Amoris laetitia – zum letzten Mal

Viel wurde über das Schreiben von Papst Franziskus geschrieben, es wurde interpretiert, verworfen und für die eigenen Ziele in Anspruch genommen. Nun ist es um AL ruhiger geworden und die Bischofskonferenzen werden versuchen, das Ihrige in den Vordergrund zu stellen. Mir sind folgende Punkte wichtig:

  1. Amoris laetitia ist kein lehramtliches Eingreifen

Gerade hinsichtlich des Zugangs zur Kommunion für zivilrechtlich „wiederverheiratet“ Geschiedene (besser: Gescheiterte) hat Papst Franziskus keine verbindlichen Kriterien aufgestellt, wie es etwa Kardinal Kasper forderte. Im Gegenteil: In AL 3 lesen wir: „Nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen [müssen] durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden“.

  1. Die Fruchtbarkeit der Liebe und ein Evangelium der Familie stehen im Mittelpunkt

Amoris laetitia soll auf die heutige Krise der Familie eingehen (Zitat von Papst Franziskus aus der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Lesbos). Es richtet sich besonders an junge Menschen, die nicht mehr heiraten wollen, stellt fest, dass keine Kinder mehr geboren werden und dass dort, wo Kinder sind, diese oftmals ohne Eltern aufwachsen müssen. Die Familie wird nicht mehr als frohe Botschaft wahrgenommen. Papst Franziskus versucht in AL 35 darauf eine Antwort zu geben. Dabei schreibt er über die Liebe, Erziehung und Bildung. Ausdrücklich wird die Lehre von Humanae vitae bestätigt (AL 80, AL 222).

  1. Bestätigung der „Theologie des Leibes“ vom hl. Papst Johannes Paul II.

In AL 150-164 befasst sich Papst Franziskus ausführlich mit der „Theologie des Leibes“ und der Ablehnung von Gender. Dabei werden der Geschlechterunterschied, die unauflösliche und treue Verbindung von Mann und Frau sowie die daraus wirkende Offenheit für Kinder in der Fruchtbarkeit der Liebe thematisiert. Somit wird klar, dass die Frage der „wiederverheiratet“ Geschiedenen überhaupt nicht im Mittelpunkt des post-synodalen Schreibens steht. Papst Franziskus will klar darstellen, dass die Familie kein Problem ist, sondern „in erster Linie eine Chance“ (AL 7). Familie und Kirche können sich gegenseitig bereichern. Die Familie ist die kleine Hauskirche, die Kirche selbst eine „Familie aus Familien“ (AL 87).

  1. Umkehr durch eine „Pädagogik der Liebe“ (AL 211)

Papst Franziskus schreibt mit großen Respekt über diejenigen, die in nicht ehelichen Verbindungen leben. Er stellt sich an ihre Seite und will „gemeinsam mit ihnen um die Gnade der Umkehr“ bitten (AL 78). Zum anderen erklärt er, dass es für Ehe und Familie objektiv keine Alternative geben kann: „Keine widerrufliche oder der Weitergabe des Lebens verschlossene Vereinigung sichert uns die Zukunft der Gesellschaft“ (AL 52). Die Jugend muss deshalb so früh wie möglich an die Ehe herangeführt werden. Dazu trägt „die Erziehung des Gefühlslebens und der Triebe“ bei (AL 148). Die Keuschheit ist eine Tugend, die „als wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe“ gilt (AL 206).

  1. Und doch noch „wiederverheiratete“ Geschiedene

Hätte Papst Franziskus mit seinem Herz eines Hirten eine bestehende Praxis ändern wollen, so wären seine Ausführungen dahingehend klar und deutlich, wie es sich für eine segensreiche Pastoral gehört. Der Papst muss auch keine Angst vor klaren Äußerungen haben, gibt es doch bereits zwei ganz eindeutige Schreiben seiner Vorgänger, die eine Verpflichtung zur Trennung von „wiederverheirateten“ Geschiedenen unter bestimmten Voraussetzungen, etwa zum Wohl der Kinder, ausnehmen. Sie könnten sogar die Kommunion empfangen, wenn sie so zusammen leben, als wären sie nicht verheiratet, also in Enthaltsamkeit (Johannes Paul II., Familiaris consortio 84; Benedikt XVI., Sacramentum caritatis 29). Papst Franziskus prägt dabei den Begriff „Pastoral des Bandes“ (AL 211).

  1. Papst Franziskus ändert die Lehre der Kirche nicht mittels einer Fußnote

In AL 305 spricht Papst Franziskus eine Gradualität an, die einen Menschen in einen objektiven Zustand der Sünde belässt, die jedoch subjektiv nicht erkannt und höchstens teilweise schuldhaft ist. Dabei kann durch Hilfe der Kirche ein Leben wachsen in der Gnade und Liebe. In der Fußnote 351 wird hinzugefügt: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein“ (Kommunion und Beichte). Eine Fußnote soll also eine auf Jesus und dem hl. Paulus zurückgehende Lehre und in der Kirche verwurzelte Praxis ändern? Natürlich nein. Papst Franziskus schreibt gerade, dass „die Barmherzigkeit die Gerechtigkeit und Wahrheit nicht ausschließt“ (AL 311).  Gerade hinsichtlich dieser Gradualität will Papst Franziskus in seinem Schreiben eben nicht Stellung nehmen (AL 3), denn es ist ja bereits alles klar in Familiaris consortio (84) und Sacramentum carititatis (29) dargelegt. Wollte man diese Praxis ändern, so müsste dies mindestens in einer gleichwertigen Verlautbarung, einem Apostolischen Schreiben, geschehen. Dem ist aber nicht so, die bestehenden Regelungen bleiben somit in Kraft. Allerdings spricht Papst Franziskus in Amoris laetitia neue konkrete Möglichkeiten an für „wiederverheiratet“ Geschiedene: Die Kirche wird und soll sie willkommen heißen, auf ihren Weg begleiten und sie mit ihren Problemen und Sorgen integrieren.

 

Aus meiner Sicht stellt sich AL weder gegen die Lehre der Kirche und die Hl. Schrift noch will der Papst eine neue Regelung einführen. Ganz auf seine Vorgänger im Petrusamt bauend, weist er lediglich auf eventuell erstarrte und unversöhnliche Haltungen der Kirche gegenüber Christen hin, welche das Sakrament der Ehe empfingen und gescheitert sind. Hier soll die Liebe einen Raum der Stärkung und Ermutigung geben, welcher die Wahrheit nicht ausschließt. Zudem steht diese pastorale Zuwendung nicht im Mittelpunkt des Schreibens, das die Beschlüsse der Bischofskonferenz zusammenfasst.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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