib kann vom Geist geführt werden. Gerade in der Seele sieht Albert eine individuelle Größe mit eigenständiger Grundlage, Substanz. Das bedeutet, dass die Geistseele nicht Teil einer Weltseele ist. Diese Lehre wurde nämlich vom arabischen Gelehrten Averroёs vertreten und ist gerade in fernöstlichen Weisheitslehren stark vertreten. Für Albert ist der Mensch Person und damit eigenständig, selbstbewusst, ein Ich und ein Subjekt. Dies kann nur mit einer ebenso eigenständigen Seele möglich sein. So taucht diese Seele nach dem Tod nicht etwa wie ein Tropfen in einen Ozean ein und verschmilzt mit ihm, denn die Freiheit des Menschen lässt keine Entpersönlichung zu, sie bleibt nach dem Tod eigenständig in Gott in und durch Jesus Christus. Dies bedeutet, dass es für Albertus Magnus kein funktionales Menschenbild geben kann, wie es gerade in der Moderne vermehrt auftritt, sondern nur ein personales.

Der große Philosoph stellte sich ebenso die Frage: Welche Grundlagen hat die Moral? Dabei kam er zum Ergebnis, dass sie sich aufbaut

  1. auf ein natürliches Sittengesetz (das Gewissen), welches im Herzen wohnt und den Menschen lenkt.
  2. auf die Vernunft, die Erkenntnis von Gut und Böse, die ebenso auf Erfahrungen zurückgreift. Es ist die Vernunft, welche die Grundwerte der Moral aufdeckt, nach denen man tugendhaft leben kann.
  3. In religiöser Hinsicht bedeutet Moral sich ganz auf Gott auszurichten. Etwa in den 10 Geboten und der Hl. Schrift kann man den Willen Gottes erkennen, in ihm leben und im Gebet die Fragen zur Moral stellen.

Albert postuliert, dass, wer in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes lebt, sich eines guten Gewissens erfreut. Viele Menschen wollen jedoch selbst festlegen, was gut und böse ist.

Albert lebte in dieser Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, hatte eine spirituelle Beziehung zu Gott. Deshalb war er auch ein großer Mystiker, eine seltene Fügung bei einem Philosophen. Er denkt nicht nur über Gott nach, sondern ist in seiner Seele auch vertraut mit ihm. Dadurch übt er einen großen Einfluss auf nachfolgende Mystiker aus, auf Meister Eckehart, Johannes Tauler, Nikolaus von Kues (Nicolaus Cusanus) oder Heinrich Seuse.

Es gibt keinen Philosophen, der den Titel „der Große“, erhielt, außer Albert. Der Titel „Doctor Universalis“ gebührt ihm zudem aufgrund seiner naturwissenschaftlichen Forschungen. Albert legt eine Pflanzensammlung an, sucht nach Arzneimittel, beobachtet das Verhalten von Schlangen und Marder und seziert sie, forscht an Nachtigallen, Falken und Eisvögel. Ihn interessieren Fische, etwa Lachse, und Quallen, er schreibt über Wale, wobei er ein am Strand gefundenes Exemplar untersucht, besonders dessen Auge. Auch Insekten wecken sein Interesse, so ist er der erste Entdecker der Bienensprache. Für Edelsteine entwirft und begründet er eine eigene Morphologie (Gestaltenkunde). Albert war zudem Pionier bei der Erforschung der Körpersprache des Menschen, er begründet die Physiognomie, die Deutung der äußeren Erscheinung des Menschen. Und dies alles lehrte er gerne, gut sowie mit Humor seinen Schülern und ist fast nebenbei Bischof und ein aktiver Seelsorger.

der emmauspilger

S.D.G.

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