Spurensuche: Abraham in Mamre bei Hebron

Am Ostrand von Hebron erreicht das judäische Bergland eine Höhe bis zu 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Im Vorort Halhul, eine Glasbläserstadt, passiert man den biblischen Ort Bet Zur. Er ist eine Festung aus der Zeit der Makkabäer und am Straßenrand entdeckt man den Philippusbrunnen, wo der äthiopische Kämmerer getauft wurde (Apg 8:26-40). Heute sieht man von der einst dort stehenden Basilika nur mehr wenige Mauerreste.

In Gen 13:18 erzählt die Hl. Schrift von der Reise Abrams zu den Eichen von Mamre bei Hebron. In Gen 18 beherbergt er dort drei Männer oder Engel. Der Standort dieser Eichen war seit jeher schwer zu lokalisieren. Natürlich sind hier keine typisch deutschen Eichen gemeint, sondern eher ein herausragender, ein großer Baum oder Bäume. Biblische Angaben botanischer Bezeichnungen werden vage, weil oftmals Übersetzungsschwierigkeiten auftreten.

Zwei Orte bewahren heute diese Tradition von Mamre. Ein Kilometer westlich des Stadtzentrums von Hebron liegt das „russische Mamre“. 1871 kaufte der russische Archimandrit Krapustin dieses Grundstück mit einer stattlichen Eiche. Diese regte bereits im 19. Jahrhundert Araber an in frommen Erzählungen dort den Ort zu lokalisieren, wo Abraham seine Gäste empfing. Der Baum ist heute verkohlt und die Reste werden mit einem Stahlskelett zusammengehalten. Doch er bleibt Zeichen einer glühenden Verehrung russischer Pilger. Die drei Besucher von Abraham werden in der Theologie mit der heiligsten Dreifaltigkeit identifiziert, weshalb die Kirche dort der heiligsten Dreifaltigkeit geweiht ist.

Der andere Ort wird als das „alte Mamre“ bezeichnet. Er liegt an der Hauptstraße von Halhul nach Hebron und wird Ramet El Chalil (Anhöhe des Freundes Gottes) genannt. Der weite Platz ist etwa 70 Meter lang und 50 Meter breit. An der Südwestecke gibt es einen in den Fels geschlagenen Brunnen, bei dem archäologische Ausgrabungen zahlreiche Kleinfunde zu Tage brachten, die auf eine lange Verehrung hinweisen. Eine Lücke im Plattenbelag neben dem Brunnen wird als Standort der nun verschwundenen Eiche gezeigt. Die alte Madaba-Karte weist eine große Terebinthe neben einer Kirche aus, die von Kaiser Konstantin errichtet wurde. Mauerreste dieser Basilika sind im Ostteil des Platzes zu erkennen, eine Apsis und Strukturen von Nebenräumen. In der Mitte des Platzes lag in der Tradition jener Freialtar, den Abraham errichtet hat.

Dieses „alte Mamre“ war schon in der Eisenzeit bewohnt, wie Funde beweisen. Seine Blüte erlebte es zur Zeit des 2. Tempels unter Herodes, der das Areal mit einer Mauer umfriedete. Beim ersten jüdischen Aufstand 66-70 wurden Teile der Bauten zerstört, aber unter Kaiser Hadrian wieder aufgebaut. Er diente dann als Markt- und Festplatz und für heidnische Opfer. Im Jahr 333 berichtet ein Pilger aus Bordeaux von einer dort errichteten konstantinischen Basilika. Er schreibt: „Wo Abraham wohnte, unter dem Terebinthenbaum einen Brunnen grub, mit den Engeln gesprochen und gegessen hat, da ist auf Befehl Konstantins eine Basilika von wunderbarer Schönheit errichtet worden“. Die Perser zerstörten diese Basilika, der Platz wurde nun als Wasserspeicher und Viehweide genutzt. In den 1920er Jahren war es die deutsche Görresgesellschaft, die unter E. Mader den Ort archäologisch erschloss.

Der Kirchenhistoriker Sozomenos (308-450) verfasste einen antiken Bericht über Mamre. Demnach erbaute Kaiser Konstantin auf Anregung seiner Frau Fausta die Basilika und verbot die dort vollzogenen heidnischen Bräuche. Dennoch blieb es ein multikultureller Ort, wie Sozomenos in seinem 2. Buch seiner Kirchengeschichte beschreibt (2.4). So kamen dort einst Palästinenser, Araber und Phöniker zusammen, um zu Handeln und ein Fest zu begehen. Auch Juden kamen hierher wegen Abraham, Hellenen wegen der Engel und Christen, weil Jesus Christus unter den drei Männern war. Die einen beten dort den Gott des Alls an, die anderen rufen die Engel an und opferten Tiere.

der emmauspilger
S.D.G.

7 Kommentare zu “Spurensuche: Abraham in Mamre bei Hebron

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