Update: Die Lage in Aleppo

Nur wenige Menschen sind in der eingekesselten Stadt geblieben, es sind meist jene, die nicht fliehen konnten und jene, die ihnen helfen und dienen. Darunter sind auch die Franziskaner unter Bischof Georges Abou Khazan, Pfarrer Ibrahim al Sabagh, Pater Firas Lutfi und noch einige andere Brüder. Sie leben seit Juni 2016 eigentlich in einer bereits toten Stadt. Diese lässt nur die Liebe noch lebendig bleiben. Weite Teile der einst blühenden Großstadt liegen in Trümmern.  90 % der ausharrenden Familien leben unterhalb der Armutsgrenze, 80 % sind ohne Arbeit. Es fehlt an Wasser und aufgrund der hohen Preise können sich die Menschen nicht mehr ausreichend gut ernähren.

Dabei besitzt Aleppo ein reiches Grundwasservorkommen. Doch der Krieg lässt die Bevölkerung an Durst leiden, weil Rohre und Brunnen zerstört sind. Viele Kinder und Erwachsene müssen kaum genießbares und verunreinigtes Oberflächenwasser trinken, einige sterben daran oder leiden unter Folgeerkrankungen. Die wenigen Brunnen an den Klöstern und Kirchen wurden sofort für die Bevölkerung den ganzen Tag über zur Verfügung gestellt, allerdings können die Pumpen aufgrund mangelnder Elektrizität nicht laufen. So muss man teures Benzin am Schwarzmarkt erwerben, um den Menschen zu trinken geben zu können. Die Franziskaner haben vier Zentren zur Wasserverteilung eröffnet, eines in der Pfarrei St. Franziskus und jeweils eines in den beiden Filialkirchen und ein weiteres bei der syrisch-katholischen Pfarrgemeinde.

Die Familien dieser Pfarreien haben kaum eine Möglichkeit Wasser zu speichern. In der eigentlich mit Wasser gesegneten Stadt war dies auch nicht notwendig. Die Franziskaner verteilen nun Metalltanks an die Familien in Not, bis Ende Mai 2016 waren es 660 Stück mit einem Fassungsvermögen von 500 bis 1000 Litern. 1000 weitere Familien warten jedoch noch auf solche Tanks.

Die Kinder haben es besonders schwer in der zerstörten Stadt. Eine ganze Generation wächst heran, die seelische Schäden davon trägt. Viele Kinder zögerten zu den Abschlussprüfungen der Schulen zu gehen, weil sie und ihre Eltern Bombardierungen fürchten. Nach den Prüfungen sind die Kinder wieder gleichsam Gefangene in ihren Häusern und Wohnungen. Ohne Parks, Gärten, jegliches Grün und einen sicheren Ort, sehen die Eltern sich gezwungen ihre Kinder quasi einzusperren, damit ihnen draußen nichts zustößt.

Die Franziskaner wirken dem entgegen, indem sie eine kirchliche Ferienfreizeit anbieten. Die Kinder werden in Räumlichkeiten der Pfarrei empfangen. Trotz der vielen Bombenangriffe im Jahr 2015 nahmen an dieser Ferienfreizeit 200 Kinder im Alter zwischen 5 und 16 Jahren teil. Sie dauert die Rekordlänge von 3 Monaten und 5 Tagen. Bis Juni 2016 haben sich zur diesjährigen Ferienfreizeit bereits 350 Kinder angemeldet und trotz des Geld- und Raummangels soll kein einziges Kind zurückgewiesen werden.

Die Eltern sind überrascht, wie viel neues ihre Kinder lernen und welche Freude sie wieder empfinden können. Das Programm der Familienfreizeit sieht „Momente mit Jesus“ vor, Katechismus, Spiel, Theater, Gesang und Bastelstunden. Neben diesen geistigen Hilfen wird aber auch der Leib gefördert. Immer steht zwischen den Aktivitäten der gedeckte Tisch mit warmen Essen bereit, eine Wohltat für die schlecht ernährten Kinder, die weder Fleisch noch Milch und Käse von ihren Eltern erhalten, weil diese es sich nicht leisten können.

Aleppo hat sich seit der Kriegszeit in ein großes Altenheim verwandelt, denn diese Menschen können die Stadt nicht verlassen. Sie leben allein in ihren Wohnungen, ihre Kinder samt den Familien mussten fliehen. Es gibt keinen Ort, wo diese Menschen Hilfe erlangen können. Die Franziskaner richteten in der Schule Terra-Santa-College ein Altenheim für 20 Personen ein, deren bisherige Unterkunft von Dschihadisten zerstört wurde. Die Schwestern der hl. Mutter Teresa von Kalkutta betreuen etwa 50 pflegebedürftige Menschen in einem viel zu kleinem Haus. Diese Pflegebedürftigen haben keinerlei Versicherung und verfügen nur über geringe oder gar keine Pensionen. Für Medizinkosten können sie daher nicht selbst aufkommen. Die Franziskaner übernehmen diese und Arztkosten, ebenso Kosten von Operationen in den wenigen noch verbliebenen unzerstörten Krankenhäusern.

Pater Ibrahim al Sabagh OFM schreibt: „Als ich vor zwei Jahren nach Aleppo gerufen wurde, konnte ich nichts einwenden, denn die Liebe trieb mich an. Ich hatte keine Erfahrung in all den Bereichen der Nothilfe, aber die Liebe lehrte mich, denn die Liebe ist kreativ. Ich hatte Angst zu helfen, ohne vorher abgesichert zu sein, aber Liebe gibt Mut zu geben, auch wenn die Taschen leer sind und Mut, auf die Vorsehung zu vertrauen. Wir versuchen weiter, die Feinde zu lieben, die uns mit Raketen beschießen. Wir versuchen weiter zu beten, auch für sie zu beten. Wir Brüder haben versprochen, unser Leben dem zu geben, der sein Leben für uns gab.“

Wer die Arbeit von P. Ibrahim al Sabagh OFM, Pfarrer in St. Franziskus in Aleppo, finanziell unterstützen will, hier das Spendenkonto:

IBAN DE24 4726 0307 0055 050 400 BIC: GENODEM1BKC

(Spendenbescheinigung für das Finanzamt bei vollständiger Adressenangabe möglich)

 

Beten wir zu Jesus ein Gebet des Friedens:

Herr Jesus Christus, du willst, dass die Menschen miteinander in Frieden leben. Wir bitten dich besonders für den Nahen Osten mit Syrien und dem Irak. Zeige den Politikern, wie sie zum Frieden beitragen können. Lass nicht zu, dass wir in Hass und Feindschaft leben. Hilf uns vielmehr, Frieden zu stiften, wo Zwietracht herrscht. Der du Frieden gestiftet hast am Kreuz durch dein Blut. Amen.

Vater unser … Gegrüßet seist Du Maria …

Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!

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