Steckbrief: Anselm von Canterbury

Anselm von Canterbury wurde um 1033 in Aosta geboren und starb 1109 in Canterbury. Er gilt als Begründer und Vater der Scholastik, eine wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung durch theoretische Erwägungen. Anselm befasste sich besonders mit dem Verhältnis von Vernunft und Glaube. Dabei formulierte er den berühmten Lehrsatz: Credo ut intelligam (ich glaube, damit ich erkennen kann).

Demnach fordert Anselm, dass man Glaube als Quelle der Wahrheit ernst nehmen soll. Er wirkt dort weiter, wo die Vernunft nicht erkennen kann. So etwa die Berufung in die ewige Gemeinschaft mit Gott, den Gott der Liebe oder Gott in Jesus Christus als Erlöser, Retter und Tröster. Nur wer glaubt, kann das tiefere Verständnis vom Menschen und von Gott erhalten.

Diese Glaubenswahrheiten sollen aber mithilfe der Vernunft erklärt werden. Dazu dienen der gottgegebene Verstand und die Weisheit, die Sophia. Die Vernunft ergründet Antworten auf die Fragen: Welche Voraussetzungen hat die Berufung in die ewige Gemeinschaft mit Gott? Wie kann man in das Reich Gottes gelangen? Was bedeutet ein Gott der Liebe, Jesus Christus als Tröster, Retter und Erlöser?

Der Glaube muss demütig angenommen werden, damit man mit der Vernunft tiefer in diesen Glauben eindringen kann. Es ist die Philosophie, die der Theologie dient. Anselm postuliert: „Philosophia ancilla theologiae“ (Philosophie ist die Magd der Theologie). Anselm setzte keineswegs den Glauben gegen die Vernunft, vielmehr fordert er den Glauben, um mehr zu verstehen, denn die menschliche Vernunft und Erkenntnismöglichkeit ist begrenzt. Das im Glauben erkannte ist mit der Vernunft zu durchdringen.

Diese Lehre von Anselm drehte später der umstrittene Petrus Abaelardus (1079 – 1142) um. Bekannt wurde Petrus auch durch seine verbotene Liebe zu Heloisa und sein größter Gegner war Bernhard von Clairvaux. Petrus setzt Vernunft und Glaube ebenso in Beziehung, geht jedoch davon aus, dass man erst wissen muss, um Glauben zu können. Es ist die Mischung, die von der Vernunft ausgehend, den Glauben zur Erkenntnis führt. Dieser Gedankensansatz erhielt besonders in der Neuzeit große Bedeutung. Jedoch wird ein Gott der Liebe niemals durch Wissen und Vernunft erklärbar, der Verstand gerät an seine Grenze, die das Wissen im Glauben überschreiten kann.

Anselm von Canterbury wurde besonders durch seinen ontologischen Gottesbeweis bekannt. Ontologisch meint aus dem Begriff, aus dem Logos das Sein ableiten. Dies ist jedoch nur bei Gott möglich, nicht bei fliegenden Drachen oder Elfenwesen. Demnach beginnt Anselm mit der Suche nach einem Begriff für Gott. Er erkennt: Gott ist das Größte, das gedacht werden kann. Dieser Gedanke schließt das Dasein Gottes mit ein, denn wenn Existenz fehlt, kann es nicht als das Größte gedacht werden.

Anselm stellte sich die Frage: Warum musste Gott Mensch werden? Er kommt zu dem Schluss, dass der Mensch wegen der Erbsünde die göttliche Gerechtigkeit nicht mehr erkennen kann. Jesus Christus jedoch zeigt in seinem Leben und Worten die Umsetzung dieser göttlichen Gerechtigkeit. In Jesus sieht man den Vater. Durch Jesus erhält Gott ein menschliches Antlitz. Dieser Gott ist also kein ferner Gott, er reicht vielmehr dem Menschen die Hand in Jesus.

der emmauspilger
S.D.G.

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