Ein Fastenlächeln in der Freude Gottes

In der Bergpredigt mahnt uns der Herr: „Wenn ihr fastet, so schaut nicht finster drein wie die Heuchler; denn diese entstellen ihr Antlitz, damit die Menschen sehen, daß sie fasten“ (Mt 6:16a). Sein Antlitz entstellen bedeutet auch als Ebenbild Gottes dessen Antlitz zu entstellen. Als Kinder Gottes dürfen wir jedoch an der Freude des Herrn teilhaben und diese Freude soll uns Christen stets anzusehen sein, auch, ja gerade in der Fastenzeit. Thomas von Aquin unterscheidet die Freude an Gott von der Freude darüber, dass wir ihn „besitzen und genießen“ dürfen. Doch der ersteren Freude räumt er den Vorrang ein: „So ist denn die Freude keine von der Gottesliebe unterschiedene Tugend, sondern ist Akt oder Wirkung der Gottesliebe“. (1) Es ist also die Gottesliebe, die uns freudig und lächelnd fasten lässt.

Auch ein Heiliger der Ostkirche, Seraphim von Sarow, bestätigt, dass es unsere Gottesliebe ist, welche die Freude Gottes in die Seele einpflanzt. Es ist eine Freude vom Heiligen Geist und im Heiligen Geist, die man wirklich fühlen kann, durch eine Wärme, einen Wohlgeruch und einen tiefen inneren Frieden. „Wenn der Geist Gottes in eine Seele herabsteigt und sie mit Seiner Fülle durchdringt, verspürt sie unaussprechliche Freude, denn Er bringt Freude hervor in allem, was er berührt“. (2) Gerade in der Fastenzeit kann man seine Seele durch Schärfung der Sinne und des Geistes sensibler für die Berührung Gottes gestalten, die Freude hervorruft. Diese Freude in der Berührung durch Gottes Geist lässt uns lächeln.

Der heilige Franz von Assisi sagte einmal zu einem Bruder, der ein mürrisches Gesicht machte: „Warum schaust Du so traurig drein? Hast Du eine schwere Sünde begangen? Weißt Du, einen anderen Grund zur Traurigkeit gibt es nicht“. (3) Mit dem Sakrament der Versöhnung können wir Katholiken besonders in der Fastenzeit jeglichen Grund zur Traurigkeit hinter uns werfen. Dazu drängt die Gottesliebe, darum wirbt die Freude im Hl. Geist und was bleibt ist ein Lächeln, weil wir erlöst sind.

Die Freude ist es auch, die uns vor weiteren Versuchungen bewahrt, darauf weist uns die hl. Mutter Teresa von Kalkutta hin: „Nichts schützt uns besser vor Versuchungen als die Freude. Ein frohes Herz weiß, wie es sich vor dem Teufel schützen kann“. (4) So wird unser Lächeln in der Fastenzeit zum äußerlichen Ausdruck unserer Erlösung, weil wir ein gutes Gewissen haben. Wie ein gutes Gewissen die Ursache der geistlichen Freude ist, so ist andererseits diese Freude ein Kennzeichen dafür, dass der Mensch ein gutes Gewissen hat und in der Gnade und Freundschaft Gottes steht.

Die große „kleine“ Kirchenlehrerin Therese von Lisieux sieht im Lächeln einen wirksamen Weg sogar im Leid (und im „Leid“ des Fastens) glücklich zu werden. „Wenn ich viel leide, wenn mir viel Schmerzliches und Widerwärtiges in den Weg kommt, dann mache ich kein trauriges Gesicht, sondern ich antworte mit einem Lächeln. Anfangs ist mir das nicht immer gelungen; aber jetzt habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, und bin sehr glücklich darüber“. (5) Und weiter: „Mein kleines Mittel besteht darin, immer froh zu sein, immer zu lächeln, ob ich nun falle oder ob ich einen Sieg davontrage“. (6) So wird das Leiden, welches Gott schickt, zu Zeugnissen seiner Liebe, weil es die Seele durch das Ertragen in Gottesliebe zur Heiligung und damit zur Vollendung in Gottes ewigem Leben führt.

Die kleinen und großen Leiden in und außerhalb der Fastenzeit können also durch ein Lächeln durch die Gottesliebe ertragen werden. Dieses Lächeln ist nicht nur eine Tarnkappe, um die Geheimnisse des Herzens zu hüten, es ist auch Instrument strenger Buße und Selbstüberwindung, die in der Fastenzeit geschult werden soll. Im Fasten soll man nicht auffallen, gar „interessant“ sein, weder die Bewunderung noch das Bedauern der Mitmenschen herausfordern. Unser Lächeln in der Fastenzeit und danach kann ein Widerschein des göttlichen Lächelns sein, mit dem man Mitmenschen bejaht und alles Schwere gelassen annimmt. Dieses eigentümliche Lächeln eines Christen kann so zum schlichten Ausdruck seiner eigenen inneren Schönheit und Hoffnung auf die Auferstehung sowie das ewige Leben werden.

Ein unbekannter Verfasser aus Spanien hat den Zauber des freudigen Lächelns eines Christen aus Gottesliebe einmal in einem Gedicht zusammengefasst:

Ein Lächeln
Ein Lächeln kostet nichts, vermag aber viel.
Es bereichert den Empfänger, ohne den Geber ärmer zu machen.
Es dauert nur einen Augenblick, aber die Erinnerung daran kann unsterblich sein.
Niemand ist so reich, dass er darauf verzichten könnte, niemand darbt so sehr, dass er nicht dies Almosen schenken könnte.
Ein Lächeln bedeutet dem Ermatteten Ruhe, der bedrückten Seele Mut und dem trauernden Herzen Trost.
Es ist wahrhaft ein Heilmittel, das die Natur für alle Plagen bereithält.
Und dennoch kann man es weder kaufen noch an sich reißen, denn es erhält seinen Wert erst im Sich-Schenken.
Und wenn dir jemand das Lächeln, das du verdienst, verweigert, sei großzügig: schenke das Deine!
Denn niemand tut ein Lächeln so not wie jenem, der dem andern keines zu schenken vermag.

 

der emmauspilger
S.D.G.

(1) Thomas von Aquin: Theologische Summe 1. II. Frage 28, 207.
(2) V. Zander: „Seraphim von Sarow“; Düsseldorf 1965, 139f.
(3) H. S. Braun: „Vom Humor des Christen. Ein Kapitel über frohe und unfrohe Frömmigkeit“; Innsbruch 1948, 64f.
(4) Mutter Teresa: „Gedanken für jeden Tag“; Freiburg 1992, 144.
(5) Therese von Lisieux: „Geschichte einer Seele“; Einsiedeln 1947 (Adrienne von Speyer), 222.
(6) Celine Martin: „Die kleine Therese von Lisieux. Aufzeichnungen und Erinnerungen ihrer Schwester“; München 1985, 21.

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