Steckbrief: Der hl. Bonaventura

Der Heilige wurde 1217 geboren und absolvierte ein Studium an der Sorbonne in Paris. Er trat dem Franziskanerorden bei und wurde Theologieprofessor in Paris. Später wählte man ihn zum General seines Ordens und er erlangte die Kardinalswürde. Er nahm am 2. Konzil von Lyon teil, starb aber gleich zu Anfang im Jahr 1274.

In seiner Einschätzung der Philosophie betrachtet Bonaventura die menschliche Erkenntnis wegen des Sündenfalls als unzulänglich, weshalb der Mensch niemals die letzten Wahrheiten erfassen kann. Seine kritische Haltung zur Philosophie begründet er auch damit, dass sie oft zu Hochmut führt. Die Philosophie kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie sich der Theologie unterordnet und alle Aussagen von Gott her betrachtet. Die letzten Wahrheiten können nur von Gott kommen, womit die Philosophie zur Dienerin der Theologie wird. Ohne diese Unterordnung wird sie sonst zur Ideologie.

Der hl. Bonaventura versuchte die Erkenntnisfrage zu beantworten. Er nennt zwei Bereiche:

  1. Die irdische Welt. In ihr zählt die sinnliche Erfahrung mit der Vernunft.
  2. Die geistige Welt. In ihr kann die Erleuchtung durch Gott die Erkenntnis über das Absolute und Ewige erlangen.

Der Heilige schrieb ein bekanntes Werk über den Aufstieg der Seele zu Gott. Joseph Ratzinger beschäftigte sich intensiv damit und schrieb darüber seine Habilitationsarbeit. Der hl. Bonaventura erkennt, dass die seelischen Kräfte den Menschen zu Gott emporsteigen lassen, bis Gott übernimmt. Er spricht von 6 Stufen der Haltung und des Aufstiegs der Seele zu Gott.

  1. Die sinnliche Wahrnehmung der Welt erkennt deren Ordnung und Schönheit. Diese weisen auf Gott hin.
  2. Die innere Betrachtung der Welt führt zu einer höheren Erkenntnis der Ordnung und Schönheit. Man erkennt die Gesetzmäßigkeiten durch Gott.
  3. Die Existenz der Schöpfung wird durch die Vernunft erkannt. Die rationale Ordnung in der Welt weist auf Gott hin.
  4. Der Mensch erkennt Gott im Innern der Seele.
  5. Gott ist das absolute Sein, dies wird durch die Vernunft erkannt.
  6. Gott ist das vollkommen Gute.

Ab dieser 6. Stufe muss die Seele die sinnliche Welt und sich selbst überschreiten sowie ihr Streben hin zu Gott einstellen. Sie lässt das eigene Tun hinter sich und bleibt ihrer Frömmigkeit, Gelassenheit und Liebe treu. Sie verharrt im Wartezustand, in der Dunkelheit der eigenen Erkenntnis. Dann wird Gott selbst übernehmen, er erfasst das ganze Sein des Menschen, gibt ihm das Fehlende und führt ihn und seine Seele in das göttliche Licht. Dort gelangt die Seele zur Ekstase, zur mystischen Vereinigung mit dem Leben Gottes. Diese Ekstase ist kein intellektueller, sondern ein spiritueller Zustand. Sie ist Zentrum der christlichen Mystik.

Für Bonaventura hat der Mensch einen Leib und eine Seele. Beide sind grundlegend verschieden, bilden aber eine Einheit. Die Seele ist von Gott erschaffen, hat eine eigene Substanz, ist unzerstörbar, stirbt nicht, löst sich vom toten Körper und ist dazu bestimmt in die ewige Seeligkeit einzukehren, um von Gott wieder mit ihrem Körper vereint zu werden.

Bonaventura sieht die Freiheit des Menschen darin, dass er die Möglichkeit zu wählen besitzt. Der Maßstab für diese Wahl ist nicht das Ich, sondern das Gewissen. Dieses leitet, erleuchtet. Das Gewissen enthält einen göttlichen Funken, der zum Guten führt und vor dem Bösen warnt. So gelangt der Mensch zu einer gelungenen Freiheit ohne Willkür. Die Reife eines Menschen kann daran erkannt werden, wie er mit seiner Freiheit umgeht. Die Freiheit des Menschen ist die Voraussetzung für den Erwerb von Verdiensten für die Ewigkeit. Nur mit ihr hat der Mensch Verantwortung und Schuld und kann Verdienste erlangen, indem er das Gute wählt.

 

der emmauspilger

S.D.G.

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