Zum Tag der sozialen Medien: Was die Selbstsexualisierung von jungen Mädchen lehrt

Heute wächst eine Generation auf, in deren Lebenswelt soziale Medien eine große Rolle spielen. Online- und Offline-Realitäten werden oft nicht mehr unterschieden, die Inszenierung des Ich auf Facebook & Co soll mit der Wahrnehmung des Ich durch die Freunde identisch sein. Viele der Selbstdarstellungen wirken dabei wie ein Hilfeschrei nach emotionalen Halt und Beachtung. Gerade für Mädchen wird das Smartphone zur Nabelschnur hin zu ihrer Kuschelgruppe in der Schule. Ihre Selfies wollen durch Kussmund, groß geschminkte Kulleraugen und Dekolleté innerhalb ihrer Clique um Anerkennung und Beachtung werben. Dieses süß-sexy-Image lehnt sich dabei an das nur wenige Klicks entfernte Porno-Angebot des Webs an. Es wird zum Symptom einer Verwahrlosungstendenz, die sich in Ganztagesschulen und emotional belasteten Familienverhältnissen entwickeln, sie spiegeln familiäre Bindungserfahrungen wider.

Allerdings gleiten viele Schulmädchen nicht gleich ins Extreme ab, ihre Selbstunsicherheit wird in symbiotischen Mädchenfreundschaften oder sexualisierte Ich-Entwürfe kompensiert. Besonders junge Mädchen scheinen überall in der Welt mit ihrem Smartphone verwachsen zu sein. So lange sie wach sind, basteln sie an ihrem Social-Media-Auftritt und halten Kontakt zu ihrer Clique oder inszenieren ihre Mädchenfreundschaften. Alles was zählt, ist hübsch auszusehen und beliebt zu sein, eben dazu zu gehören. Dabei weben sie auch an einem Image des verkannten Stars. Pubertät trifft auf moderne Medien, aber erklärt dies alles?

Es gilt nicht in das Klagelied einer verdorbenen Jugend einzustimmen. Es gilt tiefer zu schürfen in Mädchenseelen, die sich in einer sexualisierten Gesellschaft nur durch Sexualisierung behaupten meinen zu können. So begann es damit, dass Mädchen, Frauen sind nun mal emotionaler gepolt als Männer, ihre Freundschaftsverhältnisse im Netz öffentlich zur Schau stellen. Sie werden mit großen Gefühlen ausgeschmückt, die ein erfülltes Gefühlsleben vermitteln sollen. Hier stehen oftmals überzogene Love-Opera’s im Fernsehen Pate. Es folgte eine Welle kitschiger Emotionalisierung von Mädchenfreundschaften, verstärkt durch Werbefachleute, bis es zum regelrechten Kult der „allerbesten Freundin“ kam.

Dabei kann man durchaus die Mädchenseele als Opfer betrachten. Als Opfer gesellschaftlicher Prozesse, die Erwachsene anstießen und vorlebten. Die Selbstdarstellung von Mädchen findet darin ihren Widerhall, in den täglich neuen Selfies und Liebesschwüren zwischen Freundinnen, die das soziale Ranking festlegen. Die Likes und Kommentare zu den Selfies werden zum Gradmesser der Beliebtheit, gerade bei den jüngeren Mädchen. Und von diesen Likes zehrt das Ich der Mädchenseele, emotionale Überschwänglichkeit soll die Angst überspielen an den Rand einer Gruppe zu geraten. Einem 13-jährigen Mädchen das Smartphone wegzunehmen, würde bedeuten ihren permanenten Kontakt zu ihren Freundinnen zu unterbinden und damit ihr die Rückversicherung dazu zu gehören zu entziehen und ihre emotionale Basis.

Doch die sozialen Medien sind nur die Bühnen der Ich-Entwürfe von Teenagern. Sexualisierte Schönheitsideale und der Zwang ständig Kontakt haben zu müssen haben nichts mit Smartphones oder der Pubertät zu tun. Teenager sozialisieren sich heute immer mehr unter Gleichaltrigen und bilden dort ihr Wertefundament aus, weil intakte Beziehungen innerhalb der Familie weggebrochen sind. Wo Teenager einst in der Familie Halt gewannen, werden sie nun in Ganztageseinrichtungen wegorganisiert, vielleicht weil sie der Selbstverwirklichung ihrer Eltern im Wege stehen oder schlichtweg finanzielle Gründe dazu drängen.

Soziale Medien tragen heute dazu bei, dass eine gesamte Altersgruppe ihre Selbstbilder, ihre Stimmungen und Gefühle, ihre sozialen Strukturen im Schulalltag öffentlich präsentieren. Dies kann auch als Chance gesehen werden, Fehlentwicklungen zu erkennen und ihnen entgegen zu wirken. Es sollten bei Jugendforschern die Alarmglocken schrillen, wenn in Online-Gästebüchern von allerbesten Freundinnen massenhaft Verlustängste und Liebesbeschwörungen auftauchen. Dies sind nicht nur Zeichen eines modernen Lebens in Freundschaften, sondern ebenso Ausdruck konkret erfahrener mangelnder emotionaler Zuwendung und Bestätigung.

Die Selbstsexualisierung von jungen Mädchen widerspiegelt den „way of life“ einer Gesellschaft, in denen Minderjährigen der Gebrauch von Verhütungsmitteln nahegelegt und das Beenden von intimen Beziehungen als wichtige Erfahrung auf dem Weg zum Erwachsenwerden deklariert wird. Sexualität und Liebe, Beziehung wird entkoppelt und damit ihrer Kräfte beraubt. Erfahren Jugendliche diese Kräfte nicht mehr in der Familie, werden ihnen dort keine Werte mehr vermittelt, die zu einem starken inneren Standpunkt führen, dann haben sie der sexuell aufgeladenen Dauerberieselung durch die Medien nichts entgegenzusetzen. Die Sexualisierung darf nicht als Symptom einer durch die Medien verstärkt öffentlich sichtbaren Pubertät betrachtet werden!

Die Eltern dieser Teenager blicken ihrerseits oftmals auf ein ge- und zerbrochenes Beziehungsleben zurück. Sie wissen meist darum, dass ihre eigene moralische Glaubwürdigkeit schwach ist und meinen deshalb ihren Kindern keine Werte vermitteln zu können. Deshalb lassen sie ihren Kindern die sogenannten eigenen Erfahrungen machen. In dieser Erziehungsverweigerung werden sie durch die moderne Sexualpädagogik bestätigt, die sich bereits ganz auf Spaß und Verhütung fixiert hat. Faktoren in Familie und Schule sowie die fesselnde Digitalisierung ganzer Lebensbereiche verhindern so einen gesunden Reifungsprozess von Teenagern. Was bleibt ist eine Scheinselbständigkeit.

Natürlich erkennen viele Eltern die Fehlentwicklungen ihrer Töchter, sind besorgt über deren narzisstische, exzessive Netzpräsenz. Das Netz und die sozialen Medien sind oft nicht das eigentliche Problem, es liegt meist tiefer und dort, wo man am wenigsten etwas verändern will: bei sich selbst und seiner Einstellung zu Beziehung, Liebe und Sexualität. Ein weises Wort von Karl Valentin besagt: „Man kann seine Kinder nicht erziehen, sie machen sowieso alles nach“. Die Teenager werden heute zu dem, was wir sind, nur dass sie dazu noch soziale Medien zur Verfügung haben. Wo sie keine Werte vermittelt bekommen, nehmen sie sich jene, die sie vorfinden. Es gibt aber keine bessere Wertevermittlung als innerhalb der Familie, sie ist die soziale Urzelle des Menschen.

 

siehe auch: Martin Voigt „Mädchen im Netz“

3 Kommentare zu “Zum Tag der sozialen Medien: Was die Selbstsexualisierung von jungen Mädchen lehrt

  1. Ohne jetzt „oberlehrerhaft“ sein zu wollen, aber es ist wichtig hier richtig „Im Anfang war das Wort“ zu lesen. Damit ist Gott außerhalb des Anfangs, der den Beginn seiner Schöpfung in Raum und Zeit markiert. So bleibt Menschenwort schöpferisches Wort im Guten, wie im Bösen in der Schöpfung, nur möglich auf Gott hin und auch nur dann im Guten fruchtbar, aber Gottes Wort das letzte Wort in allem.

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  2. „AM ANFANG WAR DAS WORT!“ …. diese Aussage finde ich sehr ermutigend…. denn daraus folgt, dass auch unsre Worte eine gewisse schöpferische Kraft besitzen… 🙂 und wir Christen wissen ja, dass ein einzelner Mensch die Welt verändern kann. Es bringt wohl nichts, wenn wir darauf warten, dass die Welt sich ändert: unser Aufgabe ist es Leben in die Welt zu sprechen.

    Und das macht sogar Spaß, vorallem wenn man sieht, dass es viele Früchte trägt 😉

    Gruß,
    Mark

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