Spurensuche: Abraham in Hebron

Hebron liegt auf 900 Höhenmetern in einem Tal des judäischen Berglands und ist Handels- und Verkehrszentrum der Region. Militante national-religiöse Siedler lassen Hebron zu einem politischen Brennpunkt werden. Die arabischen Bewohner mussten wegen dieser Siedler 1000 Wohnungen und 1800 Geschäfte in der Innenstadt verlassen. Straßensperren, Zäune, Mauern und Wachttürme prägen das Stadtbild.

Auf dem Tell Rumejda, nordwestlich des Zentrums, liegen die ältesten Siedlungsspuren von Hebron, die man in die frühe Bronzezeit, ca. 3300 bis 2300 v. Chr. datieren kann. Einst thronte hier eine Stadt auf Kalksteinfelsen, die eine sechs Meter breite Mauer umgab. Doch sie wurde aufgegeben und in der Eisenzeit, ca. 1200 bis 1000 v. Chr., kam es zu einer ersten Blütezeit der Stadt, die sich auf 3 Hektar erweiterte. Archäologische Funde identifizieren sie als das „alte Hebron“. Dort findet man auch einen Brunnen, der das lebensnotwendige Wasser für die Stadt bereitstellte und als „Abrahamsbrunnen“ bezeichnet wird.

Am Militärstützpunkt vorbei, an der Spitze des Tell Rumejda, sieht man die Reste eines byzantinischen Klosters. Ziemlich jung ist die Tradition, entstanden erst im 17. Jahrhundert, dass hier das Grab von Ischaias zu finden ist, dem Vater von König David. Später wird in der Tradition auch das Grab der Ruth hier lokalisiert. Allerdings ist eine objektive historische Forschung nicht möglich, da hiesige radikale Siedler dies verhindern. So bleiben die Reste des byzantinischen Klosters und das gefundene Kapitell mit christlichen Motiven ohne geschichtlichen Hinweis.

Das „neue Hebron“ gruppierte sich in hellenistisch-römischer Zeit um den „Haram el Chalil“, die Grablege des Patriarchen Abraham, der „Freund Gottes“. In der Hl. Schrift ist ein weiterer Name für Hebron verzeichnet: Kirjat-Arba. Eine nähere Umschreibung des Begräbnisortes von Abraham ist im 23. Kapitel der Genesis zu finden. Im Vers 19 heißt es: „Dann begrub Abraham seine Frau Sara in der Höhle des Grundstücks von Machpela bei Mamre, das jetzt Hebron heißt, in Kanaan“. In Gen 25:9 wird auch das Begräbnis Abrahams in der Höhle von Machpela erwähnt. Seit ungefähr 300 v. Chr. lokalisiert man diese Höhle am heutigen Platz. Herodes der Große umgibt den 34 mal 59 Meter großen Platz später mit einer gewaltigen Mauer, die eine Höhe von 18 bis 20 Metern erreicht. Bei manchen Steinen misst man eine Länge von sieben Metern.

In byzantinischer Zeit baut man eine Kirche innerhalb des Platzes, die in islamischer Zeit in eine Moschee umgewandelt wird und Minarette angebaut. Im Innern der Moschee findet man neben der üblichen Einrichtung, wie Mihrab und Kanzel, auch zwei leere Grabmonumente, sogenannte Kenotaphe. Es sind die Gräber von Rebekka und Isaak. Im ehemals offenen Hof stehen die Kenotaphe für Abraham, Sara, Jakob und Lea, die jedoch nicht von der Moschee aus zu erreichen sind. 1967 besetzten diesen Teil radikale jüdische Siedler und verwandelten ihn in eine Synagoge. Um sie zu besuchen, verlässt man die Moschee, geht durch eine Straßensperre mit einem Checkpoint sowie Sicherheitskontrolle und über eine Freitreppe in das Gebäude hinein. Im Innern können die Grabmonumente von zwei Seiten mittels eines Fensters eingesehen werden. Eine schusssichere Konstruktion soll Konflikte zwischen den jüdischen und muslimischen Besuchern verhindern.

Wo allerdings die eigentlichen Gräber der Erzväter in der Höhle Machpela liegen, ist ungeklärt. Die ursprünglichen Eingänge vermauerte man, letzte Berichte sind aus dem Jahr 1119 bekannt, als ein Augustinermönch die Höhle heimlich erkundete. 1917 entdeckte ein Forscher unterirdische Räume, 1968 ließ Mosche Dayan nachts ein kleines Mädchen in die Gruft hinab. Beide „Expeditionen“ lieferten aber keine weiteren Erkenntnisse. Die israelischen Siedler versuchen gerade die Gruft in ihren Einflussbereich zu ziehen und sammeln Gelder für deren Erforschung. Man kann nur hoffen, dass sich Juden und Moslems hier einmal in Frieden und mit gegenseitigem Respekt begegnen können, schließlich berufen sich beide auf Abraham als ihren Vater.

der emmauspilger
S.D.G.

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