Spurensuche: Das Heiligtum von Johannes dem Täufer in der Wüste

Ain Karem (oder En Kerem) liegt ungefähr acht Kilometer von der Altstadt Jerusalems entfernt. Hierher kommen viele Pilgergruppen, die den Geburtsort von Johannes des Täufers im Dorf und das Heiligtum des Besuchs Mariens bei Elisabeth etwas südlich an einem Berghang besichtigen wollen. Ein weitaus weniger von Pilgern frequentiertes Heiligtum ist „St. Johannes in der Wüste“, arabisch „Ain al Chabis“, übersetzt „die Quelle des Einsiedlers“. Dieser Ort liegt von Ain Karem aus zunächst Richtung Moschav Even Sapir. Dort, am Ende der Hauptstraße, findet man ein Hinweisschild „Franciscan Monastery“.

Dieses Kloster schmiegt sich spektakulär an einem Hang über dem Fluss Sorek. Die beiden Seiten des Tales lassen noch die antiken landwirtschaftlichen Terrassen erkennen. Diese gehen dort, wo keine Bewässerung mehr möglich ist, in Wald über. Im Kloster selbst hört man gleich am Eingang das leise Plätschern eines Brunnens. So mag der Ort eher an eine Oase, als an eine Wüstenei erinnern, in der Johannes der Täufer aufgewachsen ist. Das Lukasevangelium beschreibt folgendes (Lk 3:2): „Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geiste. Und es war in der Wüste bis zum Tag, als er vor Israel auftrat“. Die Nähe zum Geburtsort des Johannes, die Abgeschiedenheit, eine Quelle und eine Grotte waren jedoch ausschlaggebend, dass seit Ende des 15. Jahrhunderts hier diese Johannes-Tradition auftritt.

Später berichten immer wieder Besucher übereinstimmend von einer Quelle, einer Höhle und einer Kreuzfahrerkirche. So auch Titus Tobler 1846, der zudem vom hier gewonnenen vortrefflichen Wein schwärmt. Kurz darauf erwarb das Lateinische Patriarchat das Gelände und 1911 die Kustodie vom Hl. Land der Franziskaner. Das Kloster wurde 1922 vom italienischen Architekten Barluzzi geplant, ebenso eine kleine Kirche, die besucht werden kann. Bis 1990 wohnten hier maronitische Patres, an die noch einige Ausstattungsgegenstände im Innern der Kirche erinnern. Eine Grotte kann über die geschwungene Steintreppe vom Kloster und der davorliegenden Quelle aus erreicht werden. Neben der Grotte befindet sich ein kleines Bassin mit Quellwasser. Es wird von orthodoxen Christen gerne als Tauchbad zur Tauferneuerung verwendet. In der Grotte weisen ein Altar und Ikonen auf die Kindheit des Johannes an diesem Ort hin.

Ein Fußweg oberhalb des Klosters führt durch einen kleinen Wald zu einem weiteren Heiligtum. Es ist das sogenannte „Grab der Elisabeth“, das seit der Kreuzfahrerzeit als Grab der Elisabeth, der Gattin des Zacharias, verehrt wird. Dicke Mauern recken sich zu einer Art Turm empor, in dessen Innern eine kleine, schön gepflegte Kapelle verborgen ist. Im Kloster nebenan wirkten bis 2014 die lutherischen Schwestern der „Communautè de Grandchamp“ aus der Schweiz. Der Platz selbst atmet eine intime Stille, die an vielbesuchten Stätten im Hl. Land eher selten sind.

Auf der anderen Talseite des Sorek erblickt man die 4000 Jahre alten Terrassen, die typisch für diese Gegend sind. Quellen, Kanäle und Wasserbecken ermöglichten hier Landwirtschaft und Weinbau. Anstelle des bis 1948 existierenden Dorfes Sataf befindet sich heute ein israelischer Nationalpark. Er will den Besuchern diese Form der Bodenbewirtschaftung erklären. Eine Wanderung über die Terrassen hinab zu den zwei Quellen im Tal, erinnern an das „Lied vom Weinberg“ bei Jesaja (Is 5:1): „Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus“.

Quellen: Tobler Titus: Denkblätter aus Jerusalem, 1846. Küchler: Jerusalem, Band IV, 2.

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