Basics: Was ist Sünde?

Es gibt ein großes Hindernis, um lieben zu können: Es ist die Sünde. Doch was ist die Sünde? Heute wird meist vermieden das Wort Sünde zu gebrauchen, weil es auch missbraucht wird. Sünde hat immer mit Schuld zu tun, doch die moderne Pädagogik kennt keine Schuld mehr, sondern nur mehr Schuldgefühle, die wegtherapiert werden können. Sünde wird heute meist dahingehend interpretiert, dass etwas attraktiv, aber verboten ist: Die Schokolade, die man nicht essen soll, weil sie die Figur zerstört oder die überschrittene Höchstgeschwindigkeit auf der Straße, die einen zu einem Verkehrssünder macht, wenn man erwischt wird.

Doch diese Sicht auf die Sünde führt uns auf die falsche Spur. Die Sünde hat zunächst nichts mit Moral zu tun. Die Sünde greift des Menschen ureigenstes Wesen an: seine Beziehungsfähigkeit. Die Sünde ist die Trennung des Menschen von Gott. Doch was ist schlimm an dieser Trennung von Gott? Diese Trennung hat eine völlig andere Qualität als eine Trennung von alten, unmodischen Kleidern oder den nun ungeliebten Partner: Es ist die Trennung vom Schöpfer des Menschen, die Trennung des Geschöpfs vom Schöpfer und damit die Trennung vom Licht, der Liebe und dem Leben. Somit ist der Mensch tot, eben so wie Adam und Eva nach dem Genuss der verbotenen Frucht dem Leben gestorben sind, ganz wie Gott es ihnen voraussagte: „denn am Tage, da du davon isst, musst du sterben“ (Gen 2:16). Adam und Eva lebten körperlich noch weiter, aber es ist das Leben Gottes, das in ihnen gestorben ist. Paulus weist darauf in Rö 5:12 hin: „Wie daher durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt eintrat und durch die Sünde der Tod, und so auf alle Menschen der Tod überging, weil alle sündigten“. Paulus spricht von der Sünde im Singular und nicht von den Sünden. Er bezieht sich einzig auf die Trennung von Gott.

So kann man nun fragen: Bestraft mich Gott, wenn oder weil ich Sünder bin? Die Antwort ist einfach: Nein, denn man bestraft, verurteilt sich selber, denn wer sich selbst von Gott trennt, ist tot. Auf Selbstmord steht nicht die Todesstrafe, Tote können nicht mehr bestraft und getötet werden. Gott tötet keine Sünder, es ist die Sünde, die tötet, es ist die Trennung von Gott, wie Rö 6:23 bestätigt: „Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gnadengabe Gottes aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“. Es ist also der Sünde Lohn, der uns tötet, und nicht Gottes Lohn. Wenn man das Licht ausschalten soll und die Finsternis einschalten, dann genügt ein Handgriff. Die Abwesenheit von Gott, dem Licht, schafft automatisch die Finsternis. Nimmt man Gott, die Liebe, hinweg, dann bleibt der Hass oder die Gleichgültigkeit übrig. Hass und Gleichgültigkeit müssen nicht erfunden werden, sie bleiben, wenn man die Liebe wegnimmt. Nimmt man Gott, das Leben, hinweg, dann bleibt nur mehr der Tod übrig, die Sünde. Man kann das Licht messen, aber nicht die Dunkelheit, deshalb existiert das Böse dort, wo die Liebe, Gott, fehlt. Johannes schreibt (1Joh 1:5): „Und das ist die Botschaft, die wir gehört haben von ihm und euch verkünden: Gott ist Licht, und Finsternis ist nicht in ihm.“ Was sich trennt von Gott wird böse, was sich aber sogleich nicht moralisch als böse auswirken muss.

In Rö 6:23 spricht aber Paulus bereits Gottes Lösung aus diesem Dilemma an, seinen „Aktionsplan gegen die Sünde“: Jesus Christus, sein Kreuz und seine Auferstehung. Mit Jesus kann jeder Mensch wieder eine Verbindung zu Gott erhalten und das ist Gnade. Diese Gnade ist das ewige Leben. Deshalb kann der Herr sagen (Joh 11:25): „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist“. Dies schreibt uns Johannes noch einmal in seinem 1. Brief (1Joh 5:11-12): „Und dies ist das Zeugnis, daß uns Gott ewiges Leben gab, und dieses Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht“. Der Herr hat mit seinem Leben dafür bezahlt, dass unsere Trennung von Gott überbrückt werden kann, dies ist unsere Heilung, erwirkt vom Heiland, damit die Zeit der Gnade in die Welt hereinbrechen kann.

Gottes Barmherzigkeit schenkt uns somit einen Heilsplan, denn seine unermessliche Liebe dürstet nach unseren Seelen, er will Gemeinschaft und Beziehung zu uns und will die Kränkungen unserer Beziehungen zu anderen Menschen heilen. Die Zeit der Gnade ist die dritte der vier Weltzeiten in Gottes „Aktionsplan gegen die Sünde“ für uns Menschen, der vier Formeln enthält:
1. im Paradies: posse peccare; möglich zu sündigen.
2. nach dem Paradies: non posse non peccare; nicht möglich, nicht zu sündigen.
3. durch Jesus: posse non peccare; möglich, nicht zu sündigen.
4. im Himmel (nicht mehr im Paradies!): non posse peccare; nicht möglich, zu sündigen.
In diesem Heilsplan sollen die Seelen dahingehend vervollkommnet, geheiligt werden, dass sie die liebevolle Gnade in Abhängigkeit von Gott annehmen lernen und ihren Willen ganz in Christus in seine Liebe verwandeln. So gelingt in der Welt ein erfülltes Leben und es führt schließlich zu einem ewigen Leben bei Gott.

Achten wir also immerwährend auf unsere Haltung zur Sünde und auf die Beweggründe, die Herzenshaltung bei unseren Taten, denn in der Zeit der Gnade ist es auch stets möglich nicht zu sündigen. Alle moralisch böse Taten haben als Symptom die Sünde. Es gibt keinen Menschen, der in seiner Schwachheit nicht sündigt. Manchmal hört man jedoch die Meinung: Es war keine Sünde, es war eine Dummheit. Der Mensch betrügt sich dann selbst, denn eine Dummheit, so meint er, liegt allein in ihm und er kann sie selbst bereinigen, abstellen, heilen oder eben zulassen. Wer aber davon spricht, dass er gesündigt hat, muss dies mit einer anderen Person regeln, mit Gott und dem anderen Menschen, denn es gibt keine unpersönliche Sünde. Jede Sünde verletzt Beziehungen – zu Gott und zu Menschen. Jede Sünde hat somit Folgen, verletzt die Harmonie, ob man es sofort bemerkt oder erst später. Ebenso gibt es keine unpersönliche Liebe. Es ist keine wahre Liebe, wenn man etwa die Welt oder ein Land liebt. Die Liebe bezieht sich immer auf eine Person und eine solche Liebe aufrecht zu erhalten, ist weitaus schwieriger, als abstrakte Dinge zu lieben.

Das Kreuz des Herrn war jener Ort, wo Gott die Sünde quasi wegliebte. Dabei dachte er dort am Kreuz konkret an deine, an meine Person. Es ist Gottes Liebe zu uns, die Sünde überwindet, wir müssen diese Liebe annehmen lernen und darauf mit dieser gleichen Liebe reagieren. Gottes Liebe ist nicht billig, sie ist unendlich wertvoll durch Christi Blut, denn Gott ist kein Kuschelgott der Be-Lieb-igkeit, sondern ein Gott, der an und für unsere Sünden radikal und als erster leidet. Deshalb ist es unsere Buße, unsere Umkehr, die diese Liebe in ihrer Kostbarkeit würdigt. Das Böse der Welt kann durch solche Liebe ebenso in Demut und dienend weggeliebt werden, durch uns Christen, das ist eine erhabene und würdevolle Aufgabe im Auftrag Gottes, die uns zu Würdenträgern Gottes in der Welt macht. Es kann unser Leid, unser Gebet, unser Handeln aus Liebe sein, die wir als Sühne Gott anbieten für jene, die seine Liebe nicht annehmen wollen. Buße tun ist das Abarbeiten seiner eigenen Sünden, Sühne leisten kann der Versuch sein stellvertretend die Sünden anderer zu tilgen, ganz in der Teilhabe am Leben Jesu.

Es ist allein die Liebe, die Beziehungen erbaut. Es ist allein die Sünde, die Beziehungen zerstört. So wird klar: Wer nicht über Sünde redet, redet auch nicht über die Liebe. Darum ist es allein die Sünde, die hindert den Nächsten und in ihn Gott zu lieben. Gott zeigt uns einen Weg lieben zu können, Johannes offenbart ihn (1Joh 1:9): „Jeder, der aus Gott geboren ist, begeht nicht Sünde; denn sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist“. Es gilt für uns Menschen, Gott immer wieder unsere Trennung von ihm zu er- und bekennen. Gott ist immer bereit zur Versöhnung, wenn wir diese Sünde bekennen. Dabei ist Jesus Christus das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters (Papst Franziskus, Misericordiae vultus I). Und so können, ja müssen wir aus Liebe auch bereit sein vor Menschen unsere Sünde zu bekennen, unsere Trennung von ihnen. In diesem Sündenbekenntnis leben wir in der Vergebung und leben die Vergebung, dies ist die wunderbare Freiheit eines Christen in dieser Zeit der Gnade.

der emmauspilger
S.D.G.

Siehe auch: Warum und wie Vergebung?

Ein Kommentar zu “Basics: Was ist Sünde?

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