Atmen sie noch einmal tief durch …

Es steht nur mehr in älteren Ausgaben von Lehrbüchern der Ökonomie, dass es Dinge gibt, welche einen Gebrauchs- aber keinen Tauschwert besitzen. So zum Beispiel Luft und Wasser. In der Natur hat sie Gott dem Menschen unbegrenzt zur Verfügung gestellt, sie sind kein Ergebnis menschlicher Arbeit. Hinsichtlich des Wassers änderte der Mensch jedoch diesen Wert zum Tauschwert. Zuvor verknappte er künstlich dieses Gut, um anschließend eine industrielle Trinkwasserversorgung einzurichten, die nun ihren Preis besitzt.

Es war einmal die Idee, es gäbe ein Menschenrecht auf Wasser. Allerdings wurde diese vom Verwaltungspräsidenten von Nestlé, dem weltweit größten „Erzeuger“ von Trinkwasser, „extremistisch“ genannt. Mit dieser Ansicht steht er inzwischen nicht mehr allein, auch deutsche Experten verkünden ihre bezahlte Behauptung, dass nur mehr die Gewinnabsicht der Versorger dem großen Trinkwasserdurst der Menschheit gerecht werden kann. So wird Trinkwasser zum Lebensmittel und damit zur Ware, die man zu bezahlen hat. So bleibt nur mehr die Luft, die der Mensch noch frei erhält. Aber wohl nicht mehr lange.

Es begann vor einhundert Jahren mit einem Kunstwerk des Franzosen Marcel Duchamp. Er versah ein leeres Fläschchen mit der Aufschrift: „Air de Paris“, „Luft aus Paris“. Damit brachte er einige Leute auf die Idee, auch aus Luft Wert zu schöpfen. Heute findet man in vielen Souvenirläden der Welt Flaschen mit Berliner oder New Yorker Luft. Auch die Firma „Vitality Air“ aus Kanada sah es zuerst nur als Gag an, Luft aus den Rocky Mountains zu vermarkten. Doch vom Smog geplagte Chinesen fragten dieses Produkt plötzlich in großen Mengen nach, das Geschäft boomt: Für 20 Dollar erhält man nun frische Luft aus Nordamerika. Wieder hat die künstliche Verknappung einer natürlichen Ressource deren industrielle Versorgung erforderlich gemacht und sie somit zu einem Lebensmittel, einer Ware.

Warten wir nun also gespannt darauf, bis der erste Geschäftsführer eines Luftversorgers es ausspricht: „Nur Extremisten werden einwenden, es gebe ein Menschenrecht auf Atmung“. Und natürlich werden ihm viele Experten zustimmen und die Menschen, vielmehr Konsumenten, können erleichtert feststellen, dass sie als auf den Konsum reduzierte Menschen ihren gesunden Menschenverstand nicht mehr benötigen, weil andere ihn viel besser zu gebrauchen wissen. Allerdings müssen die Konsumenten natürlich für den nun professionalisierten Gebrauch des Menschenverstands auch bezahlen.

der emmauspilger

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