Lasst uns Vertrauen kaufen!

Das Kaufverhalten der Konsumenten sowie die Motivation der Produzenten werden gesteuert, das ist bekannt. Nun gibt es eine weitere Abteilung der öffentlichen Manipulation, die man Reputationsmanagement nennt. Einst mussten Schuster und Schreiner mit sorgfältiger Qualität und Beratung einen guten Ruf erwerben, heute jedoch kennt der Markt keine schlechten Produkte mehr, sondern nur schlechte Kommunikation.

Es gilt nun eine Story, wie etwa die Abgasaffäre von VW, nur richtig zu verkaufen. Die Affäre wird als „Reputationskrise“ aufgefasst und gemanagt. Gerade das Internet steht dazu als ausgezeichnetes Terrain zur Verfügung. Dort tobt ein unentwegter Kampf um den unbefleckten Ruf von VW. Professionelle Optimierer verdrängen negative Firmenberichte von den ersten Seiten der Suchmaschinen, bezahlte Lobhudler streuen dafür ihre Fake-Beiträge. Bekanntlich wird diese Methode der Manipulation von Meinungsbildung bereits von Regierungen angewandt. Inner- und außerhalb des Internets wird so Vertrauen zu einem knappen Gut, Information jedoch inflationär behandelt und somit wertlos.

Viele Menschen erkennen diese Entwicklung. So leidet auch die Politik darunter, etablierten Parteien schwinden die Mitglieder, die Bürger fühlen sich in den Parlamenten nicht mehr vertreten. Zudem wird das Leben der Menschen immer sinnleerer, langweiliger, weshalb man sich extreme Positionen aneignet, „damit endlich etwas passiert“. Parteien und Präsidentschaftskandidaten bemühen darum inzwischen auch private Reputationsmanager zur Rettung ihrer Glaubwürdigkeit.

Aus Wahlprogrammen und Reden wird so ein buntes Meinungssammelsurium, von dem sich möglichst viele Extreme und Gutmenschen angesprochen fühlen sollen. Alles wird gut, Hauptsache es wird anders, eine Umsetzung von Positionen wird nicht mehr verlangt, es genügt sie auszusprechen. Ist dann, wie etwa im Fall BREXIT, das Unheil angerichtet, ziehen die Populisten weiter, immer ihre Reputationsmanager im Gepäck, die andere schuldig sprechen und notfalls die Opferkarte zücken, um den Ruf zu wahren.

Dieses Spiel gelingt nur dort, wo man alles als käuflich betrachtet: Liebe, Menschenwürde und schließlich auch Vertrauen. Und wir auf Konsum reduzierten Menschen fördern diesen Umstand. Dabei ist aber Vertrauen nicht käuflich, es wird geschenkt. Oder auch nicht.

 

der emmauspilger

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