Christusorte – Palmsonntag in Betfage

Betfage und Betanien waren die Ausgangspunkte des messianischen Einzugs Jesu in Jerusalem (Mt 21:1; Mk 11:1; Lk 19:29; Joh 12:2) an Palmsonntag. Über die genaue geografische Lage von Betfage besteht keine Sicherheit. Es wird wohl in der Nähe von Betanien am Osthang des Ölbergs gelegen haben. Eine Tradition aus dem Mittelalter kennt einen Stein, von dem aus Jesus bei seinem feierlichen Einzug in Jerusalem den Esel bestieg. Die Zeugnisse darüber sind allerdings ungenau. Theodoricus aus dem Rheinland berichtet 1172 von seiner Pilgerreise, dass dieser Stein auf halben Weg zwischen Betanien und dem Ölberg lag und dort nun eine Kapelle steht.

Diese Kapelle geriet in Vergessenheit, nachdem die Kreuzfahrer das Hl. Land verlassen mussten. Im 15. Jahrhundert war nurmehr eine vage Erinnerung von jenem Ort vorhanden. Dennoch begannen damals von dort aus die Franziskaner nun ihre Palmsonntagsprozession. Diese wurde allerdings 1563 von den muslimischen Herrschern verboten, erst 1933 konnte die alte Tradition wieder aufgenommen werden.

Im Jahr 1877 entdeckte man jenen denkwürdigen Stein aus den mittelalterlichen Pilgerberichten und auch die Kapelle konnte archäologisch nachgewiesen werden. Die Franziskaner kauften 1880 das Gelände und bauten auf den alten Fundamenten eine neue Kapelle. Der Stein erhielt dabei einen Ehrenplatz. Seine Bemalung, entstanden in der Kreuzfahrerzeit, bekundet die Verbindung zum benachbarten Betanien, denn die dorthin weisende Südseite ist der Auferweckung des Lazarus gewidmet. Die andere Seite zeigt den Einzug Jesu in Jerusalem.

Das größte Fest der Kapelle ist natürlich die Palmsonntagsprozession, die am Nachmittag beginnt. Tausende Menschen versammeln sich hier und ziehen dann über den Ölberg in die Hl. Stadt ein. Für die Lateinische Kirche ist es die größte öffentliche Manifestation des Hl. Landes. Neben der kleinen Kirche liegt der Olivenhain der Franziskaner. Der Klostergarten ist ein kleines Freilichtmuseum. Ein anderer Teil des Geländes dient sozialen Zwecken, denn in den dort errichteten Häuserblöcken werden bezahlbare Wohnungen für einheimische Christen angeboten.

Am Rande des idyllischen Klostergartens reckt sich die riesengroße Mauer empor, welche das israelische Gebiet hermetisch vom palästinensischen Bereich abtrennt. Sie zertrennt die beiden Orte Betanien und Betfage, die in den Evangelien in einem Atemzug genannt werden. Ein direkter Weg existiert heute nicht mehr; Jesus und seine Jünger müssten einen weiten und beschwerlichen Umweg auf sich nehmen, um nach Jerusalem zu gelangen.

der emmauspilger
S.D.G.

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