Die Liebe als Kindheit

„Wie Mann und Frau so wächst auch das Kind vom Andern her mit sich zusammen, wandert es durch das elterliche Du in die Landschaft seines Daseins hinein. Es achtet sich, weil es geachtet wird; es nimmt sich an, weil es angenommen ist; es baut sein Leben auf, weil es aufgebaut wird; es gewinnt Ortschaft in der Welt, weil der Ort ihm im Raum des Wohnens, der Wiege und des Hauses vorweg bereitet ist; es beginnt sich leibhaftig zu begreifen, weil es immer schon getragen, „ausgetragen“, von den leiblichen Sinnen der mütterlichen Liebe ergriffen und begriffen, umhegt, umsorgt worden ist. (…) Seine Zukunft erschließt sich ihm aus der Herzmitte des Du-Wir von Vater und Mutter. Es kommt zur Sprache, weil es angesprochen wird. Die Eltern öffnen ihm die Welt, die sich dem Kind nur insoweit auftut, als sie ihm durch die Gegenwart der Freiheit des Du aufgetan ist. Im Licht des Du beginnt die Welt zu reden. Das Wort des Andern entdeckt dem Kind die Worthaftigkeit der Welt. Weil es geliebt wird, vermag es zu lieben.“

„Das spielende Kind enthüllt die Wahrheit, dass sich das Sein nicht im Verursachen erschöpft, dass es primär nicht das Hervorbringen einer Wirkung, eines Werkens anzielt, sondern ein sich selbst genügender (=freier!) Reichtum ist.“

 

Ferdinand Ulrich: „Der Mensch als Anfang: Zur philosophischen Anthropologie der Kindheit“, S. 69f./137.

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