Die christliche und muslimische Maria

Im Koran wird die Mutter des Propheten Jesus als vollkommenste Frau dargestellt, die je lebte. Diese hohe Achtung vor Maria verbindet in Palästina und dem Libanon Christen und Muslime. Man erfährt im Koran sogar weitaus mehr von Maria, als in der Hl. Schrift. Nur Maria wird im Koran mit ihrem Namen genannt, alle anderen Frauen werden nur als Mutter, Schwester oder Gattin erwähnt. Jesus (Aissa) gilt im Koran nur als Prophet und nicht als Messias.

Zwei ganze Suren im Koran (3 und 19) sind Maria gewidmet. Dort erfährt man von ihrer Geburt, den ersten Lebensjahren und dann von der Verkündigung durch den Engel Gabriel sowie der jungfräulichen Geburt ihres Sohnes. Man erkennt dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Hl. Schrift, doch Maria ist zweifelsohne jene Gestalt, in der sich Islam und Christentum begegnen können. Sie beweist, dass Gott oder Allah in jeden Menschen wirkt und er das göttliche Geheimnis erspüren kann.

In den Heiligtümern, bei denen Maria im Hl. Land verehrt wird, sind Muslime und Christen in ihrem Glauben vereint. In der Milchgrotte in Betlehem bitten sowohl verhüllte Frauen als auch Christinnen um Kindersegen um Fürbitte bei Maria. In der Geburtskirche trifft man gleichwohl häufig Gruppen muslimischer Schüler an. Muslimische Reisegruppen aus der arabischen Halbinsel besuchen meist die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zum Gebet, sie kommen aber ebenso an den Ort der Geburt des Propheten Aissa. Dort hört man oft ihr Gebet: „Ya hadra, ya Mariam“ (Maria, bitte für uns). Muslime wissen meist wenig vom Christentum und einige sind sogar überrascht, dass es in der Geburtskirche des Propheten Aissa in Betlehem einen christlichen Kult gibt.

Muslimische Familien geben ihren Töchtern gerne den Namen Mariam, Maria, aber auch „Batul“, was „Jungfrau“ bedeutet. Für sie gilt Maria als Vorbild im Glauben und Helferin im Leid. Manche muslimische Familien besitzen sogar eine diskrete Ecke mit einer kleinen Figur oder dem Bild der heiligen Jungfrau. Schon längst hat hier der interreligiöse Dialog in der gemeinsamen Pflege von Werten und Tugenden begonnen, jenseits aller theologischen Gedanken.

Eine besondere Stellung hat Maria im Libanon. Dort ist sie eine große Hilfe bei der politischen Versöhnung des Landes. Es sind die marianischen Heiligtümer in Bechouate im Bekaa-Tal und in Harissa, wo die Gesellschaft ihrer Zerrissenheit entfliehen kann. So verbindet die Jungfrau Maria alle Libanesen. In ihren Wundern und Erscheinungen wird sie auch bei Muslimen hochgeachtet. Maria beschützt jeden einzelnen, aber auch das gesamte Volk, was als wichtiges Band aller Libanesen wahrgenommen wird.

Es war deshalb keine Überraschung als 2010 das Fest der Verkündigung (25. März) zu einem von Christen und Muslimen befürworteten staatlichen Feiertag im Libanon wurde. Es ist der erste gemeinsame christlich-islamischer Feiertag in der Geschichte des Landes. Der Tag ist geprägt von Direktübertragungen im Fernsehen von Feierlichkeiten und gemeinsamen Gebeten. Sogar ein „Ave Maria“ wurde dafür eigens komponiert und ein islamisch-christliches Logo entworfen. Der Platz vor dem Nationalmuseum in Beirut heißt nun „Marienplatz“ und wird von einer Marienstatue geschmückt.

der emmauspilger

Ein Kommentar zu “Die christliche und muslimische Maria

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